Streit zwischen Geistlichen: Israel begrenzt Zahl der Gottesdienstteilnehmer

JERUSALEM (inn) – Die Jerusalemer Polizei will die Zahl der Teilnehmer an der traditionellen Osterfeuerzeremonie am Samstag in der Grabeskirche begrenzen. Wegen eines Streits zwischen dem griechisch-orthodoxen und dem armenisch-orthodoxen Patriarchen fürchten die Beamten um die Sicherheit der Pilger, hieß es zur Begründung.

Von den beiden Konfessionen soll jeweils 500 Gläubigen der Einlaß in die Kirche gewährt werden. In den letzten Jahren hatten insgesamt rund 10.000 Menschen an der Feier teilgenommen und sich in und vor dem Gotteshaus versammelt.

Grund für die Entscheidung ist eine Auseinandersetzung zwischen dem griechisch-orthodoxen Erzbischof Aristarchos und dem armenisch-orthodoxen Bischof Aris Shirvanian. Beide konnten sich nicht darüber einigen, wer als erster die Grabkammer betritt, in der Jesus Christus beigesetzt worden sein soll, wer dort das heilige Osterfeuer entzündet und damit das Grab zuerst wieder verläßt.

Auch die Vermittlungen des israelischen Ministers Natan Sharansky führten zu keiner Lösung. Israel hatte die beiden Kirchenvertreter aufgefordert,sich bis Freitag zu einigen, um dann gegebenenfalls entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können.

Sharansky versicherte, daß die Regierung jede Lösung akzeptieren werde, da es nicht die Aufgabe Israels sei, sich in christliche Angelegenheiten einzumischen. Der Staat wolle jedoch die Sicherheit der Teilnehmer gewährleisten.

Da sich die Geistlichen nicht einigen konnten, sei schließlich keine andere Wahl geblieben. Durch die Verbreitung des traditionellen Osterfeuers bestehe Brandgefahr, falls es zu Auseinandersetzungen kommen sollte. Dies sei besonders gefährlich, da die Kirche lediglich einen Eingang besitzt, teilte die Polizei mit.

Im vergangenen Jahr war es während der Zeremonie zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden orthodoxen Geistlichen gekommen, da sie sich nicht einigen konnten, wer die Grabkammer als erster verlassen darf. Dabei hatte der griechische Patriarch den Armenier am Arm gepackt, um ihn zurückzuhalten und dadurch das Osterlicht wieder ausgelöscht.

Die orthodoxen Christen feiern an diesem Wochenende das Osterfest. Bei der Osterfeuerzeremonie wird am Samstag die Kirche verdunkelt. Die Grabkammer Jesu gilt als der heiligste Ort in der Grabeskirche. Symbolisch für die Auferstehung Jesu entzündet dort ein Patriarch das traditionelle Osterfeuer an einer Kerze und gibt dieses dann an die wartenden Gläubigen weiter, die ebenfalls Kerzen in den Händen halten.

Die Grabeskirche war bereits öfter Ausgangspunkt für Streitigkeiten. Das Gotteshaus wird neben den griechisch- und armenisch-orthodoxen Christen auch von lateinischen, koptisch-, syrisch- und äthiopisch-orthodoxen Christen in Anspruch genommen.

Im Sommer letzten Jahres war es wegen Besitzansprüchen zu heftigen Schlägereien zwischen Mönchen auf dem Dach der Kirche gekommen, das sich koptische und äthiopische Christen teilen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen