Spion Vanunu zum Rektor der Uni Glasgow gewählt

GLASGOW (inn) – Der wegen Spionage und Verrats von Staatsgeheimnissen verurteilte Israeli Mordechai Vanunu ist am Mittwochabend zum neuen Rektor der Universität von Glasgow gewählt worden. Die Studenten der schottischen Uni wollen damit ihre Sorge um Menschenrechte und Massenvernichtungswaffen ausdrücken.

Vanunu war im April nach 18 Jahren aus einem israelischen Gefängnis entlassen worden. Er war verurteilt worden, weil er in den 80er Jahren Geheimnisse über die Nuklearanlage Dimona nahe Be’er Scheva an eine britische Zeitung verkauft hatte.

Die Glasgower Studenten wählten den Spion mit einer Mehrheit von 1.033 Stimmen zu ihrem neuen Rektor. Er erhielt damit 240 mehr Stimmen als der zweitplatzierte Kandidat. Der Uni-Rektor, der für seinen Posten kein Gehalt erhält, repräsentiert für drei Jahre zum einen die Studentenschaft. Zum anderen ist er der Vorsitzende des Universitätsrates, der die Ressourcen der Uni verwaltet.

Vor dem Israeli wurde diese Ehre etwa den ehemaligen britischen Premierministern William Gladstone und Benjamin Disraeli zuteil sowie der Anti-Apartheidaktivistin Winnie Mandela. Die Universität Glasgow zählt neben Edinburgh, Aberdeen und St. Andrews zu den vier altehrwürdigen Universitäten von Schottland.

Die Studenten begründeten die Wahl Vanunus damit, dass sie sich für die Menschenrechte einsetzten und gegen Massenvernichtungswaffen seien. Eine pro-palästinensische Gruppe hatte ihn nominiert.

Laut einem Bericht der Tageszeitung “Jerusalem Post” sagte der Leiter der Universität, Sir Muir Russell: “Die Wahl demonstriert die mannigfaltige und internationale Anteilnahme der Studenten von Glasgow”.

Bei seiner Nominierung im vergangenen Monat versprach Vanunu: wenn er gewählt würde, “werde ich alles tun, um den Studenten zu helfen und die internationale Aufmerksamkeit auf die Beschränkungen in Israel richten”. Er fügte hinzu: “Eines Tages werde ich Israel verlassen dürfen; dann komme ich nach Schottland und werde mich noch sehr viel mehr um die Studenten kümmern.”

Der ehemalige Techniker der Dimona-Nuklearanlage hatte Anfang der achtziger Jahre rund 60 Fotos aus dem Inneren des Betriebes der britischen Tageszeitung “Sunday Times” zugespielt. Daraufhin wurde er von einer Mossad-Agentin aus London nach Rom gelockt, wo er festgenommen und nach Israel gebracht wurde. Als er im April das Gefängnis verlassen durfte, erhielt er vom Gericht Auflagen: er durfte weder ins Ausland reisen noch ausländischen Zeitungen Interviews zu geben. Weil er trotzdem mit ausländischen Medien gesprochen hatte, wurde er nach nur sieben Monaten erneut festgenommen. Bis dahin führte er zahlreiche verbale Attacken gegen den Staat Israel, plante, den christlichen Glauben anzunehmen und Israel für immer zu verlassen. Seit 1988 wird Vanunu von Menschenrechtsorganisationen jedes Jahr für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

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