Sorge um Krieg mit Syrien

JERUSALEM (inn) – Vertreter der israelischen Armee warnen vor einem möglichen Ausbruch eines Krieges mit Syrien im Sommer – deswegen dürfe trotz des Raketenbeschusses derzeit keine Bodenoffensive im Gazastreifen gestartet werden. Israels Premierminister Ehud Olmert bemüht sich derzeit um ein Friedensabkommen mit Syrien, sagte ein israelischer Vertreter, der anonym bleiben wollte.

Seit einigen Wochen beobachtet die israelische Armee eine Ausweitung militärischer Stellungen in Syrien, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Am 20. Mai registrierten Armeeangehörige, dass sich Damaskus offenbar auf einen Krieg mit Israel vorbereitet, es fanden verstärkt Waffenhandel und Truppenausbildungen statt.

Olmert angeblich zum Verzicht des Golan bereit

Olmert strebt neue Friedensgespräche mit Syrien an, sagte ein Vertrauter laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag. Der Premier erwäge, die Golanhöhen abzugeben. Israel hat den Golan im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1981 annektiert. Es gebe noch keine direkten Kontakte mit syrischen Vertretern, doch versuche Israel über Dritte herauszufinden, wie Syrien prinzipiell zu dieser Idee eingestellt sei.

„Die Hauptfrage ist, was Israel dafür im Gegenzug bekommt“, sagte der israelische Vertreter.
Olmerts Regierung fürchte, dass Syrien auch trotz eines Friedensabkommens enge Beziehungen zum Hardliner-Regime im Iran und zu anderen radikalen Gruppen aufrechterhalten könnte. Israel hat immer wieder betont, dass ein Dialog mit Syrien so lange unmöglich sei, wie das Nachbarland die Hisbollah-Miliz im Libanon und militante Palästinensergruppen wie die Hamas unterstützt.

Aus Syrien, das zuletzt im Jahr 2000 offiziell mit Israel verhandelte, gab es keine Stellungnahme zu den Gerüchten. Syrien besteht darauf, dass sich Israel bedingungslos von den Golanhöhen zurückzieht.

Olmerts Sprecherin Miri Eisin wollte indes nicht sagen, ob Israel Syrien ein entsprechendes Angebot gemacht habe. Der Premier habe jedoch immer betont, dass er prinzipiell Frieden mit Syrien anstrebe. „(Der Premier) stellt in Frage, ob die derzeitige syrische Regierung gewillt ist, bis zu einer Lösung durchzukommen, oder einfach nur an einem Prozess teilnehmen will“, so Eisin.

Palästinensische Vertreter sehen in dem möglichen Angebot Israels einen Versuch, Druck auf die Palästinenser auszuüben, Zugeständnisse zu machen. „Wir nennen sowas ‚zwischen den Gleisen spielen'“, sagte Ghassan Chatib, ehemaliges Mitglied des palästinensischen Kabinetts, der 1991 an Friedensverhandlungen teilgenommen hatte. „Dabei spielt man das eine Gleis gegen das andere aus.“

Keine Offensive in Gaza aus Sorge vor Kriegsausbruch

Der Hauptgrund, warum die Armee derzeit keine Bodenoffensive im Gazastreifen starte, sei die Sorge, dass diesen Sommer ein Krieg mit Syrien ausbrechen könnte, sagte ein Vertreter der Armee im israelischen Rundfunk am Freitag. Derzeit stehe Israel an „zwei Fronten“ – im Süden und im Norden. Man müsse abwägen, inwiefern die Armee an beiden Seiten gleichzeitig kämpfen könne.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Kriegsausbruch sei gering, sagte Generalmajor Giora Eiland, ehemaliger Chef des Nationalen Sicherheitsrates. Dennoch müsse die Armee eine „Abschreckungspolitik“ verfolgen, um einen Krieg zu verhindern.

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