Solana in Sderot

SDEROT (inn) – Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat die palästinensischen Raketenangriffe auf Israel angeprangert. Am Montag machte er sich in der israelischen Wüstenstadt Sderot ein Bild von der Lage.

Solana traf sich mit Israels Außenministerin Zipi Livni. Während ihrer gemeinsamen Pressekonferenz wurden die Politiker von Bürgermeister Eli Mojal über einen neuen Angriff informiert, bei dem eine 32-jährige Israelin ums Leben gekommen war.

Livni lehnte die Möglichkeit einer Feuerpause mit der Hamas ab. „Eine Feuerpause ist eine Art Täuschung“, sagte sie. „Selbst in Phasen der so genannten Ruhe zieht die Hamas einen Vorteil aus der Lage, um Waffen zu schmuggeln.“ Die Kassams seien ein Ergebnis des Erstarkens der Hamas. „Das ist ein strategisches Problem, mit dem man sich auseinander setzen muss. Wir werden weiter gegen die Hamas kämpfen. Den Terror zu bekämpfen bedeutet nicht, Abkommen mit Terror-Organisationen zu schließen. Wir müssen eine grundlegende Veränderung auf dem Feld zeigen.“

Solana war am Montag zu einem viertägigen Besuch in der Nahostregion aufgebrochen. Weitere Ziele sind die Palästinensergebiete, der Libanon und Ägypten. Das berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“.

Demonstranten wollen Milliardär als Premier

Nach dem tödlichen Angriff versammelten sich Hunderte Demonstranten vor dem Rathaus. Sie skandierten „Macht Arkadi zum Premierminister!“ – damit bezogen sie sich auf den Milliardär Arkadi Gaydamak, der bereits mehrfach Bewohnern von Sderot erholsame Tage in einer israelischen Stadt außerhalb der Reichweite der Raketen ermöglicht hat. Sie beschimpften Bürgermeister Mojal und Premier Ehud Olmert. Während der Kundgebung randalierten die Teilnehmer. Die Polizei beschlagnahmte zahlreiche Tomatenkisten. Damit wollten die Demonstranten Olmert bewerfen, der in der Stadt erwartet wurde.

Raketen unterbrechen Abitur

Insgesamt schlugen in der Gegend von Sderot am Montag laut der Armee 15 Kassam-Raketen ein. Die Schulen bleiben am Dienstag geschlossen. Allerdings fand am Montag das Abitur im Fach Englisch statt. Die Prüfung wurde vorübergehend durch den Raketenalarm unterbrochen. Drei Raketen gingen nieder. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren 85 Prozent der Prüflinge erschienen. Bei den Schülern der abschließenden zwölften Klasse betrug der Anteil 100 Prozent. In Israel werden die Abiturprüfungen auf mehrere Schuljahre verteilt.

Die 16-jährige Moran Scharoni aus der elften Klasse erzählte gegenüber der Zeitung „Jediot Aharonot“: „Gegen Ende der Prüfung hörten wir (das Warnsystem) ‚Zeva Adom‘. Selbst die Lehrerin geriet unter Druck. Alle Schüler rannten in unterschiedliche Richtungen und flohen aus der Klasse. Wir blieben im Gang im ersten Stock stehen, bis es vorbei war. Nach zehn Minuten wurden wir aufgefordert, zurückzukehren, als ob nichts gewesen wäre. Obwohl man sich nach ‚Zeva Adom‘ nicht wirklich konzentrieren kann. Wenn ich ehrlich bin, waren wir aus Furcht während der ganzen Prüfung nicht konzentriert. Ich wollte heute überhaupt nicht in die Schule kommen, aber ich bin gekommen, weil es meine Zukunft ist.“

Auf das Abitur vorbereitet hatte sich Moran in der Wüstenhauptstadt Be´er Scheva, die außerhalb der Reichweite der Raketen liegt. „Und es wäre besser gewesen, wenn wir dort auch die Prüfung abgelegt hätten“, sagte sie. „Ich verstehe nicht, warum sie beschlossen haben, sie in Sderot abzuhalten. Wenn die nächsten Prüfungen auch in der Schule stattfinden, denke ich nicht, dass ich hingehen werde.“

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