Serbische Straße trägt israelischen Namen

NOVI SAD (inn) - Die serbische Stadt Novi Sad hat eine Straße nach dem 2008 verstorbenen israelischen Politiker Josef "Tommy" Lapid benannt. Damit ehrte seine Geburtsstadt am Dienstag den Israeli, der seine serbische Herkunft nie vergessen habe.

Der Bürgermeister von Novi Sad, Igor Pavličić, wertete die Zeremonie als eine Gelegenheit, "zu sagen, wie wichtig unsere Beziehungen mit Israel sind, und gleichzeitig antisemitische Bemerkungen zu verurteilen, die in der Öffentlichkeit zu hören sind". Weiter sagte das Oberhaupt der drittgrößten Stadt in Serbien: "Es ist ein Akt der Freundschaft und der Anerkennung eines Menschen, der die Schoah überlebt hat und zu einem führenden Journalisten und Politiker in Israel geworden ist, der nie vergessen hat, wo er herkam." Auch der israelische Botschafter Arthur Koll war bei der Enthüllung des neuen Straßenschildes zugegen, berichtet die Zeitung "Jediot Aharonot".

Die Witwe, die Schriftstellerin Schulamit Lapid, war ebenfalls eingeladen. "Tommy war ein stolzer Jude, Israeli und Serbe", sagte sie. "Er war Teil einer Generation, die die Straßen ihrer Kindheit verloren hatte, und jetzt kehrt er in die Straßen von Novi Sad zurück." Ihr verstorbener Ehemann habe sich als serbischer Botschafter in Israel betrachtet.

Holocaust machte Lapid zum Zionisten

Lapid wurde 1931 als Tomislav Lampel in Novi Sad in eine ungarisch-jüdische Familie geboren. Gemeinsam mit seiner Mutter versteckte er sich in Budapest und überlebte so den Holocaust. Zuletzt konnte er nur mit knapper Not der Ermordung durch die Nazis entkommen. Als er zwölf Jahre alt war, wurde sein Vater von den Nazis verschleppt und im KZ ermordet – zwei Wochen vor der Befreiung. Diese Erfahrungen hätten ihn zu einem Zionisten gemacht, stellte er im Rückblick fest. Im Alter von 17 Jahren wanderte er mit seiner Mutter 1948 nach Israel ein und hebraisierte später seinen Namen.

In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde Josef "Tommy" Lapid zu einem der führenden Journalisten Israels. Unter anderem gehörte er zum Herausgeberstab der Tageszeitung "Ma´ariv", war Finanzdirektor der staatlichen Rundfunkbehörde und Vorsitzender der Union des Kabelfernsehens.

Im Jahr 1999 wurde er Mitbegründer und Vorsitzender der Schinui-Partei. Deren Ziel war es vor allem, gegen den Einfluss der Religiösen in der israelischen Gesellschaft – und da insbesondere der sephardisch-orthodoxen Schass-Partei – vorzugehen. Als Ariel Scharon 2003 zum Premierminister gewählt wurde, wurde Schinui mit 15 Abgeordneten die drittgrößte Partei im israelischen Parlament. Lapid übernahm das Amt des Justizministers. Doch war mit den Wahlen 2006 die Zeit der Schinui in der Knesset auch schon wieder vorbei. Zuvor hatte sich Lapid mit seiner Partei aus Protest gegen Finanzspritzen für die Ultraorthodoxen im Dezember 2004 aus der Regierung zurückgezogen und war Oppositionsführer geworden.

Als Bundespräsident Horst Köhler im Februar 2005 auf Deutsch vor der Knesset sprach, erklärte Lapid, das deutsche Staatsoberhaupt im israelischen Parlament zu begrüßen sei der beste Beweis dafür, dass es den Nationalsozialisten nicht gelungen sei, das jüdische Volk zu besiegen.

Im Jahr 2008 erlag der Politiker und Journalist 77-jährig einem Krebsleiden.

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