Sderot: Ein Jahrzehnt unter Raketenbeschuss

SDEROT (inn) - Vor zehn Jahren schlug die erste Kassam-Rakete aus dem Gazastreifen in der israelischen Wüstenstadt Sderot ein. Die Bewohner ahnten nichts von dem Dauerbeschuss, der sich aus diesem Angriff entwickeln sollte. Seitdem haben Palästinenser mehr als 10.000 Raketen auf Südisrael abgefeuert - mit immer größeren Reichweiten.

Am Mittag des 16. April 2001 wurden die Menschen in Sderot von einem bislang unbekannten Geräusch überrascht – ein unscheinbares Geschoss landete in der Stadt. "Wir haben die Bedeutung dieser Rakete überhaupt nicht verstanden", erinnert sich der damalige Sicherheitsoffizier Jehuda Ben Maman gegenüber dem Internetportal "Walla". "Sie war klein, sehr primitiv und sah aus, als könne sie nicht viel Schaden anrichten."

Die Bewohnerin Rachel Levi erzählt von der Zeit nach dem ersten Angriff: "Es gab hier kein Warnsystem. Wir hatten große Angst. Wir wussten nicht, wann es einen Einschlag und eine Explosion geben würde. Die Kinder haben sich auch sehr gefürchtet, weil sie vor den Explosionen erschraken und nicht immer verstanden, was das ist." Die Kinder sind besonders von den Folgen der unberechenbaren Angriffe betroffen. Viele entwickelten Verhaltensstörungen, wollten wieder bei ihren Eltern schlafen und begannen erneut mit dem Bettnässen. Die ständige Gefahr wirkte sich auch negativ auf die Konzentrationsfähigkeit der Schüler aus.

Einige einige Jahre später bezeichnete Staatspräsident Schimon Peres die Kinder von Sderot bei einem Besuch als "kleine Soldaten". Er traf einige von ihnen in einem Hort, der nach der 17-jährigen Ella Abukasis benannt ist – sie war 2005 durch eine Kassam-Rakete getötet worden.

Erst drei Jahre nach dem ersten Angriff wurde ein Warnsystem eingerichtet. Bildungseinrichtungen und öffentliche Gebäude erhielten Schutzräume. Mittlerweile sind alle Bushaltestellen von Sderot gleichzeitig Bunker. Wenn eine Raketenwarnung ertönt, haben die Menschen 15 Sekunden Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Bewohner haben sich an den unaufhörlichen Beschuss mit wechselnder Intensität gewöhnt.

Immer mehr Politiker und andere Besucher wollen sich selbst ein Bild von der Lage machen und die Menschen in Sderot unterstützen. Das "Sderot Media Center" informiert heute Journalisten vor Ort über aktuelle Entwicklungen. Doch in der ersten Zeit wurden Tausende Raketen auf die Region abgefeuert, ohne dass die Weltöffentlichkeit besondere Notiz davon genommen hatte. Dies änderte sich erst, als Israel nach acht Jahren mit der Militäroperation "Gegossenes Blei" auf den Dauerbeschuss reagierte. Vor kurzem wurde an einigen Orten das Raketenabwehrsystem "Iron Dome" installiert – am 7. April hat es erstmals vor der Küstenstadt Aschkelon erfolgreich eine Katjuscha-Rakete aus dem Gazastreifen abgefangen.

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