Sderot-Bewohner fordern Olmerts Rücktritt

JERUSALEM (inn) - Bewohner der raketengeplagten Wüstenstadt Sderot haben am Mittwoch vor der Knesset demonstriert. Sie forderten Israels Premier Ehud Olmert zum Rücktritt auf.

Die Teilnehmer der Kundgebung protestierten gegen den mangelnden Raketenschutz und die Entscheidung der Regierung, zunächst nicht militärisch auf die jüngsten Kassam-Angriffe zu reagieren. Eltern aus Sderot hielten handgemalte Plakate mit den Worten hoch: „Die Knesset wird nie von Kassams getroffen“. Kinder kletterten auf Hügel aus Bauschutt, während die Erwachsenen in Richtung Olmerts Büro riefen, dass sie ihn und die Raketen nicht länger haben wollten.

Der Protest wurde organisiert vom „Ausschuss für ein sicheres Sderot“ – einer unpolitischen Gruppe, die sich für eine bessere Sicherheitslage einsetzt. Zu der Demonstration gehört auch ein Boykott des Schulsystems in der israelischen Stadt. Anlass war ein Raketeneinschlag auf dem Gelände einer Kindertagesstätte am Montag – einen Tag, nachdem das Schuljahr in Israel begonnen hatte. Durch den Angriff erlitten zwölf Kleinkinder einen Schock.

„Sie zielen auf unsere Kinder“

Die Hamas sei „präzise genug, um unsere Vorschule immer wieder zu treffen“, sagte der 24-jährige Student Dov Dalin, der am Sapir-College in Sderot eingeschrieben ist, gegenüber der „Jerusalem Post“. „Sie zielen auf unsere Kinder. Ich schlafe auf dem Fußboden statt in meinem Bett. Ich führe kein normales Leben. Ich lebe in einem Kriegsgebiet.“

Der 18 Jahre alte Schüler Gilad Sabag ist am Sonntag nach den Ferien nicht in den Unterricht zurückgekehrt: „Seit 5 Uhr morgens fielen Kassams ohne Ende“, teilte er mit. „Die Leute schrien und rannten, aber niemand kümmerte sich um sie. Ich hatte Angst, getroffen zu werden. Meine Schule ist nicht sicher; ich spüre es und weiß es.“

„Schulweg ist das Problem“

Während des Berufsverkehrs am Montagmorgen schlugen insgesamt sieben Raketen in Sderot ein. „Es waren kleine Kinder auf dem Weg zur Schule, und sie wussten nicht, was sie tun sollten“, sagte der Sprecher der Stadtverwaltung, Josef Pinhas Cohen. „Sie können nicht lernen.“ Damit schloss er sich der unter Eltern verbreiteten Auffassung an, dass nicht die Sicherheit der Schulgebäude das Hauptproblem darstelle, sondern die Tatsache, dass die Kinder die relative Sicherheit ihrer Wohnhäuser verlassen müssen, wenn sie sich auf den Schulweg machen.

Chana Melul, eine Mutter von drei kleinen Kindern, hätte am Sonntag ihren ältesten Sohn zu seinem ersten Schultag begleiten sollen. „Es ist sehr, sehr traurig für mich“, erzählte sie. „Die ganze Begeisterung darüber, dass ich ihn zum ersten Mal zur Schule bringen sollte, ist weg.“ Stattdessen erwachten ihre Kinder um 5:30 Uhr von der Alarmsirene. „Normalerweise wache ich auf, um mich um meine Kinder zu kümmern, aber diesmal war ich wegen der Kassams wach. Mein jüngstes Kind sagte zu mir: ‚Mami, jetzt brauche ich Wasser, weil ich mich nach der Sirene entspannen muss‘. Das ist nicht normal. Sie sind seit über einem Jahr nicht auf einem Spielplatz gewesen.“

Wenn die Schulen wieder geöffnet werden, will sie ihren Sohn dennoch hinschicken: „Ich möchte, dass er sich fühlt, als hätte er ein normales Leben.“

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