Schuster: Deutscher Kulturbetrieb verharmlost BDS-Bewegung

Der Antisemitismus-Skandal ist laut dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Schuster, nur die Spitze des Eisbergs. Er erhebt gegen die Kulturszene den Vorwurf, die antisemitische BDS-Bewegung zu verharmlosen.
Von Israelnetz
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, fordert auch am Stammtisch Zivilcourage der Menschen beim Thema Antisemitismus (Archivbild)

Foto: Israelnetz/Jonathan Steinert

Zentralratspräsident Schuster warnt vor der BDS-Bewegung. Diese sei antisemitisch und kämpfe gegen Israel.

BERLIN (inn) – Der deutsche Kulturbetrieb hat ein zentrales strukturelles Problem, wenn es darum geht, sich von der antisemitischen BDS-Bewegung zu distanzieren. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sieht hier eine Verharmlosung der Akteure.

„Die Stürmer-Karikaturen auf der documenta und der damit verbundene Antisemitismus-Skandal auf der documenta ist leider nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Schuster in der „Bild“-Zeitung vom Montag. Am Wochenende hatte die Generaldirektorin der Ausstellung, Sabine Schormann, ihr Amt niedergelegt. Doch auch mit Rücktritten könne der schon entstandene Schaden nicht wiedergutgemacht werden.

Schuster: Verantwortliche müssen sich hinter Bundestagsbeschluss stellen

Bei der documenta hätte man beobachten können, „was wir leider seit Jahren in Teilen des deutschen Kulturbetriebs beobachten“, sagte Schuster. „BDS wird gezielt verharmlost und als legitime Protest-Bewegung dargestellt. Dabei ist BDS eine klar antisemitische Ideologie.“

Als problematisch empfindet Schuster vor allem, dass sich Teile der Kulturszene, wie auch der politischen Öffentlichkeit, gegen den Bundestagsbeschluss von 2019 stellen, der BDS als antisemitisch benennt. BDS-Unterstützer sollen dem Parlamentsbeschluss zufolge nicht mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Auch die jetzige Kulturstaatsministerin, Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), stimmte dem Beschluss nicht zu.

„Wir erwarten von den Verantwortungsträgern für die Kulturpolitik, dass sie sich eindeutig hinter den Bundestagsbeschluss stellen und gegen die Verharmlosung von BDS kämpfen“, erklärte Schuster. Andernfalls könne es immer wieder zu antisemitischen Vorfällen kommen. (joh)

Schreiben Sie einen Kommentar

9 Antworten

  1. Herr Schuster hat mit seiner Aussage: “Deutscher Kulturbetrieb verharmlost BDS-Bewegung” absolut recht! Nur die Ursache ist nicht in erster Linie ein strukturelles Problem, sondern die große Gottlosigkeit, die den deutschen Kulturbetrieb beheimatet und auch die Kulturstaatsministerin betrifft, auch wenn sie sich dazu bekennt, gegen Antisemitismus und Rassismus zu sein.
    L.G. Martin

    15
  2. Die deutschen “Kulturschaffenden sind doch Teil des Problems und direkte Unterstützer der BDS. Viele haben doch die Jerusalem Erklärung unterschrieben.
    Von Fatima Roth kommen nur politische korrekte Aussagen, deren Umsetzung aber auf sich warten läßt.

    4
    1. Als Sieg der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionskampagne (BDS) gegen Israel hat ein US-Richter falsche Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Professor der Universität Pittsburgh in einem Gerichtsverfahren zurückgewiesen, das auf der höchst umstrittenen Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) basiert des antijüdischen Rassismus.

      Pro-israelische Gruppen befürworten seit mehreren Jahren die Annahme der IHRA und sagen, dass die unverbindliche Definition die freie Meinungsäußerung über Israel nicht unterdrücken wird. Kritiker haben jedoch immer wieder davor gewarnt, dass die IHRA nicht nur eine abschreckende Wirkung auf die Meinungsfreiheit haben wird, sondern auch radikalisierten zionistischen Gruppen Munition liefern wird, um böswillige Klagen gegen Kritiker des Apartheidstaates zu führen.

      Robert Ross, der literarische Kunst und Studien zur sozialen Gerechtigkeit an der Point Park University lehrt, scheint das Opfer solch falscher und böswilliger Klagen gewesen zu sein, die darauf abzielen, Kritiker Israels einzuschüchtern und jedem, der sich für die Rechte der Palästinenser einsetzt, Angst einzujagen.

      Die Klage gegen Ross wurde 2019 von Channa Newman, einer Professorin an der Universität, eingereicht. Newman behauptete, sie sei aufgrund ihres zionistischen Glaubens ein Ziel von Antisemitismus gewesen. Laut der Electronic Intifada behauptete Newman in seiner Klage, Ross habe seine Position genutzt, um „eine militante Version“ der BDS-Bewegung und „hasserfüllte Ansichten gegen Israel“ zu fördern, die „antisemitisch“ seien.

      0
  3. Worum geht es Herrn Schuster eigentlich: um Antisemitismus oder um BDS? Irgendwann wird auch er einsehen müssen, das BDS NICHTS, aber auch GAR NICHTS miteinander zu tun haben. Wenn er Kritik an der völkerrechtswidrigen Politik des Staates Israel für antisemitisch hält, dann ist das zwar sein gutes Recht, schließlich sieht er als Zentralratspräsident seine Aufgabe (fälschlicherweise!) darin, Israels Politik als Lobbyist zu verteidigen, aber deswegen hat er trotzdem nicht Recht. Schuster sieht sich als Israel-Lobbyist und instrumentalisiert die Antisemitismus-Vorwürfe für rein pro-israelische politische Zwecke. Und es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass der unselige Bundestagsbeschluß zu BDS vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird, wie schon das Verbot, städtische Räume für BDS-nahe Veranstaltungen zu verweigern. Auch dieser unselige Beschluß hatte vor dem Bundesverwaltungsgericht keinen Bestand. Die Israel-Lobby muß sich warm anziehen, wenn sie weiter eine unhaltbare Politik eines kleinen aggressiven Landes im Nahen Ostens weißwaschen will, das meint, über dem internationalen Völkerrecht zu stehen.

    0
    1. Es muß natürlich heißen: “dass BDS mit Antisemitismus NICHTS aber auch GAR NICHTS miteinander zu tun haben”. Sorry!
      Schade, dass man in den Kommentaren, nachdem man sie abgeschickt hat, keine Korrekturen mehr anbringen kann…

      0
  4. “Im letzten Jahrhundert war ein Teil des jüdischen Volkes aufgrund von Verfolgungen gezwungen, sich als Nation zu identifizieren, und besetzte ein Gebiet, in dem Millionen von Palästinensern lebten. Die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens wurde durch nationalistische Vorurteile ausgeschaltet, was den Weg für die zunehmende Feindseligkeit ebnete, die das Leben nicht nur der Palästinenser, sondern auch der Israelis verwüstet.

    Die 2018 von der Knesset verabschiedete Erklärung, dass Israel ein exklusiver Staat der Juden sei, verstößt nicht nur gegen die Grundprinzipien der Demokratie und der gleichen Würde, sondern wirft auch das eigentliche Erbe der jüdischen Kultur in den Müll.

    Das ist das Paradoxon der Identifikation: Diejenigen, die in der Vergangenheit am meisten unter Rassismus gelitten haben, sind jetzt rassistische Aggressoren.”

    FRANCO „BIFO“ BERARDI: Wer ist Antisemit?

    1
    1. Ach ja? Und warum sagen dann rund 50 % der in Ostjerusalem lebenden Araber, sie würden den israel. Staat einem pal. vorziehen? Wo es ihnen doch soooo schlecht geht, wenn man Sie hört.

      Möchten Sie noch etwas zu der Aussage von Abbas an Biden beitragen? Der Staat Palästina muss judenrein sein. Nennt man wohl Rassismus und Apartheid.

      6
  5. Die Einstellung von der Kulturstaatsministerin Roth zur BDS Bewegung ist eine Schande für den Deutschen Bundestag. Ein Bauernopfer mit Schormann wurde schnell gefunden.

    5
  6. Der BDS Beschluss des Bundestages ist lediglich eine unverbindliche Erklärung.

    Natürlich ist Herrn Schuster, der sich ansonsten stets mit Kritik zurückhält, recht zu geben. Mensch brauche sich nur Sendungen wie ‘Kulturzeit’ oder ähnliche Programme anzusehen um das von Herrn Schuster geäußerte zu verifizieren. Das Popgruppen, wie ‘Pink Floyd’, Rapper etc. sich antisemitisch aufstellen ist ja nichts Neues.

    4

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen