Schüler ehren „Gerechte unter den Völkern“ in Haifa

Schüler aus Haifa besuchen eine „Gerechte unter den Völkern“ und gratulieren ihr zum 91. Geburtstag. In Israel leben noch über 110.000 Holocaust-Überlebende. Das Ministerium für Soziales will sicherstellen, dass es ihnen an nichts fehlt.
Von Israelnetz
Jaroslava Levinska feiert Geburtstag

HAIFA (inn) – Jaroslava Levitska ist die einzige noch lebende „Gerechte unter den Völkern“ in Israel. Sie lebt in einer Pflegeeinrichtung in Haifa und feiert diese Woche ihren 91. Geburtstag. Eine kleine Delegation aus Schülern, Vertretern der Stadtverwaltung und des örtlichen Rotary Clubs besuchte sie am Montag.

Die Schüler brachten Kuchen und Blumen mit, außerdem stellten sie ein kleines Programm mit Liedern auf Russisch und Hebräisch auf die Beine. „Ich freue mich, euch zu sehen und schätze es sehr wert, was ihr alles für mich tut“, sagte Levitska den Schülern.

Es ist bereits das vierte Jahr in Folge, dass Jaroslava Levitska zu ihrem Geburtstag Besuch von Schülern bekommt. Die Feier hat laut der israelischen Zeitung „Yediot Aharanot“ Haifas Institut für Holocaust-Studien organisiert. Es setzt sich für die Ehrung der „Gerechten unter den Völkern“ und die Bewahrung der Erinnerung an den Holocaust ein.

Als „Gerechte unter den Völkern“ gelten nichtjüdische Personen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft unter Lebensgefahr Juden vor der Ermordung retteten. Den Ehrentitel vergibt die Gedenkstätte Yad Vashem seit 1963 nach sorgfältiger Prüfung durch eine öffentliche Kommission.

Leben riskieren, um Leben zu retten

Levitska wurde 1935 in Polen geboren und wuchs bei ihrer Mutter und ihrem Großvater auf. Schon mit sechs Jahren half sie Juden, indem sie Nahrung und Medikamente, die der Großvater beschaffte, ins Getto schmuggelte. Dabei habe sie nie den Verdacht der Wärter erregt, erzählte sie gegenüber „Yediot Aharanot“.

Ab 1943 versteckte ihre Familie zwei Juden in ihrem Haus und versorgte eine weitere Gruppe von Juden mit Nahrung, die sich an einem anderen Ort versteckt hielt. Dafür wurde die Familie 1989 vom israelischen Staat als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

In den 90er Jahren erhielt Levitska die israelische Staatsbürgerschaft und zog nach Haifa, wo sie bis heute lebt. „Ich war immer froh, Juden zu helfen“, sagte sie gegenüber ihren Besuchern.

Mehr als 111.000 Holocaust-Überlebende in Israel

Nach Angaben der Claims Conference leben weltweit noch 196.600 Holocaust-Überlebende, 111.681 von ihnen in Israel. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 88 Jahren, rund 400 Überlebende sind älter 100 Jahre.

Dabei teilt Israel die Überlebenden in drei Gruppen ein: Rund 37.000 gelten als Überlebende des Holocaust, 39.000 sind Flüchtlinge, die vor nationalsozialistischer Verfolgung in die ehemalige Sowjetunion geflohen sind. Die dritte Gruppe bilden circa 34.000 Juden, die während des Zweiten Weltkriegs aus den Maghreb-Staaten und dem Nahen Osten aufgrund antisemitischer Verfolgung fliehen mussten.

Die Leiterin der Behörde für die Rechte der Holocaust-Überlebenden, Ronit Rosin, sagte gegenüber „Yediot Aharanot“: „Das Zeitfenster, in dem Holocaust-Überlebende unter uns leben, schrumpft aufgrund ihres hohen Alters immer schneller“.

Die Behörde wolle sicherstellen, dass die ehemals Verfolgten ihre Rechte wahrnehmen und ihren Lebensabend in Würde verbringen. Um der Not zu begegnen, arbeitet sie mit dem Ministerium für Wohlfahrt und Soziale Dienste zusammen. Die versuche, jeden einzelnen zu erreichen, um konkrete Missstände angehen zu können.

Not der Überlebenden lindern

Damit spricht Rosin ein wichtiges Thema an: Mehr als ein Viertel der Überlebenden sind ans Haus gebunden und haben Schwierigkeiten, medizinische und andere Hilfe zu koordinieren. Zu der schwierigen Versorgungslage hat die Hilfsorganisation „LeMa’anam“ (Für sie) eine Studie veröffentlicht.

Gegenüber der Nachrichtenseite „Times of Israel“ erklärte Geschäftsführer Ras Avinatan Katz, dass insbesondere moderne digitale Systeme diese Gruppe von Menschen faktisch von vielen Dienstleistungen ausschlössen.

Zudem lebten viele in Gebäuden ohne Aufzug, das schränke die Mobilität der Holocaust-Überlebenden noch weiter ein: „Sie haben Angst, sie könnten hinfallen und geben deshalb jede medizinische Behandlung auf.“

„LeMa’anam“ ist ein Verbund von mehr als 1.000 Ärzten, die Holocaust-Überlebende kostenlos medizinisch versorgen. Die Hilfsorganisation wurde 2020 gegründet. (mw)

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2 Antworten

  1. Jaroslava Levitska feiert diese Woche ihren 91. Geburtstag. Wir gratulieren. Geburtstage muss man immer und oft feiern.

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  2. Die Ehrung dieser altenbetagten Dame, welche in der Kindheit unter Lebensgefahr Mitmschen gerettet hat, freut mich.

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