Schass-Abgeordneter zurückgetreten

Weil er die Hochzeit seines schwulen Neffen besucht hat, wurde der Schass-Abgeordnete Guetta zum Rücktritt gedrängt. Der Fall sorgt derzeit für Diskussionsstoff bei israelischen Politikern und in der Öffentlichkeit.
Ist in der Kritik, weil er vor zwei Jahren bei der Hochzeit seines schwulen Neffen dabei war: der Schass-Politiker Jigal Guetta

Foto: Gemeinfrei

Ist in der Kritik, weil er vor zwei Jahren bei der Hochzeit seines schwulen Neffen dabei war: der Schass-Politiker Jigal Guetta

JERUSALEM (inn) – Am Sonntag hat der Knessetabgeordnete Jigal Guetta (Schass) gegenüber dem Armeesender geäußert, dass er vor zwei Jahren bei der Hochzeit seines homosexuellen Neffen dabei war. Daraufhin sah sich Guetta mit massiver Kritik von Rabbinern und Kollegen aus der ultra-orthodoxen Partei konfrontiert, die seinen Rücktritt forderten.

Fünf Rabbiner erklärten in einem Brief, Guetta habe öffentlich Gottes Willen entweiht, indem er seine Familie gezwungen habe, an einer verbotenen Hochzeit teilzunehmen. Am Mittwoch informierte Guetta den Parteivorsitzenden und Innenminister Arje Deri darüber, dass er sein Mandat niederlege. Ein formelles Rücktrittsgesuch bei Knessetsprecher Juli Edelstein hat er jedoch noch nicht eingereicht.

Zu der Hochzeit sei seine ganze Familie gegangen, sagte Guetta dem Radiosender. Normalerweise sage er seiner Frau und den Kindern nicht, an welchen Veranstaltungen sie teilnehmen sollen. Doch bei dieser Hochzeit habe er gesagt, Anwesenheit sei Pflicht. Er wolle den Sohn seiner Schwester glücklich nachen. Doch er habe seinen Kindern auch gesagt, dass die Torah eine solche Hochzeit verbiete und diese ein Gräuel sei.

Schass-Rabbiner gespalten

Wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, hat den Brief der Rabbiner kein Mitglied vom „Rat der Torah-Weisen“ unterzeichnet – dem höchsten Gremium der ultra-orthodoxen Schass-Partei. Ratsmitglied Rabbi Schimon Baadani vertrat die Meinung, dass Guetta nicht dafür entlassen werden sollte, dass er seine Familie unterstützt hat. Ein anderer Rabbiner, Schalom Cohen, habe dem jedoch widersprochen. Beide kündigten an, in einem gemeinsamen Gespräch eine Lösung finden zu wollen.

Der Vorsitzende der Partei Jesch Atid, Jair Lapid, bedauerte Guettas Rücktritt. Er teilte über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ mit: „Guetta ist ein exzellenter Abgeordneter und Freund. Es ist traurig, dass in Israel im Jahr 2017 ein Knessetmitglied zum Rücktritt gedrängt wird, weil es die Hochzeit von zwei Menschen besucht hat, die sich lieben.“

Auch die Vorsitzende der Meretz-Partei, Sehava Galon, kritisierte das Vorgehen der Schass-Partei. Guetta habe eine einfache menschliche Geste gezeigt und seinen Neffen bei dessen Hochzeit unterstützt. „Der Druck, ihn zu entlassen, ist eine Schande für Schass. Ich hoffe, sie kommen zur Besinnung und geben ihm seinen Job zurück“, schrieb Galon auf Twitter.

Guettas Schwester äußerte sich unterdessen gegenüber dem Fernsehsender „Kanal 10“. „Hat mein Bruder gestohlen? Hat er gemordet? Was hat er getan?“, fragte Susi Ben Zvi. Sie kündigte an, Schass künftig nicht mehr zu wählen.

Von: dn

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