In seiner Einführungsrede sagte Scharansky: „Wir leben in einer Welt der Post-Identität. Für viele Menschen bedeutet ein Bezug zu ihrer Religion, zu ihrem Volk, zu ihren Wurzeln, zu ihrer Geschichte einen Bruch mit den Prinzipien der Freiheit.“ Aus diesem Grund habe er ein Ziel, um die jüdische Identität aufrecht zu erhalten: Die Einwanderung der in der Welt zerstreuten Juden nach Israel (Alija). Dies berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“.
„Eine unserer größten Herausforderungen ist die Schwächung der israelischen Identität und die Assimilation auf der ganzen Welt“, sagte Scharansky. „Hier in Israel können wir froh sein, dass wir keine Assimilation haben, aber wir haben eine Schwächung der Verbindung des jüdischen Volkes zu ihren eigenen Wurzeln.“ Es sei schwierig, Juden, die nicht in Israel lebten und keine gefestigte jüdische Identität besäßen, zur Alija zu ermutigen.
Ein weiteres Problem liege in der jüdischen Erziehung. „Als ich hörte, dass nur 15 Prozent der amerikanischen Juden aus finanziellen Gründen ihre Kinder jüdisch erziehen können, sah ich darin nur die halbe Wahrheit. Es ist teuer, aber viele denken, dass eine jüdische Erziehung nicht mit den amerikanischen Idealen zu vereinbaren ist.“
Scharansky soll nicht wie seine Vorgänger auch den Vorsitz der „Zionistischen Weltorganisation“ inne haben. Am Dienstag beschloss das Leitungsgremium der „Jewish Agency“ eine Trennung von der „Zionistischen Weltorganisation“. Die „Jewish Agency“ ist die offizielle Einwanderungsorganisation des israelischen Staates.
Scharansky wanderte 1986 nach Israel ein, nachdem er neun Jahre in sowjetischer Gefangenschaft gewesen war. Im Jahr 1995 gründete er die Partei „Yisrael BaAliyah“ und war Handels- und Industrieminister während Benjamin Netanjahus erster Amtszeit als Premierminister (1996-1999). Unter Ehud Barak (1999-2001) war er Innen- und stellvertretender Premierminister, unter Ariel Scharon Bauminister.