Saudis sehen im Iran den größten Feind

HERZLIJA (inn) – Nicht Israel, sondern den Iran hält die Mehrheit der Saudis für die größte Bedrohung. Das zeigt die Umfrage eines israelischen Instituts. Die Erhebung zeigt außerdem großen Zuspruch für die „Arabische Friedensinitiative“.
Die Mehrheit der Saudis hofft auf die „Arabische Friedensinitiative“.
Israel und Saudi-Arabien sind seit Jahrzehnten Feinde, diplomatische Beziehungen gibt es zwischen den Ländern nicht. Doch 53 Prozent der Saudis sehen nicht in Israel, sondern im Iran die größte Bedrohung. Das hat eine Telefonumfrage des israelischen Herzlija-Zentrums für interdisziplinäre Studien im Verbund mit der amerikanischen Universität Wisconsin-Milwaukee ergeben. An zweiter Stelle kommt demnach der „Islamische Staat“: 22 Prozent der 506 Befragten gaben an, dass die größte Gefahr von dieser Terrormiliz ausgeht. Dass Israel der größte Feind sei, sagen 18 Prozent der Saudis. Die Umfrage ergab außerdem, dass sich die Mehrheit der Befragten eine saudische Atombombe wünscht.

Geheime Zusammenarbeit

Für den Leiter des Instituts für Politik und Strategie am Herzlija-Zentrum, Alex Mintz, bietet die Umfrage eine neue Perspektive. „Was wir hier in Israel über die Saudis denken, ist nicht genau das, was sie sind“, sagte er laut der israelischen Tageszeitung „Ha’aretz“. „Es gibt viele gemeinsame Interessen, Bedrohungen und Vorhaben. Einige (der Saudis) würden es sich sogar wünschen, gemeinsam zu kämpfen.“ Mintz betonte, dass sich die Telefonisten der Umfrage nicht als Israelis zu erkennen gegeben haben. Trotz der offiziellen Feindschaft wächst hinter den Kulissen die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Diplomaten haben sich seit Anfang 2014 mindestens fünfmal zu Gesprächen getroffen, wie vergangene Woche bekannt geworden war. In der Umfrage sprach sich auch eine überwältigende Mehrheit von 85 Prozent für die „Arabische Friedensinitiative“ aus, die die Arabische Liga 2002 vorgestellt hatte. Der Vorstoß sieht unter anderem den Rückzug Israels aus den 1967 eroberten Gebieten vor. Im Gegenzug würden die arabischen Länder mit Israel Frieden schließen. In Israel stieß dieser Plan auf Skepsis. Ende Mai hatte der israelische Premier Benjamin Netanjahu die Initiative als „generelle Idee“ jedoch befürwortet. (df)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen