Samaritanische Segensinschrift aus 5. Jahrhundert gefunden

Ein wohl reicher Samaritaner dankt Gott für sein schönes Anwesen. Das besagt eine 1.600 Jahre alte Inschrift, die israelische Forscher auf einer großen Weinpresse in Samaria gefunden haben.
Erhaltungsmaßnahmen an der 1.600 Jahre alten Inschrift in Tsur Natan

Foto: Galeb Abu Diab/Israel Antiquities Authority

Erhaltungsmaßnahmen an der 1.600 Jahre alten Inschrift in Tsur Natan

TSUR NATAN (inn) – Israelische Archäologen haben im Dorf Tsur Natan in Samaria Überreste eines antiken Anwesens gefunden. Sie glauben, dass es einem reichen Samaritaner gehörte. Eine dort entdeckte 1.600 Jahre alte Inschrift lautet: „Nur Gott hilft dem schönen Besitz von Meister Adios, Amen.“

„Die Inschrift wurde auf einer beeindruckenden Weinpresse gefunden, die offensichtlich Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs eines reichen Menschen namens Adios war“, erklärt die Ausgrabungsleiterin der Israelischen Altertumsbehörde, Hagit Torge. Die schriftliche Erläuterung, so schätzen die Forscher, soll aus dem frühen 5. Jahrhundert stammen. Entziffert hat die griechische Inschrift eine Professorin der Hebräischen Universität, Leah Di Segni.

Es ist laut der Altertumsbehörde erst die zweite Weinpresse dieser Größe, die in Israel mit einer Segensinschrift in Verbindung mit den Samaritanern entdeckt wurde. Die erste Weinpresse fanden Forscher vor ein paar Jahren in Apollonia nahe Herzlia. Bei der Weinpresse in Tsur Natan legten die Archäologen ebenso Steinbrüche frei, die ursprünglich zum Weintraubenanbau genutzt wurden. Sie sollen auch zum Anwesen von Meister Adios gehört haben.

An der Ausgrabungsstätte in Tsur Natan Foto: Israel Antiquities Authority/Yitzhak Marmelstein
An der Ausgrabungsstätte in Tsur Natan

In Kirche umgewandelte Synagoge der Samaritaner

Frühere Ausgrabungen legten in Tsur Natan eine Synagoge der Samaritaner frei. Diese wurde im 6. Jahrhundert in eine Kirche und ein Kloster umgewandelt. Forscher entdeckten dort im Umfeld große Räumlichkeiten, in denen Mehl, Öl und Wein hergestellt wurde. Ebenfalls gab es dort eine pompejanische Eselsmühle, um das Mehl zu mahlen. Die Archäologen sehen das als einen der Gründe an, warum der Landbesitz einem wohlhabenden Samaritaner gehört haben muss.

Die Umwandlung in eine Kirche passierte demnach auf einem Höhepunkt der Siedlungsaktivität der Samaritaner in dieser Region. Die Weinpresse befindet sich in der Nähe des Dorfhügels, wo einst die Synagoge stand. Auch das zementiert laut den Forschern den hohen gesellschaftlichen Status des Samaritaners, zu dem sie auch in den Überresten der Synagoge eine bestätigende Inschrift fanden.

Von der Gemeinschaft der Samaritaner leben heute noch rund 800 Mitglieder in Israel und dem Westjordanland. Ihr Glaube hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Judentum. Aber als Abgrenzung betrachten die Samaritaner zum Beispiel den Berg Garisim bei Nablus als heiligen Ort. Dort leben die meisten Samaritaner auch heute. Sie sehen sich in der Tradition des alten Israel und halten die moasaischen Gesetze und Regeln ein.

Im Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter versorgt ein Samaritaner die Wunden eines Schwerverletzten und kümmert sich um dessen Unterkunft und Pflege. Die Gemeinschaft der Samaritaner florierte im 3. und 4. Jahrhundert, bis das Christentum in der Byzantinischen Epoche mächtiger wurde.

Von: mm

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