Samaritaner trauern um Hohenpriester

NABLUS (inn) - Die Religionsgruppe der Samaritaner trauert um ihren Hohepriester Elasar Ben Zedaka. Dieser war am Mittwoch im Alter von 83 Jahren gestorben und wurde am Donnerstag unter großer Anteilnahme bestattet.

Laut samaritanischer Tradition war Elasar der 131. Nachfolger Aarons als Hoherpriester. Dies wird aber nicht von allen Historikern akzeptiert. Das Amt des Hohenpriesters selbst geht zurück bis in die hellenistische Zeit und ist damit das älteste der Welt. Die Nachfolge Elasars wird sein Cousin Aharon Ben-Av Hisda Cohen antreten. Dies berichtet die „Jerusalem Post“.

Die Samaritaner sind eine kleine Sekte, die sich eng am jüdischen Glauben orientiert. Sie folgen ihrer eigenen samarischen Torah, die in einer dem hebräischen Original sehr ähnlichen Form verfasst ist. Die heutigen Samariter führen ihre Linie auf die Israeliten zurück, die vor dem babylonischen Exil im Norden Samariens lebten. Die heutigen Samaritaner erkennen nicht Jerusalem als den Hauptsitz ihrer Religion an, sondern den Berg Garetzim.

„Gemeinwohl immer über eigenes Wohl gestellt“

Der Chef der palästinensischen Autonomiebehörde in der Region Nablus, Dschibrin al-Bakri, würdigte den Verstorbenen in einem Nachruf. Brigade-General Joav Mordechai, Oberhaupt der Zivilbehörde von Judäa und Samaria, führte den Trauerzug an.

Elasar, erklärte Mordechai, sei ein liebenswerter und intelligenter Mensch gewesen, der eine tiefe Verbindung zur israelischen Armee gepflegt hat. In dem Zeitraum, in dem er mit Elasar zusammengearbeitet hatte, habe der Verstorbene immer das Gemeinwohl über sein eigenes Wohl gestellt.

Einer der Trauernden beschrieb Elasar als einen „weisen und selbstlosen Mann“, zu dem die Leute immer kamen, um Antworten zu erhalten. Der Hohepriester habe es geschafft, ein gutes Verhältnis zwischen den politischen Vertretern und der eigenen Gemeinde zu erhalten. Einer der Trauernden erklärte, dass Elasar während eines Schneesturms geboren wurde – auch am Donnerstag während der Beerdigung begann es zu schneien. Die Sargträger brachten den Samaritaner zu seiner letzten Ruhestätte in ein Grab beim Garetzim.

In Israel gibt es noch rund 600 Samaritaner. Je 300 leben abgeschieden in einer Ortschaft am Garetzim, der im Johannesevangelium erwähnt wird, und in Holon bei Tel Aviv. Der „Segensberg“ ist ihr Heiligtum, dort liegt auch ihr Opferplatz. Die Samaritaner sprechen Arabisch und Hebräisch, ihr Hohepriester in Samaria ist Mitglied des palästinensischen Autonomierates.

Nach biblischer Überlieferung entstammen sie den zehn Stämmen des Nordreiches Israel, dessen Zentrum Sichem (Nablus) war. Offenbar vermischten sich die Samaritaner dort mit mesopotamischen Stämmen. Die religiösen Riten und Feste sowie die Torah der Samaritaner unterscheiden sich mehr oder weniger von denen der Juden. Außer den fünf Büchern Mose erkennen sie die Schriften des Tenachs, der Hebräischen Bibel, nicht an.

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