Redmatn war früher bereits im Kongo und in Kolumbien im Einsatz. Ihre Tätigkeit in Gaza sei völlig anders, sagte sie der Armee. "Natürlich ist die Arbeit überall anders, aber hier ist die Lebensstruktur problematisch. Es gibt zwei Völker, eines lebt unter einer Blockade und eines lebt unter täglichem Raketenfeuer, das gegen internationales Recht verstößt."
Im Gazastreifen sei eine überraschende Normalität festzustellen: "Es gibt keine humanitäre Krise in Gaza. Wenn man in den Supermarkt geht, gibt es Produkte. Es gibt Restaurants und einen schönen Strand. Das Problem liegt vor allem in der Erhaltung der Infrastruktur und im Zugang zu Waren, zum Beispiel Beton. Israel hat das legitime Recht, die Zivilbevölkerung zu schützen, doch dieses Recht sollte mit dem Recht von 1,5 Millionen Menschen abgewogen werden, die im Gazastreifen leben. Trotz der Erleichterung der Blockade und der teilweisen Aufhebung von Exportsperren als Folge des Zwischenfalls mit der Flottille haben fortgesetzte Einschränkungen der Bewegung von Leuten und Schwierigkeiten beim Import von Baumaterialien eine erträgliche wirtschaftliche Erholung verhindert und jede Hoffnung auf ein normales und würdevolles Leben zerschmettert."
Das Rote Kreuz ist seit 1967 in Gaza aktiv. "Wir dokumentieren die Menschenrechtsverstöße entsprechend dem internationalen Recht und wir sprechen mit relevanten Parteien darüber, wie man mit der Angelegenheit umgehen kann", beschrieb die Mitarbeiterin das Ziel der Tätigkeit. "Es geht um Gefangene, Soldaten, die Verwundeten, und in der Tat um jeden, der in der Genfer Konvention festgelegt wird. Außerdem sind wir auf dem Gebiet der humanitären Unterstützung tätig, hauptsächlich in den Bereichen Wasser und sanitäre Anlagen. Wir haben es mit einer äußerst hohen Bevölkerungsdichte zu tun. Der größte Teil der Infrastruktur kann aufgrund der Blockade nicht verbessert werden, also versuchen wir, die Lage mit den bestehenden Mitteln zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist eine Fabrik, bei deren Errichtung wir helfen – sie soll Abwasser reinigen, das ins Meer fließt."
"Verantwortung für medizinische Versorgung auch bei Hamas"
Redmatn fügte an, ihre Organisation habe keine politischen Absichten. "Unser Ziel ist es nicht, Frieden zu verhandeln, sondern das Wohlbefinden der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Wir verstehen Israels Recht auf Sicherheit und erkennen es an." Doch das Gleichgewicht zwischen diesem israelischen Anspruch und dem Recht der Palästinenser in Gaza auf eine ordentliche Gesundheitsversorgung müsse gewährt sein. "Natürlich ist das auch die Verantwortung der Hamas gegenüber ihren Bürgern, und deshalb haben wir auch Verbindungen mit ihr."
Weiter sagte Redmatn: "Der Raketenbeschuss vom Gazastreifen ist gegen das internationale Recht, weil er gegen Zivilisten gerichtet ist." Die Organisation stehe deshalb mit der Hamas im Dialog, der sich im Laufe der Zeit entwickele.
Die Mitarbeiterin des Roten Kreuzes sprach auch über die Zusammenarbeit mit dem Militär: "Die Beziehung zur israelischen Armee hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. Die Armee versteht unser Mandat. Wir sind alle in täglichem Kontakt miteinander, um die Einfuhr von Waren nach Gaza und die Ein- und Ausreise von Menschen zu koordinieren. Manchmal ist das unser Personal, manchmal sind es Patienten, die nach Israel gehen, um medizinisch versorgt zu werden. Die zweite Angelegenheit bedarf noch der Verbesserung, weil die Zeit, die für den Grenzübergang benötigt wird, noch lang ist. Wir hoffen, die medizinische Ausstattung in Gaza selbst zu vergrößern, damit weniger Menschen das Gebiet verlassen müssen."
"Hamas muss Kontakt zu Schalit zulassen"
Zum entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit meinte Redmatn: "Wenn einem Menschen die Freiheit genommen wird, verdient er zumindest einen Kontakt mit seiner Familie. Wir werden weiter darum bitten, aber wir können die Hamas nicht zu irgendetwas zwingen. Die Weigerung der Hamas basiert auf Sicherheitsgründen. Die Hamas fürchtet sich vor den fortgeschrittenen technischen Möglichkeiten der israelischen Armee und glaubt, dass ein gewährter Kontakt sie zu Gilads Aufenthaltsort führen wird."