Rivlin: Bund des Lebens zwischen Drusen und Juden

TIBERIAS (inn) – Zwischen Drusen und Juden besteht laut Überlieferung eine Blutsverwandtschaft. Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin spricht bei einem Treffen mit Vertretern der Volksgruppe lieber von einem Bund des Lebens.
Rivlin und der Führer der Drusen in Israel, Scheich Tarif

Foto: Mark Neyman

Rivlin und der Führer der Drusen in Israel, Scheich Tarif
Alljährlich finden sich die Drusen in Israel zum Festival „Sijarat“ („Pilgerreise“) an einer ihrer wichtigsten Stätten ein, dem Grab ihres Propheten Schuaib. Dieses befindet sich in Kfar Seitim, außerhalb von Tiberias nahe des Sees Genezareth. Nach der drusischen und muslimischen Überlieferung ist der Prophet Schuaib mit Moses Schwiegervater Jithro identisch – zwischen Drusen und Juden besteht damit eine Verwandtschaft. Alljährlich laden die Drusen bei ihrem Treffen auch den israelischen Staatspräsidenten ein. Reuven Rivlin nutzte am Montag die Gelegenheit, um hervorzuheben, dass das Verhältnis zwischen Juden und Drusen über die Blutsverwandtschaft hinaus gehe. „Wir reden oft von einem Blutbündnis. Ich betone immer, dass diese Verbindung ein Bund des Lebens ist.“ Viele Mitglieder der drusischen Gemeinschaften hätten sich um die Sicherheit des Staates Israel verdient gemacht, führte der Staatspräsident aus. Doch eine lange und gesunde Beziehung zwischen Juden und Drusen in Israel basiere nicht nur auf dem Schwert, sondern müsse im Leben verwurzelt sein. „Das wird umgesetzt, wenn wir verstehen, wie wichtig wir einander sind, tagtäglich und nicht nur in Kriegszeiten“, sagte Rivlin laut Mitteilung seines Büros.

Bemühen um Integration

Ein von der Regierung im vergangenen Juni beschlossener Fünf-Jahres-Plan im Umfang von umgerechnet 470 Millionen Euro soll dazu dienen, die Drusen stärker als bislang zu integrieren. „Das ist ein nie dagewesenes Projekt. Ich als Präsident werde alles dafür tun, dafür zu sorgen, dass die Regierung ihren Teil dazu beiträgt, damit Gleichheit nicht nur ein gesprochenes Wort bleibt, sondern umgesetzt wird.“ Zuletzt versicherte Rivlin den Drusen, deren Sorgen mit Blick auf die Umgebung Israels zu kennen und zu teilen. „Der Nahe Osten befindet sich in einer seiner schwersten Zeiten. Minderheiten werden zerstört und Religionsgemeinschaften verfolgt. Das bereitet uns allen Sorge.“

Geheimnisvolle Glaubensgruppe

Die Religionsgemeinschaft der Drusen ist im Jahr 1010 aus einer schiitischen Gruppierung des Islam entstanden. Offiziell wird ihr Glaube als „Din al-Tawhid“ (etwa „Religion der göttlichen Einheit“) bezeichnet. Von anderen Strömungen im Islam unterscheiden sich die Drusen vor allem durch die Ablehnung des Propheten Mohammed und die Ansicht, der Koran sei keine absolute Offenbarung. Zur Zeit der Gründung wurden noch Außenstehende in die Religionsgemeinschaft aufgenommen; heute ist nur ein Kind drusischer Eltern auch ein Druse. Missionsbestrebungen gibt es nicht. Praktiken und Einzelheiten der Religion sind außerhalb der Gemeinschaft kaum bekannt. Drusen leben heute hauptsächlich im Libanon und in Israel. (df)

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