Rettung vor dem Mob – Richter lässt Milde gegen Palästinenser walten

TEL AVIV (inn) – Ein Palästinenser stand in Tel Aviv wegen illegaler Einreise nach Israel vor Gericht. Doch weil der Mann im vergangenen Sommer zwei Juden vor einem Mob gerettet hatte, hat der Richter Milde walten lassen.
Ein Richter in Tel Aviv hat einen Palästinenser als „Gerechten unter den Völkern“ gelobt.

Wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet, war der Palästinenser, dessen Name nicht genannt wird, angeklagt, weil er sich mit gefälschten Papieren in Israel aufgehalten hat. Der Richter verurteilte den 38-Jährigen in der vergangenen Woche zu 18 Tagen Gefängnis. Diese Zeit hatte der Palästinenser bereits in Untersuchungshaft gesessen. Die Verhandlung konnte er als freier Mann verlassen.
Richter Schamai Becker kam zu dem Schluss, dass der Palästinenser keine Straftaten in Israel begehen wollte. Er nannte ihn einen „Gerechten unter den Völkern“. Dieser Titel ist die höchste Auszeichnung des jüdischen Volkes. Er wird ausschließlich an Nichtjuden verliehen, die sich an der Rettung verfolgter Juden beteiligt haben.
„Wir dürfen ihn nicht zu einer längeren Strafe verurteilen, als Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass er sein Leben und seine Stellung im Dorf riskiert hat, indem er Juden vor einem bösen Ende bewahrt hat“, schrieb Becker in seiner Urteilsbegründung.
Der Richter bezog sich auf einen Vorfall, der sich im vergangenen Sommer zugetragen hatte, noch vor Israels Militäreinsatz gegen die Hamas im Gazastreifen. Damals waren ein jüdischer Arzt und sein Sohn versehentlich in ein palästinensisches Dorf in Samaria gelangt. Als die beiden sich mit ihrem Auto in einer Sackgasse befanden, versperrten ihnen Anwohner mit einem Wagen den Weg und bewarfen die Israelis mit Steinen. Der Arzt erzählte, er habe Todesängste erlitten: „Wir fuhren ein Stück rückwärts und ein Mann sagte zu mir ‚Ich möchte, dass Sie leben, kommen Sie in mein Haus, bis die Armee hier ist und Sie rettet‘. Er ließ uns ein und rief einen palästinensischen Polizisten an, den er kannte. Es dauerte 45 Minuten, bis die Armee kam. Es waren Dutzende Menschen da, die Steine warfen. Aber er und seine Familie – 20 Menschen – standen um unser Auto und haben niemandem erlaubt, sich dem Haus zu nähern. Sie haben ohne Zweifel unser Leben gerettet. Der Angeklagte ist einer der Beschützer.“
Der Richter schrieb in seiner Urteilsbegründung: Der Palästinenser und seine Familie litten in ihrem Dorf nach dem Vorfall unter Schikanierung und Belästigung. „Ich glaube, das israelische Gericht sollte dem Beschuldigten dankbar für seine Handlung sein und zu solchen gefährlichen und selbstlosen Taten in Zukunft ermutigen.“ Becker wies darauf hin, dass zwei Angehörige des Beklagten kürzlich Einreisegenehmigungen für Israel erhalten hatten. Er empfahl, auch dem Angeklagten eine Arbeitserlaubnis für Israel zu erteilen.
Der Verteidiger des Palästinensers, Rahamim Dajan, lobte das Urteil als eine „mutige Entscheidung des Gerichts, die einen Präzedenzfall darstellt“.

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