Die Anleitung zum Bau der Waffe hatten sich Journalisten des Fernsehsenders „Kanal 10“ aus dem Internet heruntergeladen. Mit Hilfe eines 3D-Druckers stellten sie die Plastikteile her. Als Schlagbolzen diente ein Metallnagel – das einzige nicht druckbare Teil. Mit der Plastikpistole kann nur ein Schuss abgegeben werden. Noch stellt die Waffe auch für den Schützen eine Gefahr dar: Bei Baufehlern könnte sie explodieren.
Wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, betätigten die Journalisten den Abzug zunächst mit Hilfe eines Drahts aus sicherer Entfernung. Nach erfolgreichem Abschuss machten sie sich mit der Plastikwaffe auf den Weg in die Knesset. Sie passierten alle Sicherheitskontrollen und begaben sich in das Büro der Vorsitzenden des Knesset-Komitees für innere Angelegenheiten, Miri Regev. Diese reagierte schockiert, als sie ihr die Waffe zeigten: „Machen Sie Witze? Davon habe ich nie gehört. Die Polizei wird lernen müssen, damit umzugehen. Das ist Wahnsinn“, sagte sie laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“.
Auch ein zweiter Versuch verlief erfolgreich. Dieses Mal nahm der Reporter Uri Even weniger als zehn Meter von Premierminister Netanjahu entfernt Platz. Als der Regierungschef für eine Rede nach vorn trat, zückte der Journalist die Waffe. Niemand habe es bemerkt, schreibt die „Times of Israel“.
Laut Brigadegeneral Jossi Grif von der Sicherheitsabteilung der Knesset sei die Technologie eine vollkommen neue Herausforderung für alle Sicherheitsdienste in Israel und der ganzen Welt. Regierungsinstitutionen weltweit seien derzeit damit beschäftigt, „so schnell wie möglich eine professionelle Lösung für das Problem zu finden“, sagte Grif.
Netanjahus Büro kritisierte die Journalisten für die Aktion. Die Reporter hätten „unverantwortlich gehandelt“ und sich in große Gefahr begeben.
Die Anfang Mai von dem US-amerikanischen Studenten Cody Wilson im Internet veröffentlichten Baupläne wurden wenige Tage später auf Drängen der US-Regierung von der Webseite „Defense Distributed“ genommen. Anderswo im Netz seien sie aber noch immer zu finden. Dem Magazin „Forbes“ zufolge wurde die Anleitung mehr als 100.000 Mal heruntergeladen. Waffen-Erfinder Wilson teilte unterdessen mit: „Ich sehe ein, dass das Gerät benutzt werden könnte, um andere Menschen zu verletzen. Es ist, was es ist. Es ist eine Waffe. Aber nochmals, ich glaube nicht, dass dies ein Grund ist, sie nicht zu bauen.“