Razzia: Drei Palästinenser getötet

RAMALLAH (inn) – Bei einer israelischen Razzia im Westjordanland sind am Montagmorgen drei Palästinenser erschossen worden. Armeeangaben zufolge hatten Palästinenser das Feuer auf israelische Sicherheitskräfte eröffnet. Aus palästinensischen Quellen hieß es hingegen, die Truppen seien nur mit Steinen beworfen worden.
Bei der Festnahme eines Verdächtigen in Kalandija ist es zu Ausschreitungen gekommen. (Archivbild)
Bei der Festnahme eines Verdächtigen in Kalandija ist es zu Ausschreitungen gekommen. (Archivbild)

Die Grenzpolizei wollte im Flüchtlingslager Kalandija, südöstlich von Ramallah, einen Verdächtigen festnehmen. Die Polizisten kamen mit Zivilfahrzeugen in die Ortschaft. Als Palästinenser sie bemerkten, kam es zu Zusammenstößen. Der 28-jährige Rubin al-Abed und der 19-jährige Junis Dschahdschuh starben. Ein dritter Mann, der 20 Jahre alte Dschihad Asslan, erlag später seinen Verletzungen. Nach palästinensischen Angaben wurden mindestens 15 Palästinenser verwundet, sechs von ihnen sehr schwer.
Das Militär teilte mit, die Polizisten und die zu deren Schutz herbeigeeilten Soldaten seien von 1.500 Palästinensern angegriffen worden. Sie hätten mit scharfer Munition auf Schüsse reagiert. Auch Granaten hätten die protestierenden Palästinenser eingesetzt. Zwei Soldaten seien leicht verletzt worden. Palästinensische Augenzeugen verneinten jedoch laut der Tageszeitung „Ha‘aretz“, dass Palästinenser Schusswaffen gebraucht hätten. Sie hätten nur Steine auf die Israelis geworfen.
Der Verdächtige wurde festgenommen. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma‘an“ handelt es sich um Jussef al-Chatib, der unlängst nach zehn Jahren aus israelischer Haft freigekommen war.
Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) verurteilte den israelischen Militäreinsatz in Kalandija. Der Berater des PA-Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rudeine, sprach von einem Verbrechen gegen das palästinensische Volk. Der Vorfall zeige Israel wahre Absichten bezüglich des Friedensprozesses. Er forderte die USA auf, einzuschreiten, damit der Prozess nicht gefährdet werde. Der Premierminister im Westjordanland, Rami Hamdallah, sandte den Angehörigen der Getöteten Beileidswünsche.
Die Armee kündigte an, den Vorfall zu untersuchen.
Bereits am Dienstag war in Dschenin bei einer Hausdurchsuchung ein Palästinenser getötet worden (Israelnetz berichtete).

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