Ramallah: Ausschreitungen nach Tod eines Palästinensers

RAMALLAH (inn) – Palästinensische Polizisten haben am Donnerstag in Ramallah versehentlich einen jungen Palästinenser erschossen. Daraufhin gab es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen des Toten und Sicherheitskräften.

Die Polizei hatte ein verdächtiges Fahrzeug zum Anhalten angefordert. Doch der Fahrer weigerte sich. Laut dem Militärgeheimdienstchef im Westjordanland, Madsched Faradsch, legte ein Polizist sein Gewehr an, um ihn daran zu hindern, eine Straßensperre zu umgehen. “Als das Gewehr versehentlich losging, wurde der Passant direkt am Kopf getroffen.” Bei dem Toten handelt es sich um Ahmad Abu Nafissa. Drei weitere Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer.

Nach dem Vorfall griffen Angehörige des jungen Mannes Sicherheitsleute an. Sie steckten Polizeifahrzeuge und Geschäftshäuser in Brand. Daraufhin wurden die meisten Geschäfte in der Autonomiestadt geschlossen.

Nach mehreren Stunden kamen die Familie und die Sicherheitskräfte zu einer Abmachung. Der Tote wurde zum “Märtyrer” erklärt. Dafür stellen die Angehörigen ihre Angriffe bis zum Ende der dreitägigen Trauerzeit ein. Anschließend soll festgelegt werden, welche Entschädigungssumme die Familie von den palästinensischen Sicherheitskräften erhält. Auch die Verletzten und ihre Angehörigen sollen Geld bekommen, wie die Tageszeitung “Jediot Aharonot” berichtet.

Gaza: Schusswechsel bei Krankenhaus

Bereits am Mittwoch kam es vor einem Krankenhaus in Gaza zu einem Feuergefecht. Eine 20-jährige Palästinenserin, Nahda Sadi Hassanein, war mit einer Schussverletzung am Unterleib in die Klinik gebracht worden. Als Sicherheitskräfte ihre Angehörigen nach der Ursache befragten, verweigerten diese die Antwort. Wenige Stunden später hinderten Hamas-Sicherheitskräfte Mitglieder des Hassanein-Clans daran, das Krankenhaus zu betreten. Die Angehörigen der Verwundeten seien bewaffnet gewesen, berichtet die palästinensische Nachrichtenagentur “Ma´an” unter Berufung auf das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte (PCHR).

Auf dem Klinikgelände gab es daraufhin Schusswechsel zwischen den Hassaneins und den Sicherheitsleuten. Vier Mitglieder der Familie, vier Sicherheitsbeamte, ein dreijähriges Kind und ein 21-jähriger Mann erlitten Verletzungen.

Bei einem weiteren Zwischenfall kam ein 25-jähriger Palästinenser durch eine Kugel ums Leben. Ein 23-Jähriger wurde verwundet. Laut dem PCHR hatten sie eine Waffe falsch gehandhabt. Zudem wurde ein Angehöriger der Sicherheitstruppe “Force 17” mit einer Schussverletzung in eine Klinik gebracht. Er hatte während einer Kontroverse in einer Mechanikerwerkstatt versucht, einen Schuss abzugeben.

Vor dem Haus von Polizeisicherheitschef Abdel Nasser Doghmosch in Gaza explodierte unterdessen ein Sprengsatz. Niemand wurde dabei verletzt. An dem Gebäude entstand Sachschaden.

Das PHCR drückte seine Besorgnis über die vielen Toten und Verwundeten im Gazastreifen durch Waffenmissbrauch aus. Es rief die Palästinensische Autonomiebehörde und den Generalstaatsanwalt auf, “diese Verbrechen ernsthaft zu untersuchen und die Täter vor Gericht zu bringen”.

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