Die Hinterbliebenen hatten Israel beschuldigt, die 23-Jährige absichtlich und gesetzeswidrig getötet zu haben. Der Richter Oded Gerschon sprach von einer „Kriegssituation“. Corrie hatte in der Stadt Rafah an der ägyptischen Grenze gegen die Zerstörung palästinensischer Wohnhäuser demonstriert. Nach Einschätzung des Gerichtes taten die Soldaten ihr Möglichstes, um Zivilisten von der Stätte fernzuhalten. Das Gebiet sei damals militärische Sperrzone gewesen. Die US-Behörden hätten eine Reisewarnung für den Gazastreifen und das Westjordanland ausgesprochen. „Sie hat sich nicht von dem Gebiet entfernt, wie es irgendein denkender Mensch getan hätte“, zitiert die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ den Richter.
Auch den Vorwurf der Nachlässigkeit wies Gerschon zurück. Der Fahrer des Bulldozers habe im Gegensatz zu Corrie nur eine eingeschränkte Sicht gehabt. „Sie hat sich bewusst in Gefahr begeben“ und damit den Unfall selbst verschuldet, folgerte der israelische Richter.
Die Aktivistin gehörte der Internationalen Solidaritätsbewegung (ISM) an. Diese Organisation „missbraucht die Diskussion über Menschenrechte, um ihre Taten zu verschleiern, die de facto Gewalt sind“, merkte Gerschon an. Sie habe sich darauf spezialisiert, Aktivitäten des Militärs zu unterbrechen. „Dies schloss eine Armee von Aktivisten ein, die als ‚menschliche Schutzschilde‘ für Terroristen dienten, die von den israelischen Sicherheitskräften gesucht wurden. Hinzu kamen finanzielle und logistische Hilfe für Palästinenser, darunter auch Terroristen und deren Familien, und die Beschädigung von amtlichen Siegeln an Häusern von Selbstmordattentätern.“
Der Anwalt der Familie Corrie, Hussein Abu Hussein, teilte mit, nach Ansicht seiner Mandanten widerspreche das Urteil aus Haifa dem internationalen Recht. Die Mutter Cindy Corrie sagte vor Journalisten: „Ich bin verletzt.“
Zuvor hatte bereits ein Militärgericht entschieden, dass die israelische Armee bei dem Vorfall vorschriftsmäßig gehandelt habe.