Prozess gegen mutmaßlichen Drahtzieher von “Pessach-Massaker”

NETANJA (inn) – Ein Führer der radikal-islamischen Hamas ist vom Bezirksgericht Tel Aviv wegen 35-fachen Mordes angeklagt. Er gilt unter anderem als Drahtzieher des Selbstmordanschlags im “Park Hotel” in Netanja, der vor dreieinhalb Jahren 30 Todesopfer gefordert hatte. Zudem wird ihm ein weiterer Anschlag in der Küstenstadt mit fünf Toten zur Last gelegt.

Bei dem Angeklagten handelt es sich um den 39-jährigen Abbas al-Sajed aus Tulkarm. Er wurde im Mai 2002 festgenommen. Einem Bericht der Tageszeitung “Ha´aretz” zufolge kündigte die Staatsanwältin an, sie werde 35-mal lebenslänglich und weitere Haftstrafen wegen der zahlreichen Verletzten fordern.

Zwei Anschläge in Netanja

Am 27. März 2002 hatte sich ein Palästinenser im “Park Hotel” in die Luft gesprengt, als Juden dort zum Auftakt des Pessach-Festes den Seder-Abend feiern wollten. Er riss 30 Menschen mit in den Tod, mehr als 100 weitere wurden verletzt. Israel nahm das brutale Attentat zum Anlass, wieder in alle Autonomiestädte im Westjordanland einzumarschieren. Durch diese “Operation Schutzschild” ging die Zahl der palästinensischen Terroranschläge in der Folge deutlich zurück.

Al-Sajed soll den Attentäter zum Tatort geschickt haben. Dieser hatte sich als Frau verkleidet und trug zehn Kilogramm Sprengstoff bei sich. Zudem wird dem Hamas-Führer vorgeworfen, an einem Anschlag vom 18. Mai 2001 mitgewirkt zu haben. Damals hatte sich ein Palästinenser in einer Fußgängerzone in die Luft gesprengt und fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Außerdem gab es Dutzende Verletzte.

Die Anklagepunkte gegen den Hamas-Führer lauten neben 35-fachem Mord versuchter Mord, schwere Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung. Zudem wird ihm vorgeworfen, aus dem Hamas-Hauptquartier in Syrien zahlreiche Waffen und Zehntausende Dollar in die Autonomiegebiete gebracht zu haben. Der Geldtransfer soll über sein persönliches Konto in Tulkarm gelaufen sein.

Vorwürfe zurückgewiesen

Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück. Der Inlandsgeheimdienst Schin Beit habe ihn durch Folter zu Aussagen gezwungen, sagte der zweifache Vater. Er sei in der Hamas kein militärischer Führer gewesen, sondern habe lediglich Paraden organisiert. Zudem habe er als Ansprechpartner für die Presse gedient.

Das Urteil soll im November gefällt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen