Proteste gegen polnisches Schächtungsverbot

WARSCHAU (inn) – Das polnische Parlament hat das bei Juden und Muslimen übliche rituelle Schlachten verboten – und damit auch in Israel Kritik ausgelöst. Polens Landwirtschaftsminister Stanisław Kalemba rief die betroffenen Minderheiten zum Protest auf.
Nur koscher geschächtetes Fleisch ist nach dem jüdischen Gesetz für den Verzehr erlaubt. (Im Bild: Schawarma aus Jerusalem)
Nur koscher geschächtetes Fleisch ist nach dem jüdischen Gesetz für den Verzehr erlaubt. (Im Bild: Schawarma aus Jerusalem)

Die Abgeordneten hatten am vergangenen Freitag über einen Gesetzesentwurf abgestimmt, der das Schächten in Schlachthöfen erlauben sollte. Sie lehnten den Vorschlag der Regierung jedoch ab. Am Dienstag sagte Premierminister Donald Tusk: „Wir planen derzeit keine legislativen Schritte in dieser Angelegenheit.“
Landwirtschaftsminister Kalemba hingegen legte den Minderheiten einen Protest vor dem Verfassungsgericht nahe. Er sei mit mehreren Vertretern in der EU deshalb im Gespräch, teilte er vor Journalisten in Brüssel mit. Die polnische Verfassung schütze explizit Traditionen und Gebräuche von Minderheiten und religiösen Gruppen. Er hege verfassungsrechtliche Zweifel am Verbot des Schächtens. Der Minister wies laut der israelischen Tageszeitung „Ma‘ariv“ darauf hin, dass der Export von Fleisch nach Israel und in die arabischen Staaten seit der Entscheidung um 70 Prozent zurückgegangen sei.
Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, kritisierte das Verbot am Montag: „Die Entscheidung des Parlamentes, einen Gesetzesvorschlag abzulehnen, der koscheres Schächten im gesamten Land erlauben würde, ist völlig inakzeptabel“, zitiert ihn der Radiosender „Galei Zahal“ auf seiner Website. „Polen ist ein Staat, dessen Geschichte mit der Geschichte des jüdischen Volkes verwoben ist. Die Entscheidung schadet dem Prozess der Wiederherstellung des jüdischen Lebens in Polen sehr. Wir rufen das Parlament dazu auf, seinen Beschluss erneut zu bedenken.“
Unterdessen kündigte der Oberrabbiner in Polen, Michael Schudrich, am Dienstag seinen Rücktritt an, falls das Verbot bestehen bleibe. „Ich bin nicht daran interessiert, Oberrabbiner in einem Staat zu sein, der die Rechte der Juden einschränkt“, begründete er den geplanten Schritt.
Aus dem Jüdischen Weltkongress hieß es: „Die Juden in Polen sollten sich fragen, ob sie dort noch willkommen sind.“ Der Vorsitzende der Antidiffamierungsliga, Abraham Foxman, deutete das Verbot so: „Die polnischen Abgeordneten haben den Juden im Staat drei Möglichkeiten vorgelegt: sich nicht an ihre Religion halten, kein Fleisch essen oder nicht in Polen leben.“
Die muslimische Gemeinschaft in Polen wiederum kündigte Demonstrationen in den Straßen der polnischen Städte an. Mufti Tomasz Miskiewicz sprach von einem „antidemokratischen Beschluss, der Rassismus wecken kann“.
Beim Schächten wird die Halsschlagader, die Luft- und die Speiseröhre eines Tieres mit einem Schnitt durchtrennt, so dass das Blut auslaufen kann. Denn Blut gilt als kultisch unrein. Gegner der Methode halten sie für weniger tierfreundlich als das herkömmliche Schlachten.

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