Proteste gegen israelisches Kulturfestival

In London stören sich Anhänger der Boykottbewegung an einem pro-israelischen Festival. Ein Koch versucht, ihnen die israelische Kultur schmackhaft zu machen.
Chefkoch Schaul Ben Aderet und seine Mitarbeiter stellten Israels kulinarische Vielfalt vor

Foto: TLV in LDN, Facebook

Chefkoch Schaul Ben Aderet und seine Mitarbeiter stellten Israels kulinarische Vielfalt vor

LONDON (inn) – Pro-palästinensische Aktivisten haben am Wochenende gegen ein Festival in London protestiert, das die Vielfalt der israelischen Kultur vorstellen sollte. Anhänger der internationalen Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestition, Sanktionen) skandierten am Samstag: „Befreit Palästina!“ Auch Juden beteiligten sich an dem Protest. Der israelisch-brasilianische Aktivist Golan Koresh kritisierte dies: „Diese Juden, deren Eltern in den Gaskammern standen, stehen jetzt Seite an Seite mit Leuten, die uns in die Luft jagen wollen.“ Er sprach von einer „giftigen“ Atmosphäre in London, wenn es um Israel gehe.

Das Festival „TLV in LDN“ (Tel Aviv in London) war schon im Vorfeld von Boykottaufrufen bedroht. Organisationen wie die „Künstler Palästinas“ hatten sich an Petitionen und Plakaten in der Stadt beteiligt. Dadurch wurden die Behörden zur Absage der Veranstaltung aufgerufen. Auf der Webseite der „Künstler Palästinas“ hieß es am Mittwoch: „TLV in LDN ist angeblich ein Kulturfest, aber sein Direktor Marc Worth hat in einem Interview enthüllt, dass das Festival das Traumkind von Israels diplomatischer Vertretung im Vereinigten Königreich ist und als Antwort auf die wachsende Bewegung für Boykott, Desinvestition und Sanktionen dient.“ Worth ist ein britischer Philanthrop. Auch das israelische Ministerium für Strategische Angelegenheiten hat einen finanziellen Beitrag geleistet.

„Vielleicht wären wir nicht so sehr gegen diese Veranstaltung, wenn sie nicht von der israelischen Regierung finanziert würde“, äußerte Michael Kalmanovitz vom Internationalen Jüdischen Antizionistischen Netzwerk. Der erste Mensch aus Bangladesch, der Israel besuchte, Shadman Zaman, hingegen kritisierte die Demonstrangen gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post”: „Sie stehen nicht vor der chinesischen oder syrischen oder russischen Botschaft. Sie sind hier vor einem friedlichen Festival mit Musik. Sie versuchen, eine friedliches und wunderbares Programm zu stören, so dass Krawall entsteht. Das tun sie immer.“

Israelischer Koch bietet Störern Nachtisch an

Einen Zwischenfall gab es auch in der Nähe eines Standes, an dem der renommierte israelische Koch Schaul Ben Aderet den Besuchern Essen anbot. Er habe von draußen Schreie gehört und aus dem Fenster geschaut, schilderte er den Vorfall laut der Tageszeitung „Ma’ariv”. Dabei habe er 50 anti-israelische Demonstranten gesehen. Daraufhin bereitete er mit seinen Mitarbeitern 50 Portionen Mousse au Chocolat und sagte: „Leute, lasst die Politik weg, nehmt einen Nachtisch. Ich werde für euch drinnen einen Rundgang machen, lernt Israel in einer anderen Form kennen.“

Einige hätten das Angebot angenommen. Doch „plötzlich wachte einer von ihnen auf und rief allen zu, dass ich Gift in den Nachtisch getan hätte. Ich sagte ihm, dass der Nachtisch nur Schokolade, Sahne und Zucker enthält. Und dann begann er, alle verrückt zu machen”. Das Fazit des Koches: „Wir versuchten, etwas Nettes zu tun, aber sie waren zu fanatisch.“

Minister: Kulturelle Antwort auf Boykottaufrufe

Trotz aller Störungen zog der zuständige israelische Minister Gilad Erdan im Gespräch mit der „Jerusalem Post“ eine positive Bilanz aus dem Festival: „Tausende Londoner waren dieses Wochenende der pulsierenden israelischen Kultur ausgesetzt und sahen die Vielfalt und den Reichtum, die das Land zu bieten hat.“ Das Festival sei von großer Bedeutung durch seine bloße Existenz in Großbritannien, da Israel an die Balfour-Erklärung vor 100 Jahren erinnere. „Dieses Festival ist eine kulturelle Antwort auf die Aufrufe nach einem Boykott gegen Israel.“

Von: eh

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