Präsident des Jüdischen Weltkongresses fordert Gesetze gegen Antisemitismus

In Auschwitz versammeln sich zum 75. Jahrestag der Befreiung Überlebende und Politiker. Aber auch im Irak und in Bahrain beteiligen sich Menschen am Holocaust-Gedenken.
Forderte in Auschwitz konkretes Handeln gegen Antisemitismus: Ronald Lauder

Foto: World Jewish Congress, Facebook

Forderte in Auschwitz konkretes Handeln gegen Antisemitismus: Ronald Lauder

AUSCHWITZ / BAGDAD – Etwa 200 Überlebende sowie Politiker und Geistliche haben am Montag in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau an die Befreiung des Vernichtungslagers vor 75 Jahren erinnert. Auch der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahmen an der Gedenkveranstaltung teil. Steinmeier schrieb ins Gedenkbuch: „Wir wissen, was geschehen ist, und wissen, dass es wieder geschehen kann.“

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, warnte vor zunehmendem Antisemitismus. Nach Kriegsende, „als die Welt endlich Bilder von Gaskammern sah, wollte keiner, der bei Verstand war, mit den Nazis in Verbindung gebracht werden“, sagte er. „Aber jetzt sehe ich etwas, wovon ich nie dachte, dass ich es zu meinen Lebzeiten sehen würde: die offene und schamlose Verbreitung von Judenhass.“ Lauder betonte: „Worte reichen nicht aus. Gesetze müssen verabschiedet werden. Kinder müssen erzogen werden und erfahren, wohin der Judenhass führt.“

Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte laut der Onlinezeitung „Times of Israel“: „Wir müssen die letzten noch lebenden Überlebenden bei uns haben, die letzten von denen, die den Holocaust mit ihren eigenen Augen sahen.“ Zuvor hatte sich Rivlin in Krakau mit Duda getroffen. Dabei lud er ihn nach Jerusalem ein. Am Abend reiste der israelische Präsident weiter nach Berlin. Dort hält er am Mittwoch vor dem Bundestag eine Rede anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages.

Überlebende aus Israel: Welt wusste von Gaskammern

Vier Überlebende sprachen zu den Versammelten, drei Juden und eine Sinti-Frau. Bat-Scheva Dagan stammt aus Polen und lebt jetzt in Israel. Sie wies darauf hin, dass die Welt nichts gegen das Morden in den Gastkammern unternommen habe, obwohl sie davon wusste: „Wo wart ihr, wo war die Welt, die sah und hörte und nichts tat, um diese vielen Tausend zu retten?“

Vor der Gedenkveranstaltung hatten Überlebende ihrer Eltern oder Großeltern gedacht, die in Auschwitz ermordet wurden. „Ich habe keine Gräber, zu denen ich gehen kann. Ich weiß, dass meine Eltern hier ermordet und verbrannt wurden. Deshalb erweise ich ihnen meine Ehrerbietung“, sagte die 92-jährige Australiern Yvonne Engelman. Aus einem Ghetto in der Tschechoslowakei war sie einst nach Auschwitz deportiert worden. Weil die Gaskammer nicht funktionierte, blieb sie am Leben. Danach überstand sie auch Zwangsarbeit und Todesmarsch. Nun wurde sie von Nachkommen aus drei Generationen begleitet.

Ungewöhnliche Anteilnahme im Irak

Am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, ist der Internationale Holocaust-Gedenktag. Auffällig ist in diesem Jahr die Anteilnahme im Irak. So schrieb der Präsident der Autonomen Region Kurdistan, Nechirvan Barsani, auf Twitter, der Holocaust-Gedenktag erinnere daran, „dass unsere Menschlichkeit einen langen Weg zurückgelegt hat“. Deshalb sei es wichtig, innezuhalten und an die Opfer des Völkermordes zu denken.

Die jesidische Aktivistin Nadia Murad wurde von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ entführt, mehrere Angehörige wurden ermordet. Sie schrieb zum Holocaust-Gedenktag, der Genozid beeinflusse Generationen: „Wir müssen die Erinnerung an diejenigen, die getötet wurden, am Leben erhalten, indem wir danach streben, dass dies nie wieder geschieht.“ Auch die christliche Minderheit meldete sich zu Wort. So twitterte etwa eine Frau, die eine Gedenkstätte besucht hatte: „Jeder hat ein Recht, in Würde zu leben und geschätzt zu werden.“

Bahrainischer Außenminister würdigt Gedenktag

Die Zeitung „Jerusalem Post“ führt Äußerungen dieser Art auf die grundsätzliche Öffnung in manchen arabischen Ländern zurück. Unter dem Einfluss von Hamas oder Muslimbruderschaft sei eine solche Haltung nicht möglich, denn deren Agenda enthalte antisemitische Elemente.

Auch aus Bahrain kam ein wohlwollender Tweet: „Ja, es ist ein humanitäres Problem, und die Opfer sind unschuldige Menschen. Die Position ist dieselbe und wird sich nicht ändern“, schrieb Außenminister Chaled al-Chalifa. Dazu merkte der Journalist Adam Lucente, der für verschiedene Medien aus dem Irak und Syrien berichtet, an: „Der bahrainische Außenminister veröffentlicht einen Tweet anlässlich des Holocaust-Gedenkens. Das ist etwas, was vor ein paar Jahren nicht in der arabischen Welt geschehen wäre.“ Lucente sieht eine Verbindung zur Normalisierung mit Israel und der iranischen Bedrohung.

Von: eh

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