Polnischer Präsident bei Netanjahu und Peres

JERUSALEM (inn) – Die Polen können stolz auf ihre Demokratie sein. Dies hat der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu am Montagnachmittag bei einem Treffen mit dem polnischen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski betont.
Sehen gute bilaterale Beziehungen: Der polnische Präsident Komorowski (l.) und Israels Premier Netanjahu

Zum Auftakt des Gespräches in Jerusalem erwähnte Netanjahu den Tod des früheren polnischen Regierungschefs Tadeusz Mazowiecki am 28. Oktober. Die Beileidsbekundung verband er laut einer Mitteilung seines Büros mit der Bemerkung: „Er war einer der Gründer des modernen, demokratischen Polens.“ Komorowski nahm dies dankend zur Kenntnis. Mazowiecki sei der erste nichtkommunistische Premierminister gewesen. In dessen Regierungszeit sei die Entscheidung gefallen, diplomatische Beziehungen mit Israel aufzunehmen. “Jene Entscheidung wurde 1990 umgesetzt. Ich möchte betonen, dass die neu wiedergewonnene Freiheit und Demokratie in Polen die neuen Beziehungen zwischen Polen und Israel, Polen und dem jüdischen Volk kennzeichnete.“
Netanjahu lobte die polnischen Errungenschaften im Bereich der Wirtschaft. „Und Sie können auch stolz auf Ihre starke Demokratie sein“, ergänzte er. Ferner ging er auf die polnisch-jüdische Geschichte ein: „Es ist eine Geschichte, die Perioden sowohl von beiderseitiger Errungenschaft als auch von unvergleichlichem Leid enthält. Der Mord an Millionen polnischen Juden durch die Nazis auf polnischem Boden ist die beispielloseste Strategie in der Menschheitsgeschichte. Die Familie des Vaters meiner Frau wurde ausgelöscht.“
Weiter sagte der israelische Regierungschef: „Ich kenne auch das gewaltige Leid, das die Nazi-Besatzung über das polnische Volk gebracht hat, und über das Warschauer Volk, und den außerordentlichen Kampf von Heldentum und Mut, der dieses Leiden begleitete.“ Das polnische wie das israelische Volk hätten um ihre Unabhängigkeit und Freiheit gekämpft – und triumphiert. „Das heißt, wir nehmen nichts als selbstverständlich an. Heute sehen wir ein starkes, freies Polen und ein starkes, freies Israel – zwei zuversichtliche, blühende, stolze Demokratien. Ich weiß, dass wir in Polen einen echten Freund haben.“
Überdies ging Netanjahu auf den Iran ein: „Während wir uns hier in Jerusalem treffen, skandieren in den Straßen von Teheran Zehntausende Menschen ‚Tod Amerika‘. Sie gedenken an die Beschlagnahme der US-Botschaft 1979. Wenn Sie das wahre Gesicht dieses Regimes sehen wollen, sehen Sie es dort – Sprechchöre von ‚Tod Amerika‘. Denn es gibt jetzt im Westen eine Debatte: Was ist das wahre Gesicht des Iran?“

„Gute Impulse aus der gemeinsamen Geschichte“

Komorowski sagte: „Die polnisch-israelischen oder eigentlich die polnisch-jüdischen Beziehungen sind wirklich eine sehr lange und reiche Geschichte gewesen. Aus jener Geschichte können wir mehrere Handvoll guter Maßnahmen nehmen, guter Impulse und Ideen, mit denen wir jetzt zur Entwicklung guter Beziehungen zwischen unseren Staaten und unseren Nationen heute beitragen können.“
Der polnische Präsident fügte hinzu, er sei froh, „dass sich die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern heute, Polen und Israel, nicht nur darauf fokussieren, gemeinsam über die Vergangenheit nachzudenken“. Diese sei besonders in der Zeit der Nazi-Besatzung und des jüdischen Holocaust tragisch gewesen. „Aber jetzt ist wirklich eine Gelegenheit für uns, direkte Beziehungen, menschliche Beziehungen zwischen unseren jungen Leuten in Israel und in Polen zu entwickeln, zwischen Vertretern unseres Militärs, unserer Geschäftswelt, unseres Handels, unserer Kultur. Ein Element dieses Prozesses ist auch die Intensivierung politischer und diplomatischer Beziehungen.“
Seit Tausenden Jahren befinde sich Polen zwischen den Mächten Deutschland und Russland, sagte Komorowski. Deshalb verstehe es das israelische Bedürfnis nach Sicherheit und die Entschlossenheit, sich gegen seine Gegner zu verteidigen. „Eine der polnischen Erfahrungen der letzten 25 Jahre ist auch die Fähigkeit, die Barrieren der Geschichte und historischer Ressentiments zu überwinden und zu versuchen, Versöhnung und Verständnis und Zusammenarbeit mit denen zu bauen, die sich für unsere ewigen Feinde hielten.“ Er hoffe diesbezüglich auf die Friedensgespräche in Nahost.

Treffen mit Peres

Zum Auftakt seines dreitägigen Besuches in Israel und der Palästinensischen Autonomie hatte Komorowski das israelische Staatsoberhaupt Schimon Peres getroffen. Nach Angaben des polnisches Präsidialamtes wies er darauf hin, dass die Juden ihr Land nach einer sehr langen Zeit zurückgewonnen hätten. „Wir erinnern uns daran, dass es einst kein Polen auf der europäischen Landkarte gab. Wir haben den polnischen Staat nach einer Abwesenheit von 123 Jahren wiederaufgebaut.“ Die Polen seien empfindlich für alle Bedrohungen einer Eigenstaatlichkeit und alle Anzeichen von Antisemitismus in der Welt, in Europa und auch in Polen“. Der polnische Präsident wünschte Israel Erfolg für den Friedensprozess und ergänzte: „Wir wünschen allen Israelis und den Juden weltweit ein Gefühl der Sicherheit.“
Peres lobte die polnischen Behörden, die „eine klare Haltung gegen Antisemitismus“ eingenommen hätten. Mit Bezug auf die Vergangenheit fügte er an: „Polen war von allen Seiten eingeschlossen. Die Juden durften nur in manche Gebiete, aber dort konnten sie Hebräisch sprechen, in Richtung Jerusalem beten und ihre eigenen Leben führen. Sie konnten Juden sein, auch wenn sie nicht in ihrem Land waren. Israel wird jene Jahre nicht vergessen.“
Der israelische Präsident erinnerte auch an die polnischen Wurzeln von Staatsgründer David Ben-Gurion. Der echte Zionismus habe sich in Polen entwickelt. Israel sei „praktisch in einer polnischen Wiege geboren“.

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