Am Heckflügel wurde die palästinensische Flagge aufgemalt

Am Heckflügel wurde die palästinensische Flagge aufgemalt

Vom Transportflugzeug der Luftwaffe zum palästinensischen Restaurant

Einst stand es im Dienst der israelischen Luftwaffe. Nun erhält das Flugzeug eine neue Bestimmung: Palästinenser bauen es zu einem Restaurant um.

NABLUS (inn) – Mehr als 20 Jahre stand ein früheres Flugzeug der israelischen Luftwaffe ungenutzt an der nördlichen Zufahrtsstraße zur Autonomiestadt Nablus. Doch seit ein paar Wochen sind Handwerker dabei, die ausgemusterte Maschine zu restaurieren. Die Sitze wurden herausgerissen. Am hinteren Teil prangeen eine jordanische und eine palästinensische Flagge, für den Anstrich an der Schnauze wurden die palästinensischen Farben verwendet. Die aktuellen Besitzer, die Zwillingsbrüder Atta und Hamis al-Sairafi, wollen in dem Flugzeug ein Restaurant eröffnen.

Doch wie kam die Maschine vom Typ Boeing 707 überhaupt ins Westjordanland? Erbaut wurde sie in den 1960er Jahren. Anfangs stand sie im Dienst sie der französischen Fluggesellschaft Air France. Ende der 70er Jahre wurde sie von der israelischen Luftfahrindustrie erworben und an die Luftwaffe übergeben, schreibt die Zeitung „Yediot Aharonot“. Die Luftwaffe verwendete sie als Transportfugzeug.

Nach der Ausmusterung 1993 erwarb ein Israeli die Boeing und stellte sie beim Moschaw Elifelet in Galiläa auf. Davon hörten die beiden Palästinenser, die heute 60 Jahre alt sind: „Ich las, dass es ein Flugzeug gibt, das sich außer Dienst in Israel befindet“, erzählt Atta al-Sairafi. „Wir führten Verhandlungen mit seinem Besitzer und schlossen seinen Verkauf über eine Summe von 100.000 Dollar ab.“

Doch danach begannen erst die Schwierigkeiten. Erstens waren alle Geräte, die eine Maschine flugtauglich machen, ausgebaut. Zweitens gibt es in den palästinensischen Gebieten keinen Flugplatz. Die Brüder investierten noch einmal 20.000 Dollar, damit ein israelisches Unternehmen das Flugzeug nach Nablus brachte. Für den 13-stündigen Transport wurden Straßen gesperrt, die israelische Polizei war eingeschaltet.

Traum wegen „Intifada“ auf Eis gelegt

Schon damals träumten die Zwillinge davon, ein Lokal zu eröffnen. Doch die „Al-Aqsa-Intifada“, die im September 2000 ausbrach, machte die Pläne wegen der finanziellen Krise vorerst zunichte. Der Traum hingegen lebte weiter. Nun wird er konkret. „Lokal und Café der palästinensisch-jordanischen Airline, Al-Sairafi, Nablus“ – so wollen die Brüder das Restaurant nennen. Der Name spielt darauf an, dass Palästinenser aus dem Westjordanland ihre Flugreisen meist in Jordanien beginnen.

Die Fenster sind geblieben, sie sollen den Gästen ein Flugzeuggefühl vermitteln. Eine alte Gangway haben die Palästinenser vom Ben-Gurion-Flughafen erworben. Da ist noch die hebräische und englische Aufschrift zu lesen. Außerdem ragt der vordere Teil des Flugzeugs ein wenig nach oben. „Viele Palästinenser sind noch nie im Leben in ein Flugzeug gestiegen. Auch wenn es also nicht abheben wird, werden sie zumindest in ihrer Phantasie abheben können“, sagt Hamis al-Sairafi. Die Kellner sollen Uniformen von Flugbegleitern tragen.

Etwa 130 Menschen wird das Lokal fassen. Die Eröffnung ist in diesem Monat geplant. Dann sollen Gäste auch die Möglichkeit haben, Erinnerungsfotos im Cockpit zu machen. Dort sind Steuerknüppel und ein paar Fluggeräte noch vorhanden.

Brüder rechnen mit Erfolg ihrer „seltsamen Idee“

Durch die Fenster blicken die Menschen auf Hügel und Kiefernwäldchen. Hamis al-Sairafi meint dazu: „Die Lage des Restaurant-Flugzeugs sagt uns zu, weil es sich in der Nähe eines Touristenzentrums befindet, das Palästinenser aus dem gesamten Westjordanland und auch israelische Araber besuchen.“ Die Brüder wollen sich auch des Geländes annehmen. Sie planen, viele Bäume zu pflanzen und Freizeitattraktionen für Kinder einzurichten.

Sie sind zuversichtlich, dass sie genügend Gäste haben werden. Die Onlinezeitung „Times of Israel“ zitiert Hamis al-Sairafi mit den Worten: „Ein Flugzeug in den palästinensischen Gebieten zu haben, ist so eine seltsame Idee, dass ich sicher bin, dass das Projekt Erfolg haben wird.“

Von: eh