Mittels jordanischer Flugzeuge sollen kommende Woche die ersten palästinensischen Studenten aus Ägypten ausgeflogen werden

Mittels jordanischer Flugzeuge sollen kommende Woche die ersten palästinensischen Studenten aus Ägypten ausgeflogen werden

8.000 palästinensische Studenten sitzen fest

Eltern gehen in den palästinensischen Autonomiegebieten auf die Straße, weil ihre Kinder im Ausland festsitzen. Die Behörden in Ramallah geben wie gewohnt Israel die Schuld an der Situation. Derweil regen sich in Israel zarte Hoffnungen auf Forschungsergebnisse im Kampf gegen das Coronavirus.

RAMALLAH / JERUSALEM (inn) – In Ramallah haben am Montag zahlreiche Eltern demonstriert. Sie verlangen, dass ihre im Ausland festsitzenden Kinder zurückgeholt werden. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie können etwa 8.000 palästinensische Studenten nicht nach Hause zurückkehren.

Einige Demonstranten wandten sich mit Plakaten an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA): „Ihr habt eure Kinder nach Hause geholt. Holt auch unsere.“ Zudem verlangten sie, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Regierung habe versprochen, die Gestrandeten nach Hause zu bringen, bisher aber nichts unternommen. Gegenüber dem Nachrichtenportal „The Media Line“ sagte die Schwester einer Studentin: „Das Problem ist, dass die PA es nicht geschafft hat, die Dinge vorher mit Israel zu koordinieren. Und sie besteht auf ihrer Entscheidung, die Kommunikation mit Israel zu beenden.“

Der Berater des PA-Außenministeriums, Ahmed al-Dik, gab nach Angaben von „The Media Line“ hingegen Israel die Schuld für die Verzögerung. Als „Staat unter Besatzung“ habe man keinen Flughafen, geschweige denn Kontrolle über die eigenen Grenzen. Laut PA-Sprecher Ibrahim Milhem soll am 21. Juni eine erste Gruppe von 120 Studenten aus Ägypten ausgeflogen werden. Dies geschehe mit Hilfe jordanischer Flugzeuge, die die Menschen zuerst nach Amman bringen. Der Transport in die Palästinensergebiete erfolge dann auf dem Landweg.

Furcht vor „zweiter Welle“

Die Infektionszahlen bewegen sich in den palästinensischen Autonomiegebieten weiterhin auf niedrigem Niveau. Am Mittwochmorgen meldete die Nachrichtenagentur WAFA einen neuen Fall, womit seit Beginn der Pandemie 701 Ansteckungen erfasst wurden.

In Israel ist die Zahl der Neuinfektionen neuerlich stark angestiegen. Experten sprechen bereits von einer „zweiten Welle“. Innerhalb von 24 Stunden seit Dienstagmorgen wurden 299 neue Fälle gemeldet – die höchste Zahl seit dem 22. April. Die aktiven Infektionen liegt nun bei knapp unter 4.000. Davon müssen 27 Patienten beatmet werden. Bisher hatten 19.637 Menschen in Israel COVID-19, von ihnen sind 303 gestorben.

Erfindungen gegen Corona

Unterdessen arbeiten israelische Wissenschaftler an verschiedenen Mitteln gegen die Krise. Forscher der Jerusalemer Hadassah-Klinik haben nach eigenen Angaben die Ursache für schwere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung gefunden: Verantwortlich seien Blutgerinnsel, die den Blutfluss in Nieren, Herz, Gehirn und Lungenbläschen blockieren. Dies wiederum hänge mit einer hohen Konzentration von Defensin-Proteinen zusammen. Die Defensin-Ausschüttung könne durch das Medikament Colchicin unterbunden werden. Die Wissenschaftler hoffen nun auf baldige Tests an Corona-Patienten.

Die israelische Firma Pangea arbeitet derweil an einem Corona-Ausweis. Dieser soll etwa Reisende als nicht infiziert oder immun ausgeben. Damit könnten wochenlange Quarantäne-Phasen nach einer Einreise überflüssig werden. Die Karte soll neben dem Foto ihres Besitzers einen Chip enthalten, der datenverschlüsselt mit dem zuständigen Gesundheitsamt im jeweiligen Heimatland verbunden ist.

Unterdessen warnen Wirtschaftswissenschaftler, das Hilfspaket der Regierung reiche nicht aus. Bei einer Konferenz des Israelischen Wirtschaftsverbundes kritisierten sie, im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern tue Israel am wenigsten: Die Ausgaben für die Hilfsmaßnahmen beliefen sich auf nur 6,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In Deutschland seien es 23,9 Prozent, in Großbritannien immerhin 17,9 und in Dänemark 12,2. Der Markt bleibe verunsichert und die von der Zentralbank anvisierte Arbeitslosenquote von 8 Prozent zum Jahresende unrealistisch.

Von: tk

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