Anastasiades, Mitsotakis und Netanjahu (v.l.) bei der feierlichen Zeremonie zur Unterzeichnung des Abkommens über den Bau der Pipeline

Anastasiades, Mitsotakis und Netanjahu (v.l.) bei der feierlichen Zeremonie zur Unterzeichnung des Abkommens über den Bau der Pipeline

Gaslieferungen von Israel nach Europa

Sechs-Milliarden-schweres Projekt: Durchs Mittelmeer soll eine Pipeline gelegt werden, mit der Israel Gas nach Europa liefert. Die Türkei ist verärgert.

ATHEN (inn) – Israel, Griechenland und Zypern haben sich auf den Bau einer Pipeline geeinigt. Über diese will Israel Erdgas nach Europa liefern. Die Energieminister der drei Staaten unterzeichneten am Donnerstag in Athen ein entsprechendes Abkommen. Bei der Zeremonie waren auch Israels Premier Benjamin Netanjahu, sein griechischer Amtskollege Kyriakos Mitsotakis sowie Zyperns Staatspräsident Nicos Anastasiades zugegen.

Die rund 2.000 Kilometer lange Pipeline „Eastmed“ soll in bis zu 3.000 Metern Tiefe durch das Mittelmeer verlaufen. Geplant ist, dass sie von Israel nach Zypern, von dort nach Griechenland und dann weiter nach Italien führt. Die Kosten belaufen sich auf schätzungsweise rund sechs Milliarden Euro. Europa soll durch die Lieferungen weniger abhängig von Erdgas aus Russland werden.

Laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ sagte Netanjahu nach der Unterzeichnung: „Dies ist ein großer Tag für Israel, das zu einer Energiemacht wird. Wir haben mit vielen Nachbarn Lieferverträge geschlossen, das stärkt die [israelische] Wirtschaft.“ Der griechische Regierungschef Mitsotakis sprach von einer „Brücke, mit der Energie nach Europa gebracht wird“. Das Projekt werde die Region stabilisieren und den Menschen Wohlstand bringen, fügte er hinzu.

Kritik aus Ankara

Kritik am Bau der Pipeline kommt aus der Türkei. Die Regierung in Ankara sieht darin den Versuch, die Türkei einzukreisen. Sie hat jüngst zusammen mit Libyen umstrittene Seegrenzen im Mittelmeer festgelegt und erhebt Ansprüche auf Gebiete nahe der Inseln Zypern und Kreta. Dort werden große Erdgasvorkommen vermutet. Die Türkei hatte stets betont, sie werde entsprechende Projekte im Mittelmeer ohne ihre Beteiligung nicht erlauben.

Von: dn