In der Region Eschkol haben Bauern aus Gaza Einblick in die israelische Landwirtschaft erhalten.
In der Region Eschkol haben Bauern aus Gaza Einblick in die israelische Landwirtschaft erhalten.

Landwirte aus Gaza beeindruckt von israelischer Messe

BE‘ER SCHEVA (inn) – Zusammenarbeit statt Raketen: 30 Landwirte aus dem Gazastreifen haben in der vergangenen Woche an einer Messe in Südisrael teilgenommen. Die Ausstellung wurde in der Region Eschkol abgehalten – einem Hauptziel palästinensischer Angriffe während der „Operation Wolkensäule“ nur anderthalb Monate zuvor.

„Die Landwirtschaft kennt keine Grenzen“, kommentierte der Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung in der Verwaltungsbehörde der israelischen Armee für die Koordination im Gazastreifen, Uri Madar, die palästinensische Teilnahme an der Ausstellung. „Pflanzenschädlinge zum Beispiel können von einer Seite zur anderen herüberkommen, deshalb gibt es hier ein gemeinsames Interesse. Wenn es im Sicherheitsbereich ruhig ist, dann besteht Raum, die Wirtschaft und die Landwirtschaft auf der anderen Seite zu entwickeln.“ Die Behörde hatte es den 30 Landwirten aus dem Gazastreifen genehmigt, die Messe in Eschkol am Donnerstag zu besuchen. Die Region grenzt an das palästinensische Gebiet und an Ägypten.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes in der Stadt Chan Junis, Dschamal Abu al-Nadschar, sprach während der Ausstellung mit einem israelischen Landwirt. Dieser entwickelt neue Tomatensorten. Der Palästinenser zeigte sich beeindruckt von den neuen Technologien, berichtet die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“. Er erstellte eine Einkaufsliste für verschiedene Tomatensorten. Die beiden Bauern tauschten auch ihre Telefonnummern aus und vereinbarten, miteinander im Geschäft zu bleiben. „Aber Sie werden mir einen guten Preis machen“, sagte Al-Nadschar.

Die Landwirte in Gazastreifen sehen keine Probleme darin, nach Israel zu fahren und Geschäfte mit israelischen Firmen zu machen. „Im Gegenteil“, zitiert „Yediot Aharonot“ palästinensische Besucher der Messe. „Unser Interesse ist es, die Dinge weiter mit der israelischen Seite zu koordinieren und sogar das Produkt nach Israel selbst zu exportieren. Wir betrachten die Dinge nicht aus politischer Sicht. Wir und ihr schauen auf den wirtschaftlichen Nutzen.“ Die Hamas-Regierung in Gaza mische sich nicht in die Angelegenheiten der Bauern ein. „Wir stimmen uns nicht mit ihr ab. Wir stimmen uns nur mit der Palästinensischen Autonomiebehörde und mit Israel ab.“

Export aus dem Gazastreifen auf täglicher Basis

Der Vorsitzende des Bauernverbandes in Gaza-Stadt, Ahmad Schafi, sagte: „Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen geschieht Tag für Tag vom Gazastreifen nach Europa. Wir exportieren Paprika, Erdbeeren, Blumen, Cherrytomaten und Gewürze.“ Seit dem Ende der Militäroperation „Wolkensäule“ Mitte November wurden 200 Tonnen Erdbeeren, 130 Tonnen Tomaten, fünf Tonnen Gewürzkräuter und eine Million Blumen aus dem Gebiet ausgeführt.

Al-Nadschar wies darauf hin, dass die Waffenruhe nach der Operation den Landwirten zugute komme: „Die Leute können ihre Ländereien aufsuchen, die sich in der Nähe der Grenze befinden und sie bearbeiten. Es gibt Export nach Europa, aber unser Hauptziel ist es, unsere Erzeugnisse wieder nach Israel und ins Westjordanland zu exportieren, wie es vor der Machtübernahme der Hamas war.“

Der beste Markt sei der israelische, meint der Vorsitzende des Verbandes von Chan Junis. Das hohe Bruttonationaleinkommen führe dazu, dass die Israelis für die Waren mehr zahlten. Selbst wenn der Rafah-Übergang nach Ägypten geöffnet sei, würden die Palästinenser ihre Produkte lieber über Israel in andere Länder exportieren. Denn die Israelis seien erfahrener. Die Waren kämen dadurch nach Europa, wenn sie noch frisch seien.

„Wenn die Wirtschaft funktioniert, sind die Leute zufrieden, und es gibt keine politischen Probleme“, lautete das Fazit der Messebesucher aus dem Gazastreifen.

Von: eh