Touristen vor der Grabeskirche: Die religiösen Stätten Jerusalems sind ein attraktives Ziel

Touristen vor der Grabeskirche: Die religiösen Stätten Jerusalems sind ein attraktives Ziel

Ein vorbereiteter Erfolg

Der Tourismus in Israel ist nach dem Rückschlag durch den Gazakonflikt 2014 wieder auf dem Vormarsch. Ein Rekordmonat jagt den nächsten. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Die Regierung sorgt mit Geld und kreativen Maßnahmen für Besucherströme.

Pilgerreise oder Museumsbesuch, Strand- oder Skiurlaub, Wüstenwanderung oder Baden im Toten Meer: Israel hat Touristen viel zu bieten. Jerusalem ist besonders für Christen interessant, Tel Aviv mit Stränden und einem pulsierenden Leben zieht junge Menschen an. Und auch sonst gibt es in Israel viel zu entdecken, von Nationalparks über historisch-­religiöse Stätten bis hin zu interessanten Museen.

So gesehen scheint es nicht verwunderlich, dass das Tourismusministerium oder das Statistik­amt neue Besucherrekorde vermelden können: Im Jahr 2018 kamen erstmals mehr als 4 Millionen Besucher in das Land. Und bereits 2017 war mit 3,61 Millionen Touristen ein Rekordjahr.

Dabei hatte die Tourismusbranche in den vergangenen Jahren einen Rückschlag erlebt: Die Militäroperation „Starker Fels“ im Sommer 2014 hatte dafür gesorgt, dass die Touristenzahlen zurückgegangen sind – wenn auch nur leicht. Die erste Hälfte des Jahres brachte eine zunächst positive Bilanz: Von Januar bis Anfang Juli besuchten 1,9 Millionen Touristen das Land rund 13 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Besonders der Papstbesuch im Mai sorgte laut Außenministerium für Auftrieb, da vermehrt Christen in das Land kamen.

Doch mit Ausbruch des fünfzigtägigen Konfliktes am 8. Juli haben fast alle europäischen Länder Reisewarnungen herausgegeben. Im Juli kamen dann nur 218.000 Touristen ins Land – der schlechteste Wert dieses Monats seit dem Jahr 2008. Im gesamten Jahr besuchten 2,93 Millionen Menschen Israel, im Jahr zuvor waren es 2,96. In den beiden folgenden Jahren blieben die Zahlen im Wesentlichen auf diesem Niveau: 2,80 und 2,90 Millionen Besucher zählten die Statistiker in den Jahren 2015 und 2016 – im Dezember 2012 hatte der damalige Tourismusminister Stas Miseschnikov für das Jahr 2015 noch fünf Millionen Besucher vorausgesagt. Aber die Messer- und Autoattacken, die besonders in den letzten vier Monaten des Jahres 2015 für Schlagzeilen sorgten, haben das touristische Interesse nicht gefördert.

Ein vorbereiteter Erfolg

Trotz dieser Zahlen konnte Tourismusminister Jariv Levin das Jahr 2016 als „Wendepunkt“ bezeichnen, da besonders die letzten 4 Monate mit Rekordzahlen im Vergleich zu den Zeiträumen der Vorjahre auffielen. Wie sich jetzt zeigt, hat der Likud-Politiker mit seiner damaligen Ankündigung einer Trendwende Recht behalten.

Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Israel tut einiges dafür, dass die Besucher den Weg ins Land finden. Dabei kommt Israel zwar zugute, dass der weltweite Tourismus ebenfalls Rekorde verbucht – die ganze Branche ist also im Wachstum begriffen. Doch dass das auch in Israel geschieht, liegt, wie es oft der Fall ist, letztlich am Geld: Bis zum Jahr 2015 haben die Ausgaben für Werbekampagnen nie mehr als 63 Millionen Euro pro Jahr betragen; im Jahr 2015 waren es dann fast 120 Millionen Euro.

Mit diesen Möglichkeiten hat das Tourismusministerium beispielsweise zum ersten Mal in Indien für Tourismus geworben. Mit der Bollywood-Schauspielerin und Mode-Ikone Sunam Kapoor konnte das Tourismusministerium ein Vorbild der Massen gewinnen. Kapoor ließ sich im Mai 2015 vor der Kulisse der Jerusalemer Altstadt ablichten. Mit einem Werbefilm erreichte Israel in Indien so viele Menschen wie die Colamarke Pepsi. Darüber hinaus hat die indische Ausgabe des Reisemagazins „Travel + Leisure“ Israel als bestes Reiseziel für Geschichtsinteressierte angespriesen. Tatsächlich steigen die Zahlen indischer Touristen: 2016 waren es noch 44.700, 2018 kamen 70.800.

Anreize für Reisevermittler

Das Geld investiert Israel aber nicht nur in Promi-Werbung und andere Kampagnen, sondern auch in die Branche selbst: Das Tourismusministerium hat die Zusammenarbeit mit Online-Reiseportalen wie TripAdvisor oder Expedia „gestärkt“, das heißt: die Portale erhalten Zahlungen für erfolgreiche Vermittlungen. Mit dieser Strategie reagierte das Ministerium auf den Trend, dass immer mehr Touristen ihren Urlaub auf eigene Faust organisieren und weniger im Rahmen von Gruppenreisen.

Ebenso erhalten Fluggesellschaften Geld, wenn sie israelische Ziele ansteuern. Auf diesem Weg hat etwa die chinesische Fluglinie Hainan einen Flug von Peking nach Tel Aviv eingerichtet. Für das Jahr 2016 listete das Tourismusministerium fünf weitere neu eingerichtete Flugrouten nach Israel, unter anderem von San Francisco (United Airlines) und Amsterdam (EasyJet). Um den Touristenort Eilat zu fördern, hat jede Fluglinie 45 Euro pro Passagier für einen direkten Anflug erhalten.

Auch der Strand von Tel Aviv ist ein beliebtes Touristenziel

Auch der Strand von Tel Aviv ist ein beliebtes Touristenziel

Diese „Doppelstrategie“ – Investitionen in Popkultur und in die Branche selbst – führte das Tourismusministerium auch 2018 fort. Im vergangenen Jahr visierte es dabei vor allem Lateinamerika an. Dazu luden die Israelis die Produzenten der neuen mexikanischen Seifenoper „Like“ nach Israel ein, um dort zu drehen. Eine Szene spielt dabei etwa am Platz vor der Klagemauer. Die im September gestartete, auf zwei Staffeln ausgelegte Serie wird in ganz Lateinamerika und in den USA gezeigt.

Zudem landete am 13. Dezember der erste Flieger der neuen Flugroute von Santiago de Chile über São Paulo nach Israel in Tel Aviv. Die chilenische Fluggesellschaft Latam ist die einzige in Südamerika, die direkt nach Israel fliegt.

Für die zukünftigen Touristenströme in den Süden Israels sind ebenfalls Vorbereitungen getroffen: Am 22. Januar wurde der Flughafen Ramon nördlich von Eilat eröffnet. Er ersetzt den Stadtflughafen und den Flughafen Ovda. Die Behörden rechnen zunächst mit zwei Millionen Passagieren pro Jahr, bis 2030 soll sich das Aufkommen auf 4,2 Millionen erhöhen.

Die Maßnahmen der vergangenen Jahre zeigen, dass sich Israel nicht allein auf seine attraktiven Touristenorte verlässt, sondern sich bemüht, sie bekannt zu machen. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums, die alle zwei Jahre erscheint, verdeutlicht die Lage, in der sich der kleine Staat am Mittelmeer befindet: Einerseits steht Israel in der Rangliste derjenigen Länder, die sich im Tourismus am deutlichsten verbessert haben, auf Rang 4. Insgesamt erreicht das Land in der Studie des Weltwirtschaftsforums allerdings nur Platz 61 von 136 – unter anderem verhindert die Sicherheitslage eine bessere Platzierung. Das ist ein Faktor, der immer wieder aufkommen kann. Bleibt es ruhig, wird Israel sicherlich weiter Tourismusrekorde vermelden – die Weichen dafür sind gestellt.

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 1/2019 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5667752, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online.

Von: Daniel Frick

Sie können sich über Disqus, Facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen ein, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsachliche Formulierungen oder externe Links enthalten. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1.600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungs- bedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus

Israelnetz Newsletter

Lesen Sie die Nachrichten werktäglich auf Ihrem Bildschirm.