Mit einer Schadsoftware hat der Palästinensische Präventive Sicherheitsdienst über Facebook Journalisten ausgespäht

Mit einer Schadsoftware hat der Palästinensische Präventive Sicherheitsdienst über Facebook Journalisten ausgespäht

Facebook zerschlägt palästinensisches Hacker-Netzwerk

Mit gefälschten Facebook-Profilen spionieren palästinensische Agenten Journalisten, Menschenrechtler und Regierungskritiker aus. Doch die Social-Media-Plattform kommt ihnen auf die Spur und löscht die Konten.

JERUSALEM (inn) – Facebook hat ein Spionagenetzwerk des palästinensischen Geheimdienstes zerschlagen. Das teilte das amerikanische Unternehmen am Mittwoch mit. Die Agenten zielten demnach darauf ab, Journalisten, Menschenrechtler und Regierungskritiker auszuspionieren.

Mithilfe gefälschter Konten hätten sich Mitglieder des Palästinensischen Präventiven Sicherheitsdienstes unter anderem als Journalisten oder junge Frauen ausgegeben, um Vertrauen zu den Zielpersonen aufzubauen. Ziel sei es gewesen, Informationen zu erlangen und Schadsoftware zu installieren. Mittels der Software wollten die Spione Zugang zu den Mobiltelefonen der Opfer erhalten. Damit konnten sie Anrufprotokolle, Textnachrichten und Tastatureingaben einsehen. Getarnt war die Software als Chat-Anwendung, gab Facebook bekannt.

Die Zielpersonen stammen vornehmlich aus dem von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) kontrollierten Gebiet und aus Syrien. Aber auch Nutzer aus der Türkei, dem Irak, dem Libanon und Libyen seien betroffen gewesen. Laut Angaben der Nachrichtenagentur AP wurden fast 800 Menschen Ziel des Angriffs. Zu der Anzahl der Betroffenen, die die Schadsoftware heruntergeladen haben, konnte Facebook keine Angaben machen.

Behörde wehrt sich

Eine Sprecherin des Palästinensischen Präventiven Sicherheitsdienstes wies die Anschuldigungen von Facebook zurück. Ihre Behörde arbeite „im Rahmen der Gesetze“ und respektiere die Medien sowie die Privatsphäre von Journalisten.

Dieser Erklärung widerspricht der Facebook-Leiter für Untersuchungen von Cyberspionage, Mike Dvilyanski, gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“. Seine Behörde könne beobachten, wie der Palästinensische Präventive Sicherheitsdienst seine Aktivitäten in den vergangenen sechs Monaten intensiviert habe. Zwar seien die Methoden der Spionagekampagne eher grob, aber auch besonders „hartnäckig“.

Kein Einzelfall

Bereits in der Vergangenheit ist die PA im Umgang mit Journalisten negativ aufgefallen. Im Jahr 2019 blockierte ein Gericht den Zugang zu Dutzenden von Online-Nachrichtenquellen, die von der PA als Bedrohung angesehen wurden. Zwei Jahre zuvor erließ PA-Präsident Mahmud Abbas (Fatah) ein Dekret, das seiner Regierung erlaubte, Personen zu verhaften, die der „nationalen Einheit“ oder dem „sozialen Gefüge“ schaden würden.

Von: mas