Das Corona-Kabinett trifft Vorkehrungen für extreme Szenarien

Das Corona-Kabinett trifft Vorkehrungen für extreme Szenarien

Israel bereitet sich auf 4.000 Beatmungspatienten vor

Das Verteidigungsministerium will nicht von einer „Prognose“ sprechen. Aber es will auf das Schlimmste vorbereitet sein. Eine Situation, in der tausende Menschen künstlich beatmet werden müssen, sei durchaus denkbar. Israelische Forscher warnen derweil vor noch einer anderen Pandemie.

JERUSALEM (inn) – Für den Extremfall sollte sich Israel auf bis zu 4.000 Beatmungspatienten gefasst machen. So lautete am Sonntag der Tenor im sogenannten Corona-Kabinett, einer Ministerrunde, die sich mit der Pandemie-Bekämpfung befasst. Demnach könne Israel in eine Situation geraten, in der zu 2.000 Kranken, die aus anderen Gründen beatmet werden müssen, noch 2.000 Coronavirus-Patienten kommen.

Premierminister Benjamin Netanjahu sagte dazu: „Wir erleben einen systematischen Anstieg der Sterblichkeit. Wir sehen das nicht nur bei uns, sondern bedauerlicherweise überall auf der Welt.“ Das vom Verteidigungsministerium vorgestellte Szenario mit 4.000 Beatmungspatienten sei ein „extremes“ Model, dem internationale Daten zugrundeliegen. Demnach könnte die Zahl der Infektionen auf 125.000 ansteigen – mit hunderten Todesopfern. Das Ministerium betonte jedoch auch, es handele sich dabei nicht um eine Prognose. Israel solle dennoch auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein.

Allein in der vergangenen Woche wurden 1.700 neue Ansteckungen erfasst. Die Zahl der aktiven Fälle liegt derzeit bei 5.434, davon gelten 44 als „kritisch“. Von den Patienten müssen 27 beatmet werden. Seit Ausbruch der Pandemie haben sich 21.246 Israelis mit dem Coronavirus infiziert, 307 sind gestorben. Die Regierung hat die Geldstrafe für einen Verstoß gegen die Maskenpflicht von umgerechnet etwa 50 auf 130 Euro erhöht. Dennoch soll die Erlaubnis für Sommerakademien und Ferienlager bestehen bleiben.

Derweil hat die israelische Firma Sonovia nach eigenen Angaben einen Mund- und Nasenschutz entwickelt, der 99 Prozent aller Bakterien, Pilze und Viren wie Sars-CoV-2 abtötet. Möglich machen das Nanopartikel aus Zinkoxid. Auch nach mehreren Waschgängen soll der Virenschutz gewährleistet bleiben. Derzeit wartet die neue Maske noch auf eine Zulassung. Zu den potentiellen Abnehmern sollen deutsche Krankenhäuser gehören. Das spezielle Material könne zudem in andere Textilien, zum Beispiel Kleidung eingearbeitet werden.

Plastikmüll und eine eingeschränkte Wallfahrt

Der Gebrauch von Mehrweg-Masken könnte auch die neue Flut von Plastikmüll eindämmen. Am Sonntag unterschrieben mehr als 115 Gesundheitsexperten aus 18 Ländern, darunter Israel, einen Aufruf zur Nutzung wiederverwendbarer Materialien. Unzählige Einwegmasken landeten derzeit in den Meeren. Zusätzlicher Müll entstehe durch Gummihandschuhe oder Plastikbesteck, das viele Verbraucher fälschlicherweise für sicherer als Mehrwegbesteck hielten. Der Israelische Ärzteverband für öffentliche Gesundheit mahnte: „Wir dürfen keine Situation entstehen lassen, in der wir es neben der Coronavirus-Pandemie mit einer Einwegplastikmüll-Pandemie zu tun bekommen.“

Neben Israel erlebt derzeit auch Saudi-Arabien eine „zweite Welle“ der Pandemie. Der Zahl der Neuinfektionen kletterte in der vergangenen Woche auf fast 5.000. Mit bisher 160.000 Fällen und mehr als 1.300 Toten ist es das am stärksten betroffene Land der arabischen Welt. Aus dem Grund verkündete das Königreich am Montag, die jährliche muslimische Pilgerfahrt nach Mekka, den Hadsch, stark einzuschränken: Nur eine „sehr begrenzte Zahl“ von Gläubigen, die sich bereits im Land aufhalten, dürfen dieses Jahr das Heiligtum in Mekka besuchen.

Von: tk