In der Corona-Krise arbeiten palästinensische Ärzte mit ihren israelischen Kollegen zusammen

In der Corona-Krise arbeiten palästinensische Ärzte mit ihren israelischen Kollegen zusammen

Palästinenser sehen Zusammenarbeit mit Israel weniger kritisch

Zum ersten Mal seit vielen Jahren scheuen sich palästinensische Beamte nicht, offen über eine Zusammenarbeit mit Israel zu sprechen. Auch in der Bevölkerung ist das gemeinsame Handeln in der Corona-Krise akzeptiert.

JERUSALEM (inn) – Der Ausbruch der Corona-Pandemie scheint die Vorbehalte vieler Palästinenser bezüglich einer Zusammenarbeit mit Israel zu zerschlagen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren sprechen palästinensische Beamte offen über die Vorteile einer Kooperation.

So forderte Mohammed Arafeh, ein Beamter aus dem Gesundheitsministerium, „alle Differenzen und Konflikte beiseite zu legen und sich im Kampf gegen das Coronavirus zusammenzuschließen“. Es wäre „töricht und unverantwortlich, sich der Zusammenarbeit zwischen den Palästinensern und Israel zu widersetzen“. Arafehs Vorgesetzte, Gesundheitsministerin Mai Alkailah, verkündete bereits vor einigen Tagen, dass Corona-Proben in Abstimmung mit dem israelischen Gesundheitsministerium an das Scheba Krankenhaus in Tel HaSchomer geschickt wurden.

Seitdem gibt es einen regen Austausch und tägliche Treffen, um die Bemühungen zur Verhinderung der Verbreitung des Virus zu koordinieren. Neben dem Informationsaustausch beliefert Israel Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen mit Testkits und Schutzanzügen. Außerdem gibt es eine gemeinsame Koordinierungsstelle und Schulungen für medizinisches Personal.

Lob für palästinensische Regierung

Trotz der Restriktionen im wirtschaftlichen Bereich zeigt sich die palästinensische Öffentlichkeit zufrieden damit, wie die Verantwortungsträger mit der Krise umgehen. Es gebe eine große Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft für die Entscheidungen des Premierministers Mohammed Schtaje und seiner Sicherheitskräfte, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Besonders die schnellen Maßnahmen und der transparente Informationsfluss kämen in der Bevölkerung gut an. Der Sozialarbeiter Suhad Schamali aus der Nähe von Ramallah lobte gegenüber der „Jerusalem Post“ die „professionelle Führungsweise“ der Regierung.

Schtaje komme weiterhin dessen Präsenz zugute, erklärt der Café-Besitzer Nidal Tajeh der israelischen Zeitung. Anders als Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verstecke er sich nicht, sondern sei „jetzt der wahre Führer“.

Hälfte der Palästinenser glaubt an bewusste Verbreitung

Dieses Bild wird auch von einer Meinungsumfrage des Palästinensischen Zentrums für öffentliche Meinung (PCPO) bestätigt. Sie ergab, dass 68 Prozent der Befragten eine Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern im Kampf gegen das Coronavirus positiv bewerten. 80 Prozent zeigten sich zufrieden mit der Arbeit der eigenen Behörden. Ähnlich viele (84 Prozent) bekundeten ihre Sorge, dass sich das Virus weiter in den palästinensischen Gebieten ausbreite. 43 Prozent der Befragten empfinden den Umgang mit dem Virus als „übertrieben“. Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Umfrage (47 Prozent) vermutet, dass das Virus nicht einfach mutierte, sondern absichtlich verbreitet wurde.

Von: mas

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