Mehrere Häuser wurden von Raketen getroffen, so wie dieses Gebäude am Mittwoch in Aschkelon

Mehrere Häuser wurden von Raketen getroffen, so wie dieses Gebäude am Mittwoch in Aschkelon

Raketenfeuer hält am Mittwoch an

Nach einer mehrstündigen Feuerpause nehmen extremistische Palästinenser auch am Mittwoch weiterhin israelische Zivilisten ins Visier. Bislang zählt die Armee über 360 abgeschossene Raketen. Mehrere Terroristen wurden durch israelische Luftschläge getötet.

SDEROT (inn) – Extremistische Palästinenser aus dem Gazastreifen haben seit Dienstagmorgen nach Angaben des israelischen Außenministeriums über 360 Raketen auf zahlreiche Städte im Süden Israels abgefeuert. Nach einer siebenstündigen Feuerpause ab etwa 23 Uhr Ortszeit am Dienstag, ertönt seit ungefähr 6 Uhr am Morgen immer wieder Raketenalarm in zahlreichen Städten Südisraels, unter anderem in der größeren Stadt Aschkelon. Gegen halb 7 war auch Alarm in mehreren Ortschaften nordwestlich von Beit Schemesch im Zentrum des Landes zu hören. Seitdem konzentrieren sich die Attacken auf die Umgebung des Gazastreifens. Vertreter der Vereinten Nationen und Ägyptens bemühen sich derzeit um eine Waffenruhe.

Im Süden des Landes blieben die Schulen auch am Mittwoch geschlossen, für das Gebiet um Tel Aviv hob die Armee entsprechenden Restriktionen wieder auf. Dennoch wird der Schulbetrieb auch dort zum Teil noch nicht wieder aufgenommen. In der Mittelmeermetropole selbst kamen am Mittwoch laut Bildungsministerium rund 90 Prozent der Schüler wieder zur Schule, berichtet das Nachrichtenportal „Arutz Scheva“. Armeesprecher Hidai Silberman gab am Dienstag trotz der versuchten Normalisierung keine Entwarnung. „Ich kann nicht sagen, dass die Bedrohung für das Zentrum des Landes nun kleiner ist“, zitiert ihn die Onlinezeitung „Times of Israel“.

Roter Davidstern behandelt 63 Personen

Der Rote Davidstern teilte am frühen Abend mit, er habe seit Dienstag rund 63 geringfügig bis leicht verletzte Personen in Zusammenhang mit dem Raketenfeuer behandelt. Die meisten Personen wurden wegen Angstattacken oder wegen Verletzungen behandelt, die sie sich auf dem Weg in die Luftschutzräume zuzogen. Am Morgen hatte der Rettungsdienst von einem zusammengebrochenen Mädchen berichtet, das sich in einem schwierigen Zustand befinde.

Mehrere Gebäude, darunter private Wohnhäuser, wurden am Dienstag massiv beschädigt. Eine Fabrik in Sderot ging in Flammen auf. Am Mittwoch schlug ein Geschoss in einem Haus in Aschkelon ein. Israelische Medien berichten von weiteren kleinen bis mittelstarken Sachschäden.

Amnesty International rudert zurück

Auf palästinensischer Seite beläuft sich die Zahl der Toten nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 24. Zahlreiche der Getöten wurden bereits als Mitglieder terroristischer Vereinigungen identifiziert, 3 Personen sollen minderjährig sein. Die israelische Armee gab bei Twitter wiederholt bekannt, Terroristen „eliminiert“ zu haben, die sich gerade auf einen neuerlichen Raketenabschuss vorbereiteten. Unter den im Rahmen der Gegenschläge bisher attackierten Zielen befand sich demnach zudem eine Raketen-Fabrik.

Bereits am Dienstag hatte die „Unabhängige Kommission für Menschenrechte“ im Gazastreifen Israel vorgeworfen, ein Gebäude mit Büroräumen der Kommission angegriffen zu haben. Eine Person soll dabei verletzt worden sein. Auch Amnesty International verurteilte den Vorgang „aufs Schärfste“ und gab Israel die Schuld. Nach einem Bericht der linksliberalen Tageszeitung „Ha'aretz“ stammte das Geschoss allerdings höchstwahrscheinlich aus dem Gazastreifen. Ein Reporter des konservativen amerikanischen Fernsehsenders „Fox News“, der nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt des Einschlags vor Ort war, bestätigte diese Darstellung. Amnesty hatte bereits zuvor mit einem neuen Tweet reagiert, in dem die Organisation nun eine „unparteiische Untersuchung“ forderte.

Wie verhält sich die Hamas?

Armeesprecher Silberman teilte am Morgen mit, dass Israel bisher keine Ziele der radikal-islamischen Hamas angreife. Bis zur erneuten Gewalteskalation am Dienstagmorgen hatte die Armee stets die Hamas für alle Angriffe verantwortlich gemacht, die von der Küstenenklave ausgehen. Man werde das Verhalten der Organisation nun genau beobachten, hieß es aus der Armee.

Am Nachmittag sagte ein Sprecher der Hamas, dass die islamistische Gruppierung und der Islamische Dschihad „Seite an Seite“ stünden im Kampf. Die Hamas hat einen deutlich größeren Waffenbestand als der Islamische Dschihad.

Bennett: „Werden nicht zögern, es wieder zu tun“

Die Armee geht laut eines Sprechers davon aus, dass der Islamische Dschihad die Angriffe in der Nacht aussetzte, damit das eigene Raketenarsenal für mehrtägige Auseinandersetzungen ausreiche. Premierminister Benjamin Netanjahu sagte am Mittwoch, der Islamische Dschihad verstehe, „dass wir unsere Gegenschläge ohne Gnade fortführen werden“. Dennoch könne es noch einige Zeit dauern, bis der Beschuss aufhöre.

Der neue Verteidigungsminister Naftali Bennett deutete an, dass Israel auch in Zukunft gezielte Tötungen durchführen könne: „Wir haben es gestern getan, und wir werden nicht zögern, es zukünftig wieder zu tun“, sagte er am Mittwoch. Armeesprecher Jonathan Conricus hatte am Dienstag betont, dass es derzeit keine Pläne gebe, die Politik der gezielten Tötungen grundsätzlich wiederaufzunehmen.

Das Raketenfeuer hatte am Dienstagmorgen begonnen, nachdem Israel einen Anführer der Terrorgruppe Palästinensischer Islamischer Dschihad, Baha Abu al-Ata, gezielt getötet hatte. Laut Armee war Al-Ata verantwortlich für zahlreiche Terrorangriffe gegen israelische Zivilisten und Soldaten. Seine nächste Attacke habe „unmittelbar“ bevorgestanden.

Iran spricht von israelischer „Terrorattacke“

Unterdessen verurteilte der Iran die „Terrorattacke des israelischen Regimes auf den Gazastreifen“. Israel sei ein „skrupelloses und Kinder mordendes Regime“, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme auf der Webseite des Außenministeriums der Islamischen Republik. US-Vizepräsident Mike Pence bekräftigte indes Israels Recht auf Selbstverteidigung. Die Terrorgruppen des Gazastreifens förderten lieber Gewalt, als das Leben der Bewohner Gazas zu verbessern. Der UN-Nahostbeauftragte, Nickolay Mladenov, verurteilte am Mittwoch den „willkürlichen Beschuss“ ziviler Ziele in Israel als „absolut inakzeptabel“.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, teilte am Dienstag einen Tweet der israelischen Botschaft in Berlin über die Raketenangriffe. „Wir stehen fest an der Seite unserer israelischen Freunde“, schrieb er dazu. Von Außenminister Heiko Maas war bis Mittwochmittag keine Stellungnahme bekannt.

Von: ser

Dieser Artikel wurde zuletzt um 17:19 Uhr aktualisiert.

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