Brill ließ sich bei seiner Erfindung durch ein Kinderspielzeug inspirieren

Brill ließ sich bei seiner Erfindung durch ein Kinderspielzeug inspirieren

Wie ein Israeli die Drohne erfand

Ein jüdischer Junge in den USA erhält ein ferngesteuertes Flugzeug als Geschenk. Dies inspiriert einen israelischen Offizier zu einem neuen Aufklärungssystem. Leider findet es keinen Einsatz im Jom-Kippur-Krieg.

Kurz nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 hatte Ägypten eine hohe Barriere errichtet. Israel konnte nicht erkennen, ob der Feind hinter dem Sichtschutz Panzer, Artilleriekanonen oder Soldaten zusammenzog. Ein Offizier der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte entwarf eine Plattform auf Panzern. Das funktionierte solange, bis ägyptische Scharfschützen die Hochstände ins Visier nahmen.

In dieser Zeit erinnerte sich der Offizier Schabtai Brill an einen Vorfilm, den er zuvor in Tel Aviv gesehen hatte. Es war ein kurzer Bericht über einen jüdischen Jungen in den USA, der ein Spielzeugflugzeug als Geschenk für seine Bar Mitzva erhielt. Dieses konnte per Fernbedienung gesteuert werden. „Da müsste man doch auch Kameras drunter befestigen können, die über den Suezkanal fliegen und den Feind ausspähen können …?“, wird sich der Israeli gedacht haben.

Innerhalb weniger Monate erhielt er von seinen Vorgesetzten die Genehmigung, drei Spielzeugflugzeuge, sechs Fernbedienungen und fünf Motoren sowie Ersatzreifen und Propeller zu kaufen. Die Gesamtsumme betrug 850 US-Dollar. Spielzeugflugzeuge waren in Israel nicht verfügbar, also ging ein Mitglied der israelischen Verteidigungsdelegation in New York zu einem Spielzeugladen in Manhattan und kaufte die Ausrüstung. Er schickte sie dann mit dem diplomatischen Gepäck der Botschaft nach Israel, um unerwünschte Fragen zu vermeiden, warum ein Israeli mit so vielen Spielzeugflugzeugen unterwegs war.

Die Spielzeuge wurden mit deutschen 35-Millimeter-Kameras ausgestattet, deren Timer so programmiert waren, dass sie alle 10 Sekunden automatisch Bilder machten. Der Erstflug fand am 7. Juli 1969 statt. Das Ziel waren ägyptische Militärposten in der Nähe von Ismailia.

Technik hätte im Jom-Kippur-Krieg geholfen

Einige Wochen später wurde Brill in eine andere Position versetzt. Sein Projekt wurde eingestellt. Brill flehte den israelischen Militärgeheimdienst an, es am Leben zu erhalten. Er warnte vor den verheerenden Folgen, wenn es aufgegeben würde. Doch niemand war bereit zuzuhören.

Am 6. Oktober 1973, am Jom Kippur, startete das ägyptische Militär einen Überraschungsangriff über den Suez und marschierte praktisch ohne Widerstand durch die Sinai-Halbinsel. Mehr als 2.000 israelische Soldaten wurden getötet. „Hätten wir weiterhin Fotos von dem gemacht, was nur drei Meilen jenseits des Kanals geschah, hätten wir gesehen, wie die ägyptischen Panzer, Brücken und Ausrüstungen zusammengezogen wurden, und wir hätten verstanden, dass sie sich auf den Krieg vorbereiten“, sagte Brill. Der militärische Geheimdienst erkannte seinen Fehler, staubte Brills alte Pläne ab und wandte sich an lokale Verteidigungsunternehmen, um mit der Entwicklung eines leichten unbemannten Luftfahrzeugs (UAV), Drohnen, zu beginnen.

Es sollte noch Jahre dauern, bis der israelische Entwurf einsatzbereit war, aber dank des Spielzeugflugzeugs von 1969 wurde Israel bald zu einer globalen Drohnen-Supermacht. In der heutigen israelischen Armee gibt es keine Operation, die nicht den Einsatz von Drohnen in allen Größen und Formen beinhaltet. Die kleineren werden für Operationen auf Kompanie- oder Bataillonsebene eingesetzt, während die größeren Aufklärungsdrohnen für die nachrichtendienstliche Sammlung oder die laufende Überwachung von Grenzen und feindlichem Gebiet eingesetzt werden. Etwa 50 Prozent aller Flugstunden der israelischen Luftwaffe werden heute von Drohnen geleistet. 2018 exportierte Israel Drohnentechnologie im Wert von etwa 1 Milliarde US-Dollar.

Von: Ulrich W. Sahm

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