Ein Haus in Israel geriet nach einem Raketeneinschlag in Brand

Ein Haus in Israel geriet nach einem Raketeneinschlag in Brand

Raketenfeuer auf Israel: Ein Mann getötet, mehrere Verletzte

Nach einer unruhigen Nacht sind ab Montagnachmittag hunderte Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Die Terrorgruppe Islamischer Dschihad sieht die Angriffe als Vergeltung für die Tötung eines Hamas-Kommandeurs.

GAZA (inn) – Vom Montagnachmittag bis zum Dienstagabend haben Terroristen aus dem Gazastreifen mehr als 460 Geschosse auf Israel abgefeuert. In einer ersten Welle am Nachmittag verzeichnete die Armee zunächst 200 Raketen, um kurz nach 22 Uhr sprach sie von 300 Geschossen. In der Nacht und im Verlauf des Dienstages kamen etwa 160 dazu. Unter anderem wurde dabei die Küstenstadt Aschkelon getroffen.

Bei den Angriffen wurde ein 48-Jähriger Mann in Aschkelon getötet, eine 40-jährige Frau schwer verwundet. Die ersten Medienberichtete bestätigten sich: Bei dem Getöteten handelt es sich um einen Palästinenser aus dem Gebiet Hebron. Er war Bauarbeiter und hinterlässt eine Frau – die bei dem Angriff verletzt wurde – und sechs Kinder. Ebenfalls in Aschkelon wurde eine 60-jährige Frau schwer verwundet. In der Zeit zwischen 16:30 Uhr bis 01:15 Uhr behandelten die Ärzte 53 Menschen, rund die Hälfte wegen Stresssymptomen. Zudem wurden durch das Raketenfeuer zahlreiche Wohnhäuser beschädigt. Das Abwehrsystem Eisenkuppel fing mehr als 100 Raketen ab.

Die Angriffe begannen am Nachmittag mit einer Panzerabwehrrakete, die einen Armeebus traf. Etwa 50 Soldaten waren bereits ausgestiegen, doch der Fahrer befand sich noch darin, als die Rakete einschlug. Der Soldat kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Seine Familie wurde benachrichtigt.

Ein Armeebus ging nach dem Treffer einer Panzerabwehrrakete in Flammen auf

Ein Armeebus ging nach dem Treffer einer Panzerabwehrrakete in Flammen auf

Als Reaktion auf das Raketenfeuer flog die Luftwaffe Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen. Laut Armee nahmen die Piloten bis zum frühen Dienstagmorgen mehr als 160 Ziele der Hamas und des Islamischen Dschihad ins Visier, darunter Terrortunnel, Waffenproduktionsstätten und Beobachtungsposten. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei vier Palästinenser ums Leben.

Am Abend zerstörte die Luftwaffe ein Gebäude in Gaza-Stadt, in dem sich der Hamas-Fernsehsender „Al-Aqsa“ befand. Der Sender habe über Jahre hinweg Propaganda und Hetze verbreitet, hieß es bei der Armee dazu. Um kurz nach 1 Uhr Ortszeit teilte die Armee mit, den Hauptsitz der militärischen Aufklärung der Hamas zerstört zu haben.

Angriff als Vergeltung

Die Terrorgruppe Islamischer Dschihad gab am Nachmittag bekannt, das Raketenfeuer sei eine „natürliche Antwort“ auf die Tötung des Hamas-Kommandeurs Nur Barake am Sonntag. Am Abend hieß es weiter, man sei „nicht an einer militärischen Eskalation interessiert“, wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtete. Infolge der Zerstörung des Fernsehsenders teilte die Terrorgruppe dann aber mit, sie werde „die Reaktion ausweiten“.

Am Abend beriet sich Regierungschef Benjamin Netanjahu mit Vertretern des Sicherheitsapparates in Tel Aviv. Die Armee hat die Truppen im Süden verstärkt und zusätzliche Eisenkuppel-Batterien aufgestellt. Die meisten Städte im Süden des Landes, darunter auch Be'er Scheva, sagten den Schulbetrieb für den Dienstag ab.

Weltgemeinschaft: Eskalation vermeiden

Die Weltgemeinschaft hat unterdessen das Raketenfeuer auf Israel verurteilt. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz schrieb noch am Montagabend auf Twitter, der Beschuss müsse sofort gestoppt werden. Die Angriffe lösten keine Probleme im Gazastreifen. „Österreich setzt sich voll und ganz für die Sicherheit Israels ein.“

Der tschechische Außenminister Tomáš Petříček verurteilte am Dienstag die Angriffe der Hamas und des Islamischen Dschihad, ebenso wie sein litauischer Amtskollege Linas Linkevicius. Auch Frankreich verurteilte die Angriffe „auf das Schärfste“, wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet.

Die deutsche Regierung in Berlin meldete sich am Dienstagvormittag zu Wort und veruteilte den Raketenbeschuss „auf das Schärfste“. In den vergangenen zwei Wochen hätten Vermittlungsbemühungen zur Entspannung geführt. Umso wichtiger sei es nun, alles zu tun, „damit nicht eine Konfliktspirale in Gang kommt“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Bereits am Montagabend hatte die die deutsche Botschafterin in Israel, Susanne Wasum-Rainer, eine Twitternachricht des EU-Botschafters in Israel, Emanuele Giaufret retweetete. Dieser nannte die Angriffe auf Zivilisten „nicht akzeptabel“. Wasum-Rainer mahnte zudem, jede weitere Eskalation müsse vermieden werden.

Der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, Jason Greenblatt, sicherte Israel Unterstützung zu. „Israel ist wieder einmal dazu gezwungen, militärisch zu handeln und seine Bürger zu beschützen“, schrieb er auf Twitter. Mit Blick auf den getöteten Palästinenser ergänzte er: „Die Handlungen der Hamas zeigen einmal mehr, dass Palästinenser ihr egal sind. Sie ist nur daran interessiert, sie für ihre politischen Zecke zu gebrauchen. Sogar palästinensisches Leben scheint für die Hamas keine Rolle zu spielen.“

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, rief alle Seiten zur maximalen Zurückhaltung auf. Der UN-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess, Nickolay Mladenov, teilte mit, eng mit Ägypten und „allen anderen Beteiligten“ zusammenzuarbeiten, um eine weitere Esakalation zu vermeiden. Die israelische Regierung lehnte am Dienstag Gespräche um eine Waffenruhe laut der „Times of Israel“ zunächst ab.

Am Nachmittag meldeten palästinensische Medien, dass eine Waffenruhe um 15:30 Uhr Ortszeit in Kraft treten sollte, die vor allem auf ägyptische Bemühungen zurückzuführen sei. Nichtsdestotrotz ging der Raketenbeschuss zunächst weiter. Eine Sitzung des israelischen Sicherheitskabinett endete am Nachmittag nach sechs Stunden. Der Nachrichtensender „i24 News“ berichtete am Abend, das Kabinett habe für einen Waffenstillstand gestimmt, die Armee bleibe aber in Alarmbereitschaft.

Dieser Artikel wurde zuletzt am Dienstag, 13. November, um 17:05 Uhr aktualisiert.

Von: df

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