Am Gaza-Grenzzaun wurde ein Bewaffneter getötet, der bei „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitete

Am Gaza-Grenzzaun wurde ein Bewaffneter getötet, der bei „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitete

Getöteter Terrorist war Pfleger von „Ärzte ohne Grenzen“

Am Montag griff ein Palästinenser Soldaten am Gaza-Grenzzaun an und wurde dabei getötet. Nun stellt sich heraus, dass er bei „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitete. Israel fordert eine Erklärung.

GAZA (inn) – Ein palästinensischer Bewaffneter, der von den israelischen Streitkräften am Montag an der Grenze zum Gazastreifen getötet wurde, arbeitete als Krankenpfleger bei „Ärzte ohne Grenzen“. Das teilte Israel am Donnerstag mit. Die Armeebehörde COGAT forderte die Hilfsorganisation auf, eine Erklärung zu dem Vorfall abzugeben.

Nach Angaben des COGAT-Verbindungsbüro für den Gazastreifen hieß der Palästinenser Hani Madschdalawi. Er sei getötet worden, nachdem er am Grenzzaun auf Soldaten geschossen und eine Granate geworfen hatte. „Ärzte ohne Grenzen“ bestätigte seinen Tod, machte aber keine weiteren Angaben. Derzeit prüfe man die Umstände des „sehr schwerwiegenden Vorfalls“.

Wohl kein Mitglied einer Terrorgruppe

Die Behörden des Gazastreifens bestätigten Madschdalawis Tod bislang nicht. Es sei notwendig, seine Leiche zu haben. Vorerst werde diese allerdings von Israel festgehalten. Keine der bewaffneten palästinensischen Gruppen beanspruchte Madschdalawi als Mitglied.

Der israelische Rundfunk interviewte Osama, den Bruder des Getöteten. Hani sei 28 Jahre alt und verheiratet gewesen. Der „Märtyrer“ habe die Waffen mit seinem eigenen Geld gekauft und „völlig unabhängig“ gehandelt. Unter seinen Brüdern sei er „sozial, psychologisch und wirtschaftlich“ der stabilste gewesen.

Kritik am israelischen Vorgehen

Auf ihrer Webseite erklären die Ärzte: „Unser Handeln orientiert sich an der medizinischen Ethik und den Grundsätzen der Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität.“

In ihren Berichten über Aktivitäten in „Palästina“ beschreibt die Organisation das israelische Vorgehen gegen Demonstranten am Grenzzaun als „nicht akzeptabel“. Das Raketenfeuer auf Israel, die Brände infolge der palästinensischen Feuerdrachen und das gewaltsame Vorgehen der Palästinenser an der Grenze blendet sie dabei aus.

Im Gazastreifen unterhält „Ärzte ohne Grenzen“ nach eigenen Angaben Behandlungszentren in Gaza-Stadt, Chan Junis und Beit Lahia im Norden des Gebiets. In mehreren Städten des Westjordanlands bietet die Organisation psychologische Hilfe an.

Von: Ulrich W. Sahm