Spionage-Apps verschaffen Hackern der Hamas Zugriff auf nahezu alle Funktionen eines Handys

Spionage-Apps verschaffen Hackern der Hamas Zugriff auf nahezu alle Funktionen eines Handys

„Nächstes Schlachtfeld ist das Internet“

Scheinbar harmlose Programme für das Handy helfen der Hamas, Israelis auszuspionieren. Das Phänomen nimmt zu, wie ein aktuelles Beispiel zur Fußball-WM zeigt. Experten sehen hier bereits das nächste „Schlachtfeld“ der Hamas.

GAZA / TEL AVIV (inn) – Die Hamas arbeitet an verbesserten Cyber-Fähigkeiten, um israelische Bürger im Internet auzuspionieren. Das Wirtschaftsmagazin „Globes“ berichtet von digitalen Angriffen in den vergangenen Wochen, die Bürger wie Soldaten betroffen haben. Danach könnten zukünftig auch israelische Institutionen und Organisationen Ziele sein.

Vor der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft in Russland tauchte im Google Store für Mobiltelefone eine kostenlose App auf, die sich „Golden Cup“ (Goldpokal) nannte. Mit dieser Erweiterung konnten Benutzer Live-Berichte von den Spielen mit hochauflösenden Bildern und Tor-Videos schauen. Laut „Globes“ konnte die Hamas nach dem Herunterladen der App alle Gespräche der Besitzer aufnehmen, die Umgebung über das Mikrofon belauschen, die Kamera aktivieren sowie persönliche Daten klauen. Viele Menschen, die „Golden Cup“ herunterladen haben, sollen Soldaten gewesen sein. Auf diese Weise hatten die gestohlenen Daten eine noch höhere Brisanz.

Wie das Spionage-Programm aufflog

„Golden Cup“ war ein Spionage-Programm, das an den Sicherheitsüberprüfungen der amerikanischen Firma Google vorbeigeschmuggelt wurde. Denn zuerst war die App harmlos. Durch einen automatischen Update-Prozess wurden nach der Installation die Angriffsmechanismen hinzugeladen. Der Hamas auf die Spur kamen die beiden Israelis Roj Jarkhi and Ejal Rjnkowski, die für das Unternehmen Symantec in Tel Aviv arbeiten. Sie erkannten, dass es sich um einen Betrug handelt, weil zum Beispiel die Firmenseite zur App erst einen Tag vor der Download-Möglichkeit ins Internet gestellt wurde. Auch ließen die Hacker der Hamas den Server, auf den die Daten der Handys hochgeladen wurden, offen. So konnten die Israelis zu dem gestohlenen Material Zugang finden. Inzwischen ist die App im Google Store gelöscht worden.

„Das Phänomen ist weit verbreitet und die Cyber-Dimension ist zu einem Schlachtfeld geworden. Die Angriffe der Hamas aus dem Gazastreifen und auch von anderen Gruppen zielen auf zwei Sphären: den persönlichen und den kommerziellen Bereich“, sagte Sicherheitsexperte Jaron Edan. Es gebe einen Anstieg dieser Phänomene in den sozialen Netzwerken, die ein weiteres Schlachtfeld für Cyber-Angriffe geworden seien.

Zum jetzigen Zeitpunkt schätzt er die technischen Fähigkeiten der Hamas als eher grundlegend ein. „Aber die Weiterentwicklung ist leicht über Hilfsmittel im Dark Net oder auch im Internet zu erreichen. Jeder kann dort Cyber-Werkzeuge kaufen, es gibt keine Limits“, sagte er. Ein weiterer Cyber-Experte, der als Quelle anonym bleiben will, sagte „Globes“: „Die Erfolge der Hamas sind ein Fakt. Sie wissen, wie sie Menschen dazu animieren, auf Links zu klicken und alle möglichen Dinge auf ihre Computer herunterzuladen.“ Auch in Systeme einzubrechen, mache ihr keine Probleme. Er glaubt aber auch, dass die Angriffe weniger aus dem Gazastreifen oder dem Westjordanland, sondern vor allem von ausländischen Hamas-Zellen kommen.

Von: mm

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