Ort des Anschlags: Mit dem weißen Lastwagen tötete ein Palästinenser vier Israelis
Ort des Anschlags: Mit dem weißen Lastwagen tötete ein Palästinenser vier Israelis

Hintergrund des Täters noch unbekannt

Die Identität des Attentäters von Jerusalem war schnell klar, dessen Hintergrund müssen Behörden noch ermitteln. Unterdessen hat die Staatengemeinschaft den Anschlag verurteilt.

JERUSALEM (inn) – Nach dem Anschlag am Sonntag in Jerusalem mit vier Todesopfern ist der Hintergrund des Täters noch immer unklar. Der israelische Premierministers Benjamin Netanjahu teilte am Sonntag zunächst mit, dass der Terrorist den „Islamischen Staat“ unterstützte; dies zeigten Indizien. Am Montag sprach er nach einem Besuch der 15 Verletzten im Hadassah-Krankenhaus von einer spontanen Tat. „Der Terrorist hat den Beschluss offenbar innerhalb einer Sekunde gefasst, ehe er in die Soldatengruppe hineinfuhr.“

Diese Einschätzung ergibt sich aus einem Telefonat des Täters mit seiner Familie kurz vor dem Anschlag. Darin sagte er, er werde bald heimkommen. Die Identität des Attentäters, Fadi al-Kundar, war den Israelis schon kurz nach der Tat bekannt. Grenzpolizisten stürmten dessen Wohnhaus. Der 28-jährige Vater von vier Kindern hatte bereits im Gefängnis gesessen und galt als „freigelassener Häftling“. Von einem geplanten Anschlag wussten die Behörden nichts. Was die Befragung der Angehörigen ergeben hat, ist bislang nicht bekannt.

Inzwischen hat die Armee auch die Namen der Todesopfer bekanntgegeben. Es handelt sich um die 20-jährige Jael Jekutil im Dienstgrad eines Leutnants; die 22-jährige Kadettin Schir Hadschadsch; die 20-jährige Kadettin Schira Zur aus Haifa; und den 20-jährigen Kadetten Eres Orbach aus der Siedlung Alon Schwut, die zwischen Bethlehem und Hebron liegt. Die Kadetten wurden im Nachhinein in den Dienstgrad eines Leutnants oder Unterleutnants erhoben.

Maßnahmen vor Ort

Als erste Maßnahme nach der Tat wurde das Wohnviertel des Attentäters, Dschebel Mukaber in Ostjerusalem, mit Betonklötzen abgeriegelt. Es kam zu einem „Aufstand“, bei dem Palästinenser in der Nacht israelische Sicherheitskräfte mit Feuerwerkskörpern „beschossen“ haben. Am Montagmorgen haben israelische Sicherheitsleute das Trauerzelt zerstört, das die Familie des Attentäters vor dem Haus zum Gedenken an ihren „Märtyrer“ aufgestellt hat.

Anders als in verschiedenen Medien und Agenturen behauptet, liegt der Anschlagsort, die Haas-Promenade, nicht in „Ostjerusalem“. Sie ist vielmehr UNO-Niemandslandes zwischen dem israelischen Westjerusalem und dem von den Palästinensern beanspruchten ehemals jordanisch besetzten Ostjerusalem. Der Anschlag fand in Sichtweite des dortigen UNO-Hauptquartiers statt, auf dem biblischen „Berg des Bösen Rates“.

Zwischenzeitlich war gegenüber den anwesenden Soldaten der Vorwurf der Zurückhaltung beim Schießen laut geworden. Touristenführer Eitan Rund, der auf den Terroristen schoss, sagte im Armeeradio, die Soldaten hätten nicht eingegriffen. „Ich verstehe nicht, warum 40 Soldaten, die dort waren, nicht geschossen haben“, sagte er dem Armeeradio. Seiner Ansicht nach haben die Soldaten Skrupel gehabt. Der Grund dafür sei das Gerichtsverfahren um den Soldaten Elor Asaria. Dieser hatte einen am Boden liegenden Palästinenser bei einem Einsatz erschossen und war deswegen verurteilt worden.

Rund revidierte später seine Worte; ihm sei im Nachhinein klar geworden, dass auch die Soldaten geschossen hätten. Nichtsdestotrotz reagierte die Armee auf seine Aussage. Es gebe keine Belege für Zurückhaltung oder für einen „Elor-Asaria-Effekt“, sagte Armeesprecher Moti Almos. Mindestens zwei Soldaten hätten auf den Fahrer geschossen, sagte der Kommandeur des Kadettenprogramms Janif Aluf nach einer vorläufigen Untersuchung. Polizeiangaben zufolge wurde der Terrorist von Kugeln getroffen, die sowohl Touristenführer Rund als auch zwei Soldaten abgefeuert hatten.

Zahlreiche Verurteilungen

Viele Länder und Staatenorganisationen verurteilten den Anschlag, darunter die USA und die Europäische Union. Beide sagten in Stellungnahmen, für derlei Anschläge gebe es keine Rechtfertigung. Auch der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag „auf das Schärfste“. Der UN-Sondergesandte für den Nahen Osten, Nickolay Mladenov, forderte via Twitter „von allen“ eine Verurteilung. Länder wie Deutschland, Frankreich und Kanada bekundeten Solidarität mit Israel.

Die islamistische Hamas hat unterdessen den Anschlag als „heldenhaft“ gelobt. Es handele sich um eine „natürliche Antwort auf die Besatzung“. So zitiert der israelische Nachrichtenseite „i24 News“ die Organisation. Im Flüchtlingslager Dschabalja im Gazastreifen veranstaltete sie eine Jubelfeier anlässlich des Anschlags. Die Schwester des mutmaßlichen Terroristen sagte gegenüber dem palästinensischen „Quds News Network“, das sich als Nachrichtenseite im Social-Media-Bereich versteht, Allah habe ihn als „Märtyrer“ auserwählt. „Wir sind geduldig und wir danken Allah dafür."

Von: Ulrich W. Sahm / df

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