Starb am Dienstabend bei dem Anschlag in Jaffa: Taylor Force aus Texas
Starb am Dienstabend bei dem Anschlag in Jaffa: Taylor Force aus Texas

Anschlagswelle: US-Amerikaner in Jaffa getötet

JAFFA (inn) – Bei einem Messerangriff in Jaffa kommt ein Tourist aus den USA ums Leben. Weitere Anschläge am Dienstag und Mittwoch überschatten den Israel-Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden. Israel beschließt Maßnahmen gegen den Terror.

Israel erlebt einen neuen Höhepunkt der palästinensischen Gewaltwelle: Am Dienstagabend erstach ein Palästinenser in Jaffa einen Touristen aus den USA. Mindestens elf Menschen erlitten Verletzungen, manche von ihnen sehr schwere. Der Angreifer stach binnen 20 Minuten an drei Orten in der von Arabern und Juden bewohnten Küstenstadt zu, die südlich an Tel Aviv grenzt. Bei dem Todesopfer handelt es sich um den 29-jährigen Taylor Force aus Lubbock im Bundesstaat Texas. Unter den Verwundeten sind dessen Ehefrau, eine Schwangere, ein israelischer Araber und ein Palästinenser ohne Aufenthaltsgenehmigung.

Der Attentäter wurde nach einer Verfolgungsjagd an der Tel Aviver Strandpromenade von der Polizei erschossen. Der 1994 geborene Palästinenser stammte aus dem Flüchtlingslager in Kalkilija im Westjordanland. Als er auf wartende Autofahrer einstechen wollte, hielt ihn ein Israeli mit seiner Gitarre auf – die zu Bruch ging.

Der Imam von Jaffa, Scheich Suleiman Alsatl, bekundete gegenüber der Tageszeitung „Ma‘ariv“ sein Bedauern und seine große Empörung über die Angriffe: „Mir schmerzte wirklich das Herz, als ich hörte, was passiert ist. Solche Dinge dürfen nicht passieren. Wir werden hier weiter in Ruhe und Koexistenz leben.“

Zwei weitere Angriffe am Dienstag

Es war das dritte Attentat am Dienstag. Zuvor hatte bereits in Petach Tikva ein 18-jähriger Palästinenser viele Male auf einen Israeli eingestochen. Dem Opfer, Jonatan Asarihab, gelang es, den Attentäter zu erstechen. Dieser wurde als Abed el-Rahman Mahmud Radad aus Sawija bei Ariel identifiziert, wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet.

Kurz darauf schoss ein Palästinenser in Jerusalem von einem Motorrad aus auf israelische Grenzpolizisten. Der Angriff ereignete sich in der Nähe des Damaskustores zur Altstadt. Zwei Polizisten wurden schwer verwundet, der Angreifer starb im Schusswechsel.

Jerusalem im Fokus

Am Mittwochmorgen geriet ebenfalls in Jerusalem ein Linienbus von einem Fahrzeug aus unter Beschuss. Dabei kam niemand zu Schaden. Die Polizei stieß nach eigenen Angaben an einer Straßenbahnhaltestelle nahe der Altstadt auf den verdächtigen Wagen. Die beiden Insassen richteten ihre Gewehre auf einen Polizisten. Sie starben bei einem Schusswechsel, ein arabischer Israeli erlitt im Kreuzfeuer sehr schwere Verletzungen. Palästinensischen Quellen zufolge handelt es sich bei den Angreifern um den 19-jährigen Abd al-Malik Saleh Abu Charub und den 21-jährigen Muhammad Dschamal al-Kaluti. Beide lebten in Kafr Akab in Ostjerusalem.

Ein weiterer Angriff ereignete sich am Mittwoch an einem Checkpoint nahe der Siedlung Ariel im Westjordanland. Ein 17-jähriger Palästinenser wollte auf Soldaten einstechen. Sie erschossen ihn. Gemäß der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ trug er einen Abschiedsbrief bei sich.

Israel beschließt Sicherheitsmaßnahmen

Nach den drei Anschlägen vom Dienstag hatte Premierminister Benjamin Netanjahu Dienstagnacht eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Daran nahmen unter anderen Verteidigungsminister Mosche Ja‘alon, der Minister für öffentliche Sicherheit Gilad Erdan sowie Militärvertreter teil. Sie beschlossen, dass der Sicherheitszaun im Raum Jerusalem vollendet werden solle. Dies führten sie allerdings nicht näher aus, merkt die Tageszeitung „Jerusalem Post“ an.

Eine weitere Maßnahme ist die Abriegelung der Herkunftsorte von Terroristen. Auch will Israel Medien schließen, die Hetze fördern. Hinzu kommt eine schnelle Strafverfolgung für diejenigen, die Palästinensern helfen, illegal einzureisen oder in Israel zu leben. Auch behalten sich die Behörden vor, Arbeits- und Handelsgenehmigungen für Palästinenser zu verweigern.

Appell an Sicherheitsrat

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon wandte sich indes in einem Dringlichkeitsbrief an den Weltsicherheitsrat. Dieser müsse die Messerangriffe verurteilen. Seit Beginn der Terrorwelle im Oktober hätten Palästinenser 317 Angriffe gegen Israelis verübt, das seien durchschnittlich 2,18 Attentate pro Tag. Ein Drittel sei von Minderjährigen verübt worden. Die Anschläge hätten 34 Todesopfer gefordert.

„Ja, der Sicherheitsrat hat den palästinensischen Terror noch keinmal verurteilt“, zitiert die „Jerusalem Post“ aus dem Schreiben. „Die internationale Gemeinschaft darf diese fortdauernde Kampagne von Gehirnwäsche und Indoktrinierung nicht weiter ignorieren. Ich bitte Sie, Ihre Augen zu öffnen, verurteilen Sie die fortdauernden Angriffe.“

Biden: Palästinenserführung muss Anschläge verurteilen

Während der Messerstecherei in Jaffa hatte sich US-Vizepräsident Joe Biden mit dem früheren israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres im Peres-Friedenszentrum getroffen – etwa zwei Kilometer entfernt von den Tatorten. Peres teilte mit: „Ich habe den Vizepräsidenten über den schrecklichen Vorfall informiert, der wenige hundert Meter von hier in Jaffa passiert ist. Er wollte jede Einzelheit wissen, und die Namen der Familien und der Verletzten.“ Weder in Israel noch in den USA gebe es beim Kampf gegen den Terror einen Kompromiss.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, ließ verlauten: „Die Vereinigten Staaten verurteilten auf das Schärfste die heutigen abscheulichen Terroranschläge in Jaffa, Petach Tikva und Jerusalem, die in tragischer Weise den US-Bürger Taylor Allen Force das Leben gekostet und viele andere Schwerverletzte gefordert haben. Wie wir viele Male gesagt haben, gibt es absolut keine Rechtfertigung für Terror. Wir ermutigen weiter alle Parteien, positive Schritte zu unternehmen, um die Spannungen zu verringern und die Ruhe wiederherzustellen.“ Biden selbst forderte am Mittwochnachmittag bei einem Treffen mit Netanjahu die Palästinenserführung auf, die Anschläge zu verurteilen.

Hamas lobt „Märtyrer“

Die radikal-islamische Hamas lobte auf ihrer Website die Attentate als „heldenhafte Operationen“. Die Angriffe bewiesen, dass die Gewalt, die im Oktober begann, nicht zu Ende sei. „Die Hamas feiert die Märtyrer, die durch diese Operationen aufgestiegen sind“, hieß es weiter. „Sie bestätigt, dass ihr reines Blut, so Allah will, der Treibstoff für die Ausweitung der Intifada sein wird.“ (eh)

Von: eh

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