Israel hält Informationen über sein Atomprogramm aus strategischen Gründen unter Verschluss.
Israel hält Informationen über sein Atomprogramm aus strategischen Gründen unter Verschluss.

„Israel besitzt 80 Atombomben“

STOCKHOLM (inn) – Das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (SIPRI) hat in seinem neuesten Jahresbericht festgestellt, dass 80 von 16.300 Atombomben weltweit in Israel lagern. Die Verfasser zeigen allerdings ihre eigene Unsicherheit.

Zu den neun Atommächten zählen neben den USA und Russland auch Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Nordkorea. Alle diese Länder, außer Israel, haben mit Atomtests der Welt gezeigt, dass sie tatsächlich über Nuklearwaffen verfügen. Ob die Angaben des schwedischen Instituts über Israels Arsenal präziser sind als die Angaben in Medien, wo üblicherweise über 200, 300 und gar 400 einsatzbereite A-Bomben in Israel spekuliert wird, bleibt dahingestellt, solange Israel den Besitz dieser Waffe niemals bestätigt, aber auch nicht dementiert hat.

Seit den 1960er Jahren, als Frankreich den Israelis geholfen hat, in Dimona einen Atomreaktor zu errichten, der mit Augenzwinkern auch „Textilfabrik“ genannt wird, kursieren Gerüchte über die vermeintliche israelische Atombombe. Der jüdische Staat schweigt sich dazu aus, denn ein Eingeständnis würde bedeuten, dass Israel internationale Inspektoren ins Land lassen müsste. Diese Politik der Doppeldeutigkeit hat eine funktionierende Abschreckung zur Folge. Solange der Feind von der atomaren Fähigkeit Israels fest überzeugt ist, wäre es reiner Selbstmord, Israel durch Krieg zu einem Atomschlag zu provozieren.

Der ägyptische Präsident Anwar el-Sadat soll „fest geglaubt“ haben, dass Israel eine Atommacht und deshalb „unbesiegbar“ sei. Das war für ihn der entscheidende Anstoß, nach dem Jom Kippur-/Oktober-Krieg von 1973 Frieden mit Israel zu schließen. Auch der andere Erzfeind Israels, Syrien, hat seit 1973 keinen direkten Angriff auf Israel mehr gewagt.

Mutmaßungen und Spekulationen

Die Angaben des schwedischen Instituts müssen bei genauem Hinschauen mit Vorsicht genossen werden. Da heißt es wörtlich, dass der Besitz von 80 „intakten“ Atombomben nur „geschätzt“ werde, wobei 50 mit ballistischen Mittelstreckenraketen vom Typ „Jericho II“ ins Ziel getragen und weitere 30 von Flugzeugen abgeworfen werden könnten.

Das Institut fügt fragend hinzu, ob die „Jericho III-Rakete“ mit größerer Reichweite schon einsatzbereit sei. Weiter heißt es in dem Bericht, dass im Jahr 2012 erneut „Spekulationen“ über die Entwicklung von Marschflugkörpern für U-Boote aufgekommen seien. Bei so vielen Mutmaßungen und Spekulationen kann man wohl mit absoluter Gewissheit nur feststellen, dass auch das angesehene schwedische Forschungsinstitut über kein gesichertes Wissen verfügt.

Was wäre, wenn ...?

Und angenommen, Israel wird eines Tages doch gezwungen, Inspektoren ins Land zu lassen, die aber am Ende keine einzige Bombe finden. Was dann? Solange es weder einen Beweis in Form eines Atomtests noch einen handfesten Gegenbeweis gibt, muss auch in Betracht gezogen werden, dass Israel nur so tut, als ob … Sollten Inspektoren das bestätigen, würde ein entscheidendes Element der israelischen Abschreckung wegfallen. Israels Existenz wäre dann augenblicklich von arabischen Staaten, wie Ägypten und Saudi-Arabien, sowie dem Iran in Frage gestellt. Denn Israels Legitimität und Existenz wird bis heute in der Propaganda und in politischen Absichtserklärungen immer wieder bezweifelt. Der feste „Glaube“ an Israel als Atommacht hat jedoch nachweislich seit 1973, also schon fast ein halbes Jahrhundert lang, einen konventionellen Krieg zwischen Israel und arabischen Staaten verhindert.

Von: Ulrich W. Sahm

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