Indien: Trauer um jüdische Terror-Opfer

MUMBAI (inn) - Zahlreiche Trauergäste haben am Montag in der Knesset-Elijahu-Synagoge in Mumbai (Bombay) der sechs jüdischen Todesopfer der jüngsten Terroranschläge gedacht. Dabei waren in der vergangenen Woche mindestens 187 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 300 wurden verletzt.

Die Attentäter hatten in der Nacht zum Donnerstag neben zwei Hotels ein Gebäude der jüdischen Chabad-Bewegung in der indischen Stadt besetzt. Dort hielten sich auch mehrere Israelis auf. Am frühen Freitagmorgen begannen indische Sicherheitskräfte eine Befreiungsaktion, die bis zum Abend andauerte. Alle Menschen in dem Haus waren tot.

 

Unter den Opfern sind der Leiter des Chabad-Zentrums, Rabbi Gavriel Holtzberg, und seine Ehefrau Rivka. Ihr zweijähriger Sohn konnte hingegen von einer Angestellten gerettet werden. Laut der Tageszeitung "Jediot Aharonot" handelt es sich bei den weiteren Opfern um Bentzion Chroman und Rabbi Leibish Teitlebaum, die für die Einhaltung der jüdischen Speisegesetze zuständig waren, sowie Jocheved Orpas und die mexikanische Jüdin Norma Shvarzblat Rabinovich. Die getöteten Israelis sollen am heutigen Montag nach Israel geflogen werden. Dort werden sie als Opfer einer feindlichen Aktion gegen Israel anerkannt.

 

Bei der Gedenkfeier rief Rivka Holtzbergs Vater, Rabbi Schmuel Rosenberg, die Trauernden auf, das Werk seiner Kinder fortzuführen. Die Chabad-Bewegung werde trotz der blutigen Taten weiter in der Stadt aktiv sein. Er bedankte sich bei der Inderin Sandra Samuel, die seinem Enkel geholfen hatte: "Mit ihrer großen Findigkeit hat Sandra meinem Enkel das Leben gerettet. Wenn sie ihn sich nicht geschnappt hätte, wäre er sicherlich ermordet worden."

 

Wie die Tageszeitung "Ha´aretz" berichtet, nahm auch Israels Botschafter in Indien, Mark Sofer, an der Gedenkstunde teil. "Dies ist eine Tragödie für Indien und für Israel, aber vor allem für die Familien", sagte er. "Wir, unsere indischen Freunde und der Rest der zivilisierten Welt werden weiter Terrorismus bekämpfen, bis wir gewinnen."

 

Amerikanischer Rabbi bemühte sich um Kontakt zu Geiseln

 

Ein Rabbiner der Chabad-Bewegung in Washington, Levi Shemtov, teilte am Sonntag mit, er habe sich während der Besetzung des Gebäudes um einen Kontakt zu Rabbi Holtzberg bemüht. Er habe ihn mobil angerufen. "Ich habe es immer wieder versucht, und am Ende antwortete jemand und sagte: 'hallo'". Dieser habe gesagt, er spreche das in Indien und Pakistan verbreitete Urdu. Nachdem der Rabbi einen Dolmetscher gefunden hatte, wählte er die Nummer erneut. Der Mann, der den Anruf entgegennahm, habe sehr ruhig geklungen und sich als Imran vorgestellt.

 

"Er wollte mir nicht sagen, was er wollte", so Rabbi Shemtov. "Er sagte, dem Rabbi gehe es gut, allen gehe es gut, wenn man ihren Forderungen nachkomme, würden alle befreit." Shemtov habe seinen Gesprächspartner aufgefordert, den Geiseln nichts anzutun. Überdies habe er ihm angeboten, ihm zu helfen, mit der indischen Regierung in Kontakt zu treten. "Ich fragte, ob wir die Stimme des Rabbis hören könnten, oder von einem anderen, der lebendig war, aber wir hörten nur die Stimme einer Frau, die auf Englisch schrie: 'Bitte helft sofort'. Ich bat ihn, das Telefon an den Rabbi weiterzugeben." Doch der Attentäter habe nur erwidert: "Sie haben schon um zu viel gebeten."

 

Nach eigenen Angaben sprach Rabbi Shemtov etwa fünfmal mit dem Mann. Am Ende habe dieser gesagt, der Akku des Mobiltelefons gebe seinen Geist auf. Anschließend habe er das Gespräch beendet.

 

Indien vermutet die Drahtzieher der Attentate im benachbarten Pakistan.

Von: E. Hausen

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