Der israelische Nachrichtensender sprach am Telefon mit dem Taliban-Sprecher in Doha

Der israelische Nachrichtensender sprach am Telefon mit dem Taliban-Sprecher in Doha

Taliban: Sicherheit für den letzten Juden

Die Taliban wollen nach Angaben ihres Sprechers die Rechte der Minderheiten wahren. Dies gelte auch für den letzten in Afghanistan verbliebenen Juden.

DOHA / KABUL / JERUSALEM (inn) – Der Sprecher der Taliban Suhail Schahin gab in den vergangenen Tagen zahlreiche Interviews. Er wollte der Welt mitteilen, dass die Machtübernahme der Taliban nicht die befürchteten schlimmen Auswirkungen angesichts der strengen Auslegungen der Scharia, des islamischen Rechts, hätten.

Ein Interview war besonders, weil es per Telefon vom israelischen Fernsehsender „Kan“ geführt wurde. Wie israelische Medien berichten, war sich der in Doha befindliche Sprecher nicht darüber im Klaren, dass er mit einem israelischen Fernsehsender sprach. Der Interviewer Roi Kais habe zwar den Namen des Fernsehsenders erwähnt, nicht aber, dass es sich dabei um einen israelischen Sender handelt. Kais fragte, wie die Taliban künftig die Minderheiten behandeln würden, unter ihnen auch Zebulon Simantov, der als letzter Jude in Afghanistan gilt.

Religionsfreiheit für alle Minderheiten

Den letzten Juden kenne er nicht, sagte Schahin, doch „es gibt Sikhs und Hindus im Land, diese genießen religiöse Freiheit. Menschen müssen keine Angst haben.“ Die geplante Umsetzung der Scharia werde nicht für mehr Todesfälle, sondern für „Frieden und Stabilität“ sorgen. „Ich verstehe nicht, warum Menschen vor uns fliehen. Wir wollen den Frieden für das Land gewährleisten, es wird nicht wie in der Vergangenheit sein.“ Die vergangenen zwei Jahrzehnte der US-Präsenz im Land, während deren Washington versucht habe, ein demokratisches System einzuführen, seien „eine Besatzung gewesen, die das afghanische Volk nicht gewollt hatte“.

Im April hatte Simantov gesagt, dass er nach den hohen Feiertagen Ende September nach Israel einwandern wolle. Nun habe er erklärt, er wolle sein Heimatland nicht verlassen. Der Teppich- und Schmuckhändler war 1960 in Herat geboren und war später nach Kabul gezogen. Heute gibt er auf die Synagoge acht. Sein Weggang würde das Ende einer 2.000-jährigen jüdischen Geschichte markieren.

Hamas schickt Glückwünsche zum Ende der Besatzung

Nach einem militärischen Vormarsch hatten die Taliban am 15. August den Präsidentenpalast in Kabul eingenommen und ihren Sieg verkündet. Der Präsident Aschraf Ghani hat das Land verlassen, damit ist Afghanistan nun unter Kontrolle der islamistischen Bewegung. Neben anderen westlichen Regierungen hatten die USA angekündigt, bis zum 11. September alle Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Die Anschläge vor 20 Jahren waren der Auslöser der US-Militärinvasion.

„Kan“ befragte Schahin auch zu Glückwünschen, die die Hamas anlässlich der Machtübernahme gesendet hatte. „Wenn Hamas uns zur Freiheit wegen des Endes der Besatzung gratuliert, ist das großartig“, sagte er. „Doch zwischen unseren Gruppierungen besteht keine Zusammenarbeit. Wir haben uns lediglich für ein Ende der Besatzung in Afghanistan eingesetzt.“ Die Hamas hatte die Ereignisse in Afghanistan „als Sieg nach mehr als 20 Jahren Kampf“ gepriesen und „der muslimischen afghanischen Nation zum Niedergang der amerikanischen Besatzung auf afghanischem Boden“ gratuliert.

Von: mh