Zieht mit seiner Äußerung zum Tempelberg Kritik auf sich: Premierminister Bennett

Zieht mit seiner Äußerung zum Tempelberg Kritik auf sich: Premierminister Bennett

Äußerung von Bennett zum Tempelberg irritiert Muslime

Am Trauertag Tischa BeAv betreten zahlreiche Juden den Tempelberg. Premier Bennett begrüßt mit einer missverständlichen Formulierung diese Möglichkeit. Muslime befürchten daraufhin eine Änderung des Status quo.

JERUSALEM (inn) – Eine Äußerung des israelischen Premierministers Naftali Bennett (Jamina) über Religionsfreiheit auf dem Tempelberg hat für Irritationen gesorgt. Sie bezog sich auf den Trauertag Tischa BeAv, den Juden am Sonntag begingen. Er erinnert unter anderem an die Zerstörung der beiden Jerusalemer Tempel. Deshalb begaben sich an diesem Tag etwa 1.600 Juden auf den Tempelplatz.

Aus dem Büro des Premierministers hieß es, Bennett habe dem Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Barlev, und dem Polizeichef dafür gedankt, dass sie „die Vorgänge auf dem Tempelberg mit Verantwortung und Abwägung bewältigt haben, wobei sie die Religionsfreiheit für Juden auf dem Berg wahrten“. Er habe „betont, dass Religionsfreiheit auf dem Tempelberg ebenso völlig für Muslime gewahrt wird, die demnächst das Fasten des Tages von Arafa und das Opferfest Eid al-Adha begehen werden“. Am Arafa-Tag vor dem Opferfest verweilen Mekka-Pilger in Fürbitte auf dem nahe gelegenen Berg Arafat. In diesem Jahr fällt er auf den heutigen Montag.

Die Mitteilung wurde auf Englisch und Hebräisch veröffentlicht. Sie erweckte bei manchen den Anschein, Bennett wolle den Status quo auf dem Tempelberg ändern. Derzeit dürfen nämlich Nicht-Muslime und damit auch Juden das Gelände besuchen, aber nicht dort beten. Das ist ausschließlich Muslimen vorbehalten.

„Keine Änderung des Status quo“

Aufgrund der Irritation betonte das Büro des Premierministers, der Status quo werde gewahrt. Entsprechend äußerte sich am Sonntag auch der Sprecher von Sicherheitsminister Barlev, Matan Sidi, gegenüber der Onlinezeitung „Times of Israel“: Es gebe „keine Änderung der Politik“ bezüglich des Tempelberges.

Später sagte Barlev dem Sender „Kanal 13“: „Wenn Juden auf dem Tempelberg gebetet haben, ist das natürlich gegen das Gesetz.“ Aus seiner Sicht habe Bennett sich darauf bezogen, dass Juden „trotz aller Komplexität“ den „Zugang“ zu dem Gelände erhalten hätten. Es habe für diejenigen Bewegungsfreiheit gegeben, die den Tempelberg an Tischa BeAv besuchen wollten.

Einen Tag zuvor hatte der israelische Fernsehsender „Kanal 12“ berichtet, in den vergangenen Monaten seien immer wieder Gruppen von Juden auf den Tempelberg gestiegen. Sie hätten dort still gebetet, ohne von der Polizei unterbrochen worden zu sein. Der Sender sprach von einer „Revolution, die sich schrittweise unter dem Radar entfaltet“.

Kritik aus der islamischen Welt – und von der Ra'am-Partei

Muslime indes protestierten bereits am Sonntagmorgen gegen die zu erwartenden jüdischen Besucher. Sie verbarrikadierten sich auf dem Tempelberg, es gab Zusammenstöße mit der Polizei. Am Abend wurden beim Damaskustor vier Israelis leicht verletzt, als Palästinenser Steine auf Fahrzeuge warfen. Unter den Verletzten ist ein einjähriger Junge. Ein weiterer Israeli wurde im Ostjerusalemer Stadtteil Abu Tor von einem Stein getroffen.

Jordanien, Ägypten und die Türkei verurteilten den Besuch der Juden auf dem Tempelberg und damit in der Nähe der Al-Aqsa-Moschee. Ein Sprecher des jordanischen Außenministeriums sagte der Nachrichtenagentur „Petra“: „Die israelischen Aktionen gegen die Moschee werden abgelehnt und verurteilt. Sie stellen eine Verletzung des historischen und rechtlichen Status quo dar, und von Israels Verpflichtungen als Besatzungsmacht in Ostjerusalem.“ Die jordanische Aufsichtsbehörde Waqf verwaltet den Tempelberg.

Kritik kam auch von der arabisch-israelischen Partei Ra’am, die an Bennetts Koalition beteiligt ist. Sie verurteilte, dass Hunderte israelische „Siedler“ auf den Tempelberg gestiegen seien. Die Al-Aqsa-Moschee sei „allein das Eigentum von Muslimen, und kein anderer hat ein Recht darauf“. Weiter hieß es aus der islamistischen Partei: „Ereignisse, die daraus folgen, könnten die Lage in Jerusalem und der gesamten Region entflammen, was zu einem katastrophalen Religionskrieg führen würde.“

Von: eh