Hatte Freude an den sozialdemokratischen Aspekten der israelischen Politik: Thomas Oppermann (1954–2020)

Hatte Freude an den sozialdemokratischen Aspekten der israelischen Politik: Thomas Oppermann (1954–2020)

„Oppermann war ein guter Freund des Staates Israel“

Der plötzlich verstorbene SPD-Politiker Thomas Oppermann schätzte Israel – vor allem die sozialdemokratischen Errungenschaften. Die israelische Botschaft würdigt ihn als „guten Freund“.

JERUSALEM / BERLIN (inn) – Mit einer Schweigeminute für Thomas Oppermann hat am Montag in der Knesset die Sitzung der Israelisch-Deutschen Parlamentariergruppe begonnen. Denn der unerwartet mit 66 Jahren verstorbene SPD-Politiker gehörte zu den stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag. Und so bekundeten die Abgeordneten zum Auftakt der Sitzung dem deutschen Volk ihr Beileid, wie es in einer Mitteilung der Knesset heißt.

Die israelische Botschaft in Berlin kondolierte auf Twitter: „Mit großer Bestürzung haben wir vom plötzlichen Tod von Thomas Oppermann erfahren. Er war ein guter Freund des Staates Israel. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie.“

Seit 1993 unzählige Israelreisen

Oppermann hatte 1993 als niedersächsischer Landtagsabgeordneter erstmals Israel bereist – diesem Besuch sollten viele weitere folgen. Zu den Höhepunkten zählte sicher die Reise als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion im Mai 2015 – Anlass war das 50-jährige Bestehen der deutsch-israelischen Beziehungen. Dabei betonte er, dass in den Anfangsjahren des jüdischen Staates sozialdemokratische Ideale verwirklicht worden seien, etwa in den Kibbutzim. „Seit der Staatsgründung von 1948 schauten deutsche Sozialdemokraten immer mit großer Sympathie nach Israel“, zitierte ihn seinerzeit die „Jüdische Allgemeine“.

Auch wies er Forderungen nach einem „Schlussstrich“ unter die Geschichte der Judenverfolgung zurück: Im Verhältnis zu Israel gebe es „keine Normalität in dem Sinne, dass sie durch einen Schlussstrich unter die Vergangenheit begründet werden könnte“.

Ebenfalls zum Jubiläum der diplomatischen Beziehungen äußerte sich Oppermann im Reichstag. Er bezeichnete es als Wunder, dass in 50 Jahren zwischen den beiden Ländern eine wirkliche Freundschaft entstanden sei. „Wir Deutschen sollten zutiefst dankbar dafür sein.“ Aus der Geschichte erwachse eine Verantwortung und Solidarität Deutschlands für Israel, denn „mit keinem anderen Staat sind wir so schicksalhaft verbunden“.

Deutsche und Israelis seien inzwischen „wichtige Diskussionspartner auf Augenhöhe“ geworden, ergänzte Oppermann laut einer Mitteilung der SPD. Wie es sich für eine gute Beziehung gehöre, könne man auch sachlich über Themen reden, bei denen es unterschiedliche Auffassungen gebe: etwa über den Nahost-Konflikt oder das iranische Atomprogramm. Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen am 12. Mai 1965 nannte er einen „wichtigen Schritt der Annäherung“ zwischen Israel und Deutschland.

Einsatz gegen Antisemitismus

Auch gegen Antisemitismus machte sich Oppermann stark. So verurteilte er im April 2018 einen Übergriff auf zwei Männer mit Kippa im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Einer der beiden Juden, ein Israeli, wurde von einem der Angreifer mit einem Gürtel geschlagen und auf Arabisch beschimpft. „Es muss klar sein: Für Antisemitismus gibt es keinen Platz in Deutschland“, sagte Oppermann daraufhin. „Das ist ein gravierender Vorfall und leider kein Einzelfall.“

In dem Zusammenhang sprach der stellvertretende Bundestagspräsident auch die Gefahr an, dass Antisemitismus durch Judenhass zunehmen könne: „Viele arabische Jugendliche wachsen in einer anti-israelischen Grundstimmung auf und Rechtsextreme relativieren den Holocaust.“

Thomas Oppermann sollte am Sonntagabend vom Göttinger Max-Planck-Institut aus live in die ZDF-Sendung „Berlin direkt“ zugeschaltet werden – zum Thema „Bundestag und Corona“. Als der erste Beitrag bereits lief, brach er bewusstlos zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort starb er. Im August hatte er angekündigt, nach 30 Jahren als Abgeordneter in Hannover und Berlin nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren.

Von: Elisabeth Hausen

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