Mit Friedensbotschaft: Die Boeing 737-900 kurz vor dem Abflug in die Emirate

Mit Friedensbotschaft: Die Boeing 737-900 kurz vor dem Abflug in die Emirate

Historischer Flug von Israel in die Emirate

Ein historischer Moment jagt den nächsten: Nach dem angekündigten Friedensabkommen zwischen Israel und den Emiraten lässt sich nun der erste kommerzielle Flug zwischen den Staaten verzeichnen. Zudem haben die Emirate ein Gesetz zum Israel-Boykott aufgehoben.

ABU DHABI / JERUSALEM (inn) – Zum ersten Mal seit Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate im Jahr 1972 ist ein kommerzieller Flieger aus Israel in dem Golfstaat gelandet. Die Maschine der Gesellschaft El Al hob um etwa halb zehn Uhr deutscher Zeit in Tel Aviv ab und landete zwanzig Minuten vor zwei Uhr in Abu Dhabi.

Als weiteres historisches Novum flog die Boeing 737-900 über Saudi-Arabien; das Königreich hatte zuvor Überflugrechte gewährt. Laut dem Flugradar-Dienst Flightradar befand sich die Maschine kurzzeitig auch im omanischen Luftraum.

An Bord befand sich eine amerikanisch-israelische Delegation. Sie steht unter der Leitung des amerikanischen Präsidentenberaters Jared Kushner. Mit dabei sind die Sicherheitsberater der USA und Israels, Robert O'Brien und Meir Ben-Schabbat. Laut Mitteilung der „Emiratischen Nachrichtenagentur“ (WAM) sind bis Dienstag Treffen zu verschiedenen Themenfeldern wie Finanzen, Tourismus, Gesundheitswesen und Außenpolitik angedacht.

Von der Schwierigkeit, nicht zu grinsen: Der amerikanische Präsidentenberater Kushner, Sicherheitsberater O'Brien und dessen israelischer Amtskollegen Meir-Schabbat sind kurz vor dem Abheben (v. r. n. l.)

Von der Schwierigkeit, nicht zu grinsen: Der amerikanische Präsidentenberater Kushner, Sicherheitsberater O'Brien und dessen israelischer Amtskollegen Meir-Schabbat sind kurz vor dem Abheben (v. r. n. l.)

Für den Flug mit der Nummer LY971 hatte die El Al Piloten aus der Corona-Zwangspause geholt. Flugkapitän Tal Becker sprach im Vorfeld von einem „ganz besonderen Gefühl“. Seit 45 Jahren sei er Pilot, seit 25 Jahren fliege er Passagiermaschinen. Doch er hätte es sich nie träumen lassen, nach Abu Dhabi zu fliegen. Die Maschine trägt den Namen der israelischen Stadt Kiriat Gat. Auf ihr ist das arabische, das englische und das hebräische Wort für „Friede“ aufgezeichnet.

Arbeit hinter den Kulissen

In einem weiteren Schritt der Annäherung haben die Emirate bereits am Samstag ihr Israel-Boykott-Gesetz aufgehoben. Der Präsident des Golfstaates, Scheich Chalifa Bin Sajed al-Nahjan, veröffentlichte ein entsprechendes Dekret. Das Gesetz war 1972 in Kraft getreten, kurz nach der Gründung der Emirate. Von nun an gilt: „Es wird erlaubt sein, israelische Waren aller Art einzuführen, auszutauschen, zu besitzen und damit Handel zu betreiben.“

Der israelische Außenminister Gabi Aschkenasi nannte die Entscheidung einen „wichtigen Schritt zum Frieden“. Viele würden davon wirtschaftlich profitieren, zudem trage die Maßnahme zur Stabilität in der Region bei. Aschkenasi rief weitere Länder auf, den Emiraten zu folgen.

Der Blau-Weiß-Politiker, seit Mitte Mai im Amt, dankte auch den Mitarbeitern des israelischen Außenministeriums. Diese hätten zwei Jahrzehnte lang hinter den Kulissen an diplomatischen Strukturen gearbeitet. „Heute trägt dies Früchte.“

Rivlin: Ein neuer Geist

Präsidentenberater Kushner hatte zuvor bei seinem Aufenthalt in Israel die Klagemauer besucht. Bei einem Treffen mit Staatspräsident Reuven Rivlin rief dieser auch andere Länder auf, den Emiraten zu folgen und „volle und herzliche“ Beziehungen mit Israel aufzunehmen. Nach Rivlins Wahrnehmung weht seit der Ankündigung des sogenannten Abraham-Abkommens ein neuer Geist in der Region.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu dankte Kushner für seine diplomatischen Bemühungen. „Während wir gegen die Exponenten des Terrors und der Aggression vorgehen, sind wir zugleich bereit, die Felder des Friedens zu bestellen, und die reichen Früchte unseren Völkern wie der der gesamten Weltgemeinschaft zu geben.“

Der palästinensische Premier Mohammed Schtaje kritisierte diese Entwicklungen und insbesondere den Flug. Es sei schmerzhaft, diesen mit anzusehen, sagte er laut der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA bei der wöchentlichen Regierungssitzung. Die Emirate verstießen gegen den arabischen Konsens, sich normalen Beziehungen zu Israel zu verweigern, bis die Besatzung „Palästinas“ beendet ist. „Wir hätten es gerne gesehen, dass ein Flieger der Emirate im befreiten Jerusalem landet. Aber wir leben in einer schwierigen arabischen Ära.“

Von: df

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