Nach einem Anruf des Antisemitismusbeauftragten Blume bedauerte die „Badische Zeitung“ ihren Text

Nach einem Anruf des Antisemitismusbeauftragten Blume bedauerte die „Badische Zeitung“ ihren Text

Der „Nahostkonflikt“ in einem Satz

In einem kurzen Artikel versucht die „Badische Zeitung“ Antisemitismus kindergerecht zu erklären. Auch Israel findet Erwähnung. Doch am Ende enthält der Text selbst antisemitische Tendenzen, meinen Kritiker.

FREIBURG (inn) – Ein kurzer Artikel der in Freiburg im Breisgau ansässigen „Badischen Zeitung“ hat in dieser Woche Kritik ausgelöst. Die Vorwürfe: Bagatellisierung von Judenhass und eine problematische Darstellung des israelisch-arabischen Konfliktes. Sogar der Antisemitismusbeauftragte Baden-Württembergs schaltete sich ein.

Was war passiert? Eine Kulturredakteurin hatte auf gerade einmal 27 Zeilen den Versuch unternommen, den Antisemitismus-Begriff zu erklären – kindergerecht, denn der Text erschien in der für Schulkinder gedachten Rubrik „Erklär’s mir“. Nachdem die Autorin zunächst auf den mittelalterlichen Judenhass eingegangen und dann zur Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten gekommen war, schrieb sie: „Nach dem Krieg bekamen die Juden endlich ein Land, in dem sie leben können.“ Dann folgte der Satz: „Der Staat Israel hat dafür die Palästinenser vertrieben und behandelt sie schlecht.“ Das Erklärstück endet mit den Worten: „Kritik an der Politik Israels zu üben, ist nicht automatisch Antisemitismus, obwohl viele deutsche Politiker das so sehen.“

„Verkürzt und falsch dargestellt“

Nach der Veröffentlichung löste der Artikel schnell „teils heftige Kritik“ aus, wie die Zeitung selbst feststellen musste. „Selten haben wir eine solche verkürzte Darstellung gelesen, was einer Gefahr der Bagatellisierung von Antisemitismus Vorschub leistet“, schrieb etwa die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) bei Twitter. Auch den Landesantisemitismusbeauftrage Michael Blume erreichten nach eigenen Angaben „empörte Reaktionen aus dem ganzen Bundesgebiet“. Er übte auch an der Darstellung Hitlers als „krankhaft“ Kritik, da dessen Hass auf diese Weise weggedeutet worden sei. Blume rief schließlich bei der Zeitung an. Es sei ein „sehr gutes, kritisches und konstruktives“ Telefonat gewesen, sagte er danach. Das erlebe er oft anders.

Das Blatt selbst, das eine Auflage von deutlich über 100.000 Stück hat, veröffentlichte nach dem Telefonat eine Stellungnahme. Darin weist der Politik-Ressortleiter Dietmar Ostermann darauf hin, dass sich auf 27 Zeilen „ein solch komplexes Thema sicherlich nicht in aller Tiefe behandeln“ lasse. „Gleichwohl können wir nachvollziehen, dass einige Passagen des Textes zu Irritationen geführt haben. Insbesondere die Hintergründe und Ereignisse bei der Staatsgründung Israels waren nicht nur verkürzt, sondern falsch dargestellt. Dies bedauern wir.“ Blume sieht darin eine „deutliche“ Erklärung. Der Text selber war auch im Internet noch am Freitagmittag nicht geändert, sondern nur mit der Stellungnahme versehen.

Von: ser

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