Treffen in Bonn: Israels Außenminister Eban (l.) und der deutsche Bundeskanzler Brandt

Treffen in Bonn: Israels Außenminister Eban (l.) und der deutsche Bundeskanzler Brandt

Vor 50 Jahren: Erster israelischer Außenminister in Deutschland

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind aus nachvollziehbaren Gründen stockend in Gang gekommen. Und als der erste Regierungspolitiker überhaupt zu einem Besuch antrat, bestand Redebedarf.

Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen hat es mehr als fünf Jahre gedauert, bis Politiker der Regierungen Deutschlands oder Israels zu offiziellen Besuchen kamen. Als es 1970 soweit war, geschah dies allerdings nicht aus Höflichkeit oder Zuneigung. Als der israelische Außenminister Abba Eban 1970 in Bonn vorstellig wurde, hatte er vielmehr Gesprächsbedarf.

Die seit Oktober 1969 regierende sozialliberale Koalition unter Willy Brandt (SPD) wollte die Beziehungen zu den arabischen Ländern – den erklärten Feinden Israels – verbessern. Im Sommer 1965 hatten 14 arabische Länder die Beziehungen zu Deutschland aufgekündigt, weil Deutschland nun diplomatische Beziehungen zu Israel pflegte. Bei allem Misstrauen betonte Eban gegenüber Außenminister Walter Scheel bei ihrem zweieinhalb-stündigen Gespräch: „Israel hindert die Bundesrepublik nicht an guten Beziehungen zu den Arabern. Es sind doch die Araber, die alles versuchen, die Bundesrepublik an guten Beziehungen zu Israel zu hindern.“

Terror gegen Juden

Wie das Magazin „Spiegel“ damals beobachtete, war es jedoch eine andere Geschichte, die das Verhältnis trübte: Scheel hatte angeregt, dass doch eigentlich die Zeit gekommen sei für eine „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Damit war gemeint, dass Bonn nicht mehr speziell vereinbarte Gelder an Jerusalem zahlt. Israel war auch angesichts der ständigen Bedrohungen durch die arabischen Staaten auf Finanzhilfen angewiesen. Eban teilte Scheel jedenfalls mit: „Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel können nicht normalisiert werden.“

Abgesehen von dem finanziellen Aspekt sprachen aus diesem Satz wohl auch frische Eindrücke. Der Nazi-Terror hatte zwar knapp 25 Jahre zuvor sein Ende gefunden. Eban steuerte zunächst auch nicht Bonn an, sondern besuchte die Stätte des früheren Konzentrationslagers Dachau bei München. Doch Gewaltakte und Terror gegen Juden, auch und gerade auf deutschem Boden, hatten kurz vor dem Besuch eine erschreckende Aktualität erhalten:

  • Einen Tag vor der Ankunft Ebans verunglückte eine Maschine der Swissair durch einen palästinensischen Bombenanschlag auf einem Flug von Zürich nach Tel Aviv; der Anschlag hatte vermutlich einer El-Al-Maschine gegolten, die von München allerdings verspätet gestartet war. Das Paket mit der Bombe kam daher in die Swissair-Maschine.

  • Eine Woche vor dem Besuch Ebans, am 13. Februar, kamen sieben Juden bei einem Brandanschlag auf das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München ums Leben. Hier vermuten Historiker einen linksterroristischen Hintergrund.

  • Am 10. Februar wurde ein Israeli bei einer versuchten Flugzeugentführung durch Fatah-Terroristen auf dem Flughafen München-Riem getötet.

Der Ort München als Schauplatz dieser Gewalt ist für den Historiker Wolfgang Kraushaar kein Zufall. Er vermutet, dass die Akte eben dort stattfanden, weil dies die erste Station von Ebans Aufenthalt war. Dass München zwei Jahre später während der Olympischen Sommerspiele wieder Schauplatz von Terror gegen Juden sein würde, wollte damals niemand ahnen.

Von: Daniel Frick

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