Gilt sowohl Ägyptern als auch Israelis als ihr bester Spion: Aschraf Marwan

Gilt sowohl Ägyptern als auch Israelis als ihr bester Spion: Aschraf Marwan

Ägyptischer Verleger muss für fünf Jahre ins Gefängnis

Wegen der arabischen Version eines israelischen Buches muss ein Ägypter ins Gefängnis. Der Inhalt des Buches handelt von sensiblen geschichtlichen Informationen.

KAIRO (inn) – Ein ägyptisches Gericht hat kurz vor Jahreswechsel den Chef eines Verlagshauses zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er ein israelisches Buch verlegte. Dabei handelt es sich um die Biografie des Geheimagenten Aschraf Marwan mit dem Titel „Der Engel: Der ägyptische Spion, der Israel diente“ von Autor Uri Bar-Joseph.

Zur Urteilsbegründung hieß es, Chaled Lotfi habe mit der Veröffentlichung des Buches Militärgeheimnisse preisgegeben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf dessen Bruder Mahmud Lotfi. Der in dem Buch porträtierte Marwan war der Schwiegersohn des damaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser und gilt als wichtigster Spion der israelischen Geschichte. Der ehemalige Mossad-Chef Zvi Samir bezeichnet ihn als „die beste Quelle, die wir jemals hatten“.

Der israelische Geheimdienst gab Marwan den Codenamen „der Engel“. Wenn etwa der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat mit dem sowjetischen Staatschef Leonid Iljitsch Breschnew sprach, erhielten die Israelis binnen Stunden eine Mitschrift der Gespräche. Gleiches galt für detaillierte ägyptische Militärpläne. Doch auch in Ägypten gilt Marwan als größter Spion aller Zeiten. Laut ägyptischen Sicherheitsexperten wie Abdel Monem Said habe er als Doppelagent Israel nur das wissen lassen, was es wissen sollte.

Schlüsselfigur im Jom-Kippur-Krieg

Marwan warnte Israel zwölf Stunden vor Ausbruch des Jom-Kippur-Krieges am 6. Oktober 1973 vor einem ägyptischen Angriff auf dem Sinai. Dieser fand dann jedoch vier Stunden früher als angegeben statt. Der jüdische Staat verdankt dieser Information trotzdem sein Überleben. Die israelische Interpretation lautet, dass die Pläne so geheim waren, dass selbst Marwan erst in letzter Minute davon erfuhr. Die ägyptische Version der Geschichte ist, dass alles Teil eines Plans war und die vier Stunden Ägypten den entscheidenden Vorsprung verschafften. Präsident Sadat zeichnete Marwan nach dem Krieg mit dem höchsten ägyptischen Orden aus.

Im Januar 2007 fiel Marwan aus seinem Apartment in London aus dem fünften Stock. Die Hintergründe sind bis heute ungeklärt. Zugleich verschwanden Manuskripte seiner Memoiren und Tonaufnahmen, in denen er über seine Spionage-Aktivitäten berichtet. Je nach Interpretation stehen der ägyptische oder der israelische Geheimdienst im Verdacht, Marwan ermordet zu haben. Der Streaming-Dienst Netflix veröffentlichte 2018 einen Film über dessen Lebensgeschichte.

Von: tk

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